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  • Die Mandel – Die Schöne und Noble aus dem Morgenland

    Mandeln sind heute alltäglich, man rührt sie morgens ins Müsli und knabbert sie abends in der Bar zum Cocktail. Und was wäre Weihnachten ohne gebrannte Mandeln, Makronen, und die vielen mit Mandeln dekorierten Gebäcke? Ohne Marzipan würde man viel seltener an Lübeck denken, ist die Stadt doch das deutsche Mekka dieses Haremskonfekts, wie Thomas Mann es nannte.

    Im Mittelalter waren Mandeln noch die schönen und sehr teuren Exoten aus dem fernen Morgenland, der Kaviar unter den Nüssen und Kernen. Zur Haute Cuisine zählten Mandelbrei und Marzipan, und in der mittelalterlichen Küche war die Mandelmilch die Allzweckwaffe zur Veredelung unzähliger Speisen.

    Rezepte für Suppen, Fleisch- und Fischgerichte bis hin zu Desserts und Getränken: die Mandel ist nicht nur nahrhaft sondern auch vielseitig. Und die Geschichte europäischer Mandelrezepte ist gelegentlich kurios.

    Mandelbaum-Mythen & -Märchen

    Kurios sind bereits die Enstehungsmythen des Mandelbaums. Agdistis war ein zweigeschlechtliches, furchterregendes Wesen, entstanden aus einem auf die Erde darnieder getropften nächtlichen Samenerguss des Zeus. Von den Göttern seiner Männlichkeit beraubt, entwuchs dem abgeschnittenen und vergrabenen Genital des Agdistis ein Mandelbaum. Oder entstand erst aus dem nun nur noch das weibliche Geschlecht besitzenden Agdistis die Kybele, Liebhaberin des aus dem vergrabenen Hoden entstandenen Attis? Kybele verletzte sich auf einem Frühlingsspaziergang ihr zierliches Füßlein an einem Dorn; und aus dem vergossenen Tropfen Blute wuchs dann der erste Mandelbaum? Noch zu einfach? Da gab es auch noch die Nymphe Nana, Tochter des Flussgottes Sangarius. Nana pflückte sich eine Frucht von eben dem Baum, der aus Agdistis Genital gewachsen war. Nana drückte die Mandel auf ihre Brust, wurde schwanger und gebar den Attis. Eine Form von indirekter Empfängnis.

    In einer weiteren, etwas komplizierteren, Version wird Agdistis von Dionysos überlistet. Dionysos verwandelte eine Wasserquelle in eine Weinquelle, aus der Agdistis trank. Der Alkohol berauschte, die Müdigkeit übermannte das Zwitterwesen. Dionysos band die männlichen Geschlechtsorgane an einen Baum. Schließlich schreckte Agdistis aus dem Schlaf hoch, sprang auf und entmannte sich selbst. Aus dem Blut des abgerissenen Gliedes entwuchs kein Mandel- sondern ein Granatapfelbaum, von dem Nana, Tochter des Flussgottes Sangarius schwanger wurde, wie oben schon beschrieben. Nur dass es sich um einen Granatapfelkern und nicht einen Mandelkern handelte. Der geborene Knabe, Attis genannt, wurde ausgesetzt. Eine in Ostia gefundene Statue zeigt Attis mit einem Granatapfelzweig in der rechten Hand. Zum schönen Jüngling erwachsen stritten sich Kybele und Agdistis um ihn. Attis sollte aber Ia, Tochter des Königs Midas heiraten. Midas war wiederum ist Sohn des Gordios und der Kybele. Die eifersüchtige Agdistis versetzte den Attis in den Wahnsinn, so dass sich dieser sich selbst entmannte und starb. Aus seinem Blute des von Kybele vergrabenen Gliedes erwuchsen Veilchen, die den Fichtenbaum umkranzten, unter dem das Unglück stattfand. Auch Ia nahm sich das Leben, und auch auch aus ihrem Blute erwuchsen Veilchen. Die Blumen wurden von Kybele verscharrt und nun entstand daraus ein: Mandelbaum.

    Vielleicht war es aber die Phyllis, die sich in einen der Söhne von Theseus und Phaedra verliebte. Ob es nun Akamas war oder sein Bruder Demophon bleibt ungeklärt. Wer es auch war, er versprach der Phyllis die Heirat und reiste von dannen, mit dem Versprechen der baldigen Wiederkehr. Er kam zu spät. Phyllis erhängte sich vor Einsamkeit und Liebeskummer und verwandelte sich in einen kahlen Mandelbaum. Nun doch zurückgekehrt umarmte in Trauer Akamas (oder Demophon) den Baum, der sofort wundersam und schön zu blühen begann. Manchmal gleicht die griechische Mythologie einer großen Gerüchteküche.

    Nach soviel Blut- und Samengeschichten wird die Mandel im Christentum ganz brav. Sie steht für die Unbefleckte Empfängnis. Die Mandorla wird ein Kennzeichen für Maria in der christlich-künstlerischen Bildsprache. Auf Bildnissen der Maria wird diese von der Mandorla cunnusartig umrahmt.

    Allerdings erwähnt nur das Alte Testament den Mandelbaum. So erhielt zum Beispiel Mose von Gott den Auftrag einen mobilen Zelttempel zu errichten. Zu dessen Ausstattung gehörte auch ein Leuchter, die Menora. Die Beschaffenheit des Leuchters ist genau beschrieben:

    „Du sollst auch einen Leuchter aus feinem Golde machen, Fuß und Schaft in getriebener Arbeit, mit Kelchen, Knäufen und Blumen. Sechs Arme sollen von dem Leuchter nach beiden Seiten ausgehen, nach jeder Seite drei Arme. Jeder Arm soll drei Kelche wie Mandelblüten haben mit Knäufen und Blumen. So soll es sein bei den sechs Armen an dem Leuchter. Aber der Schaft am Leuchter soll vier Kelche wie Mandelblüten haben mit Knäufen und Blumen und je ein Knauf soll unter jedem Paar der sechs Arme sein, die von dem Leuchter ausgehen. Beide, Knäufe und Arme, sollen aus ihm hervorgehen, ganz und gar aus lauterem Gold getrieben.“ [Ex 25,31-40]

    Auch in die deutschen Volksmärchen hat die Mandel Eingang gefunden. Johann Wilhelm Wolf (1817-1855) notierte Märchen, Sagen und Lieder, die er mit seinem Schwager Wilhelm von Ploennies auf Wanderung durch den Odenwald oder unter den Soldaten der Armee des Großherzogtums Hessen-Darmstadt fand. 1851 veröffentlichte Wolf im Buch Deutsche Hausmärchen das Märchen von den  „Mandelkörbchen“. Ein Bauer schickt seine drei Söhne in den Wald, das Tagwerk zu verrichten. Die beiden Älteren, von schöner Gestalt, verbringen allerdings den Tag mit Murmelspielen. Bei Einbruch der Dämmerung versuchen Sie hektisch, ein wenig der Arbeit aufzuholen. Dabei zerbrechen Sie Ihre Geräte. Das Geschrei ist groß, die Angst vor dem Vater auch. Ein seltsamer Mann hört ihr Klagen und will Ihnen helfen, indem er jedem der Brüder einen Wunsch gewährt und erfüllt. Der Älteste wünscht sich, dass seine zerbrochene Hacke wieder heile ist, der Zweitälteste wünscht sich eine schöne Frau. Der Jüngere aber wünscht sich ein Schloss, in dem die ganze Familie einziehen kann, mit einem Mandelbaum davor, dessen Früchte alle Krankheiten kurieren können. Einige Zeit später lässt der König des Landes kundtun, dass seine Tochter eine seltene, bislang nicht heilbare Krankheit hat, und dass derjenige, der sie kurieren kann, sie zur Frau bekommen wird. Der Bauer schickt seinen ältesten Sohn mit Früchten des Mandelbaums los, in einem Körbchen verpackt, abgedeckt mit einem Tuch. Auf dem Weg zur Königstocher wird der Älteste von einem Männchen im Wald angesprochen, was der Jüngling da im Körbchen habe. Der Jüngling schwindelt, er habe nichts. Verärgert über die Lüge und den Geiz, dem Männlein nicht eine einzige Mandel abgeben zu wollen, verzaubert er das Körbchen und lässt die Mandeln verschwinden. Das leere Körbchen erzürnt natürlich den König und, zuhause wieder angekommen, auch den Vater. Dem Zweitältesten ergeht es ebenso. Als dann der jüngste Sohn sein Glück versucht und ebenfalls vom Männlein angesprochen wird, gibt dieser ihm bereitwillig ein paar Mandeln ab. So bleibt ihm das Verschwindenlassen der Mandeln erspart, und die Königstocher kann kuriert werden. Da der jüngste Sohn nicht der schönste und nur ein Bauerssohn ist, stellt ihn der König vor einige weitere vermeintlich unlösbare Herausforderungen, bis er schlussendlich die Königstocher heiraten kann.

    Giambattista Basile veröffentlichte 1634/36 seine Märchensammlung Pentameron, in der sich auch die Geschichte von Pinto Smauto befindet: Ein Kaufmann will seine Tochter gerne verheiratet sehen, doch diese behauptet ihre Freiheit und ist durch nichts umzustimmen. Beim Aufbruch zu einer Messereise fragt der Kaufmann seine Tochter, was er ihr mitbringen möge. Sie antwortet ihm: „Wenn du mich liebhast, Väterchen, so bringe mir einen halben Zentner Palermozucker, einen halben süße Mandeln, vier bis sechs Flaschen wohlriechendes Wasser, etwas Moschus und Ambra, ferner etwa vierzig Stück Perlen, zwei Saphire, einige Granaten und Rubine, etwas Goldgespinst, besonders aber einen Backtrog und Kratzmesser von Silber.“ Mit diesen Zutaten und mit den erbetenen Backwerkzeugen schließt sie sich in ihrer Kammer ein und erschafft einen Jüngling aus Marzipan mit Haaren aus Goldfäden, Augen aus Saphiren, Zähnen aus Perlen und Lippen aus Rubinen. Und sie bittet mit Beharrlichkeit die Liebesgöttin ihrem Marzipanmann, den sie Pinto Smauto (der „Emaillierte“) nennt, Leben einzuhauchen. Ihn nun will sie heiraten, aber Pinto Smauto wird von einer bösen Königin entführt und es dauert eine Weile, bis die Kaufmannstochter glücklich und zufrieden zusammenleben können.

    Die Anpflanzung der vielen Mandelbäume in der Algarve im Süden Portugal soll auf eine andere Liebesgeschichte zurückgehen. Der junge Emir Ibn-Almundin, der in der Region Al-Gharb lebte, verliebte sich in eine schöne junge Frau aus dem hohen Norden, Gilda war ihr Name. Sie lebten eine Weile glücklich, bis Gilde an Schwermut erkrankte. Ein alter Mann, der ebenfalls aus dem Norden stammt, gab dem jungen Emir eine Rat. Gilda vermisse den Blick auf Schnee. Und da Schnee nun mal in Al-Gharb nie fällt solle der Emir viele Mandelbäume pflanzen lassen, die mit ihrer frühen weißen Blütenpracht, als erste Frühlingsboten die Landschaft „verschneien“ lassen. Dieser tut wie geheißen, und Gilda und Ibn-Almundin leben noch viele Jahre glücklich zusammen.

    Die Mandeln hat es in den Kreis der Lebensmittel geschafft, die eine bestimmte Form bezeichnen. Während ei-, apfel- oder birnenförmig bei der Beschreibung eines Menschen oft negatives beschreiben, gelten mandelförmige Augen aber als besonders schön. Die Schönheit von karottenförmigen Hosen ist Ansichtssache. Wer schön sein will kann schon seit langem auf eine Vielzahl von Kosmetika mit Mandeln zurückgreifen: Mandelseifen, Mandelöl oder auch Reinigungsprodukte mit Mandelkleie für das sanfte Abreiben der Haut.

    Ursprung, Botanisches, Inhaltsstoffe

    Herkunft, früher und heute

    Man nimmt an, dass das tatsächliche Ursprungsgebiet im Bereich zwischen Levante und dem Tian-Shan-Gebirge, also zwischen Syrien und Afghanistan liegt. Schon früh breitete sich der Mandelbaum aus. Oder er wurde ausgebreitet, auch bis nach Griechenland. Womöglich ist die Mandel eine der ersten kultivierten Obstsorten überhaupt der alten Welt.

    Bereits der griechische Geschichtsschreiber und Geograph Strabon (ca. 63 v. Chr. bis 23. n. Chr.) berichtet über die Meder, ein Volk im Norden des heutigen Iraks:

    Während das übrige Medien ungemein gesegnet erscheint, ist das nördliche Gebirgsland unfruchtbar. Dort nähren sich daher die Menschen von Baumfrüchten und machen aus getrocknetem und zerstoßenem Obst Kuchen, aus gerösteten Mandeln aber Brot; (…)

    Was dieses Mandelbrot noch enthält, verrät er uns leider nicht.

    Die Römer holten die Mandelbäume aus Griechenland nach Italien und verbreiteten sie anschließend in ihren Kolonien in Frankreich, in der Schweiz, in England und in Holland. Auch nach Deutschland brachten die Römer die Mandelbäume, besonders in der Pfalz gibt es noch heute einige größere Bestände. Nach Spanien und Portugal brachten wohl die Mauren die Mandelbäume.

    Trotz der ersten Anpflanzungen in der Römerzeit, die Mandeln blieben nördlich der Alpen Importware im Mittelalter, die sich nur die Reichen leisten konnten. Die Mandeln wurden sackweise gehandelt. Transportiert wurden Sie in Holzfässern, und so verpackt auf Fuhrwerken aus dem südlichen Europa über die Handelsstraßen und vielen Handels- und Messestädten in den Nord- und Ostseeraum gebracht.

    Die Mandeln waren in gehobenen Haushalten nicht nur wegen ihres Exotentums und Wohlgeschmacks begehrt, sondern auch in den Fastenzeiten, die es damals nicht nur vor Ostern sonder auch vor Weihnachten gab, beliebt, da mit Mandeln Mandelmilch und Mandelkäse hergestellt werden kann, diese und die damit zubereiteten Speisen nicht dem Verzehrverbot von Fleisch, Milch und Eiern unterlagen.

    Heute wachsen Mandelbäume rund um den Globus, wenn es nur warm genug ist. Größter Produzent ist allerdings Kalifornien. Gut 80 Prozent der weltweiten Mandelproduktion kommen aus dem US-Staat. Gut 50% Prozent der dort geernteten Mandeln fallen auf die Sorte Nonrareil. Für den Anbau im heißen und regenarmen Kalifornien werden pro Mandel unfassbare 3,7 Liter Wasser verbraucht, was zusammen mit dem weiten Transportweg den Verzehr von kalifonischen Mandeln in Europa nicht gerade zu einem umweltschonenden Vergnügen macht. Das Wasser, das für die exportierten Mandeln pro Jahr von den kalifonischen Landwirten in einem Jahr verbraucht wird, könnte drei Jahre lang die Einwohner und die Industrie der Stadt Los Angeles versorgen. Durstiger ist nur die kalifornische Wallnuss. Unbeachtet des wahnwitzigen Wasserverbrauchs: Die Mandel steht hoch im Kurs, egal ob in der gesundheitsbewussten Ernährungsweise oder als Bestandteil in Schönheitsprodukten: Die Nachfrage nach Mandeln steigt stetig.

    Die Botanik

    Auch wenn die Mandeln Bestandteil vieler Nussmischungen sind; die Mandeln gehören nicht zu den Nussfrüchten. Der Mandelbaum (prunus dulce) ist ein Steinobstgewächs und naher Verwandter des Pfirsichs (prunus persica), der wie auch die etwas weiter verwandte Aprikose (prunus armeniaca) gelegentlich für Mandelsurrogate herhalten muss. Mandelbäume haben 7-10 cm lange Blätter, die länglich-lanzettlich bis eiförmig und lang zugespitzt sind. Von den Aprikosen mit ihren fast runden Blättern sind sie einfach zu unterscheiden, die Pfirsichblätter sind viel ähnlicher, allerdings etwas länger und nicht so lang zugespitzt. Der Mandelbaum wird bereits in der Capitulare de villis vel curtis imperii, der Landgüterverordnung Karls des Großen, in der Liste der Bäume als amandalarios geführt.

    Der Mandelbaum liebt Sonne, verträgt aber auch winterliche Temperaturen bis minus 20 Grad und überlebt auch in sehr trockenen Gegenden. Während der Blüte und der Fruchtreife ist Trockenheit sogar erwünscht. Allerdings reagiert der Mandelbaum auf allgemeinen Wassermangel mit Ausbildung von nur wenigen Früchten. Mit seine Blütezeit von Ende Januar bis Mitte April ist der Mandelbaum der Vorbote des Frühlings. Schon Friedrich Rückert dichtete:

    Blüte der Mandeln!
    Du fliegst dem Lenz voraus und streust im Winde
    Dich auf die Pfade, wo sein Fuß soll wandeln.

    In der Pfalz an der Deutschen Weinstraße feiert man in jedem Frühjahr die Mandelblüte, die dort ganze Allee in weiß und blassrosa einfärbt. Erntezeit ist dort im September, dort vorkommende Sorten haben wohlklingende Namen wie Perle der Weinstraße, Prinzessmandel oder Palatina.

    Man unterscheidet allgemein drei Arten der Mandel: die Süßmandeln (prunus dulcis var. dulcis), die Bittermandel (prunus dulcis var. amara) und die Krachmandel (prunus culcis var. fragilis).

    Süßmandeln und Bittermandeln sind äußerlich kaum bis gar nicht zu unterscheiden. Der Unterschied liegt im Gehalt des Amygdalin, das Pflanzengift cyanogene Glycoside. Das ebenfalls in Steinfrüchten enthaltene Enzymgemisch Emulsin spaltet beim Vorhandensein von Wasser (bei der Zubereitung oder Verdauung) das Amygdalin in Glucose, Benzaldehyd und Blausäure. Während Benzaldehyd für den typischen Bittermandelgeruch sorgt, verursacht die Blausäure eine Vergiftung. Sie hemmt die Zellatmung, besonders das Gehirn und der Herzmuskel reagieren darauf empfindlich. Die Blausäure führt zu Atemnot, Beklemmung, Verwirrung, Benommenheit, Bewusstlosigkeit, Blausicht, Krämpfe und schließlich Herz- und Atemstillstand. 125 mg Blausäure reichen aus, um einen erwachsenen Menschen zu töten. Das entspricht der Menge, die in ungefähr 50 g Bittermandeln, also circa 50 bis 60 Stück, vorhanden ist. Bei echtem Bittermandelöl reichen bereits 10 Tropfen. Bei Kindern ist es entsprechend weniger, ja nach Alter und Größe können 5 bis 10 Bittermandeln zum Tot führen.

    Süßmandeln enthalten so gut wie kein Amygdalin, allerdings können Süßmandelbäume bis zu 1% Bittermandeln ausbilden. Werden die Mandeln bei der Zubereitung erhitzt, wird allerdings die Blausäure zerstört.

    Im Vergleich mit den Süß- und Bittermandeln und deren harten Schalen zeichnet sich die Krachmandel durch die recht zerbrechlichen, eben leichter aufkrachende Ummantelung der Steinkerne aus. Blotz und Christ unterteilen in ihrer 1821 erschienenen Gartenkunst die Krachmandel ebenfalls in zwei Varianten: Die bittere und die süße Krachmandel.

    Ernährungswerte

    Nicht geröstete Mandeln enthalten knapp 50 Prozent Fett (mit einem guten Verhältnis von einfach und mehrfach ungesättigten Fettsäuren), 25 Prozent Kohlenhydrate und 20 % Eiweiß, daneben viel Vitamin B1, B2 und B6, aber unter anderem auch Flavonoide Phenolsäuren, Vitamin E und einiges mehr. Mandeln sind sehr nahrhaft, sollen aber cholesterin- und blutdrucksenkende Wirkung haben.

    Im Unterschied zu den anderen Prunus-Gewächsen lässt sich das Fruchtfleisch nicht essen, es verhärtet lederartig. Eine Ausnahme bilden die grünen Mandeln, auch Aprilmandeln genannt. Damit sind nicht Pistazien gemeint, die gelegentlich ebenfalls grüne Mandeln genannt werden. Es sind die unreifen Mandeln, die bereits im April geerntet und zubereitet werden. Im zweiten Band der Gartenkunst von 1821 ist ein detailliertes Rezept abgedruckt.

    Grüne Mandeln einzumachen

    Man macht in Frankreich die ganz jungen Früchte, ehe der Kern hart wir, folgender Gestalt ein: Fünf bis sechs Hände voll klar gesiebte Buchenasche wir mit Wasser gekocht, daß es eine starke, zwischen den Fingern fett anzufühlende, Lauge gibt. In diese thut und rührt man die Mandeln mit einem Schaumlöffel fleißig herum, daß sich die Asche nicht setzt. Wenn die weichen Haare von den Mandeln leicht abgehen, so nimmt man das Gefäß vom Feuer, reibt jede Mandel mit einem Tuche ab, und durchsticht sie an einigen Stellen mit einer Nadel, wirft sie in frisches Wasser, und setzt sie damit aufs Feuer, bis sie schäumen. Man deckt das Gefäß zu, damit sie grün werden. Nachdem sie kalt sind, fischt man sie mit einem Schaumlöffel heraus, oder gießt das Wasser durch einen Durchschlag ab, und schüttet die Mandeln in dünnen zerlassenen Zucker. Des folgenden Tages werden heraus genommen, und der Zucker gekocht, daß er drey bis vier Mahl aufwallet, dann werden die Mandeln wieder hinein gethan; dieß wiederhohlt man noch zwey Mahl, und wenn des Zuckers nicht genug seyn sollte, so nimmt man etwas frischen dazu.

    Wenn man am vierten Tage den Zucker fünf bis sechs Mahl aufgesotten hat, so läßt man die Mandeln so lange darin kochen, bis er am Löffel Perlen macht. Alsdann läßt man die Mandeln entweder auf einem Siebe abtropfen, wälzt sie in fein gestoßenen Zucker um, und trocknet sie vollends bey einem warmen Ofen; oder man thut sie in ein Gefäß, und gießt den genugsam verdickten Zucker darüber. 

    [J. F. Blotz / J. C. Christ]

    Nach dem Lesen des ausführlichen Rezept aus der Gartenkunst lassen sich auch die Rezepte aus dem Pfälzer Kochbuch der Anna Bergner besser verstehen:

    Grüne Mandeln

    Zutaten

    • 12 Pfd. (6kg) enthaarte unreife Mandeln mit Fruchtfleisch
    • 4 Pfund (2kg) Zucker
    • Wasser

    Anweisungen

    Lege grüne Mandeln die noch nicht ausgewachsen sind und sich mit einer Nadel leicht durchstechen lassen, in helle kochende Lauge und lasse sie so lange darin stehen, bis sich das Wollichte abstreichen läßt. Sie dürfen in dieser Lauge nicht kochen, sondern nur heiß und zuweilen herumgerührt werden. Dann stichele sie mit einer Nadel und koche sie im Wasser bis sie von der Nadel abfallen. Hierauf läutere auf 12 Pfd. Mandeln 4 Pfd. Zucker. koche sie darin 6 Minuten lang, lasse sie wieder in irdenen Geschirren steen und verfahre so 4 Mal, bis sie gut geworden sind; alsdann bewahre sie in Gläser, mit Blase zugebunden, auf.

    Grüne Mandeln in Branntwein aufzubewahren

    Anweisungen

    Verfahre wie oben, und wenn sie 3 Mal gekocht haben, so gieße de gehörige Quantität Branntwein hinzu und bewahre sie gut auf.

    Quelle: Anna Bergner: Pfälzisches Kochbuch, Mannheim 1858 [online auf Google Books]

    In Ländern wie der Türkei werden die Aprilmandeln auch für herzhafte Gemüse und Saucen verwendet.

    Mandelmilch und Mandelsirup

    Veganer, Laktose- und Milcheiweißintolerante schätzen pflanzliche Milchsurrogate und haben sie wieder populär gemacht. Sojamilch, Hafermilch und auch Mandelmilch füllen in den letzten Jahren selbst die Regale kleiner Dorfläden; kaum ein Café mehr, dass nicht zum Kaffee auch irgendeine laktosefreie Ersatzmilch anbietet. Und im Gegensatz zu Surrogaten aus Soja, darf die Mandelmilch auch weiterhin Milch bezeichnet werden, da die EU-Richtlinien historische Bezeichnungen traditioneller Lebensmittel weiterhin erlauben. Denn die Milch aus Mandeln war nur fast vergessen. Im Mittelalter gab es wohl kein Kochbuch ohne ein Rezept für Mandelmilch. Denn: Im Gegensatz zu tierischer Milch war Mandelmilch auch in der Fastenzeit erlaubt. Länger als gemolkene Milch lassen sich die ganzen Mandeln lagern, bis sie zur Mandelmilch verarbeitet werden; auch in heißeren Klimazonen. Sie ist ein Ausgangsprodukt für viele Speisen. Mit Mandelmilch lässt sich kochen und backen und erfrischende, manchmal auch stark nährende Getränke herstellen.

    Bereits Franz Grillparzer erwähnt in seiner Selbstbiographie, das Mandelmilch und Torte „eine starke Nebenbuhlerschaft mit dem geistigen Genusse“ der im großmütterlichen Hause aufgeführten Konversationsstücken darstellten.

    Im Handel sind gesüßte und ungesüßte Milchsurrogate aus Mandeln erhältlich, allerdings versetzt mit einer Vielzahl an Stabilisatoren, Emulgatoren und gelegentlich auch noch Aromen. Dabei ist die Herstellung von Mandelgetränken gar nicht schwierig. Die im 19. Jahrhundert sehr erfolgreiche Kochbuchautorin Wilhelmine Rührig listet gleich vier Rezepte in ihrem „Praktischen Frankfurter Kochbuch“ auf, und zeigt so die Varianten der Mandeltrünke von einer frischen, gesüßten Mandelmilch über eine Art Kondenzmandelmilch bis zu den Sirupen.

    Frische Mandelmilch

    Zutaten

    • 188 Gramm (12 Loth) Mandeln
    • 157 Gramm (10 Loth) fein gestoßener Zucker
    • 1 1/2 Liter (1 Maas) kaltes Wasser

    Anweisungen

    188 Gramm (12 Loth) Mandeln werden abgebrüht, geschält, so fein als möglich gestoßen und, erst nachdem dies geschehen, genau gewogen. Alsdann werden sie mit 157 Gramm (10 Loth) fein gestoßenem Zucker und 1 1/2 Liter (1 Maas) kaltem Wasser 4 bis 5 Stunden lang eingeweicht, hierauf durch ein feines starkes Tuch so fest als möglich ausgedrückt und zum Gebrauch in Flaschen gefüllt.

    Mandelmilch zum Aufbewahren

    Zutaten

    • 375 Gramm (3/4 Pf.) süße Mandeln
    • 48 Gramm (3 Loth) bittere Mandeln (lässt sich durch Bittermandelöl ersetzten)
    • 250 Gramm (1/2 Pfd.) fein gestoßener Zucker
    • 1 1/2 Liter (4 Schoppen) Wasser

    Anweisungen

    Um 1 1/8 Liter (3 Schoppen) Mandelmilch zu erhalten, brüht und schält man 375 Gramm (3/4 Pf.) süße und 48 Gramm (3 Loth) bittere Mandeln, stößt sie recht fein, nimmt dann 250 Gramm (1/2 Pfd.) fein gestoßenen Zucker daran, tut 1 1/2 Liter (4 Schoppen) Wasser hinzu, kocht dies unter beständigem Rühren 1/2 Stunden lang, preßt es nun durch ein reines Tuch und füllt es kalt in Flaschen, die man fest zukorkt und dann im Keller aufbewahrt. Will man nun Mandelmilch für den Gebrauch haben, nimmt man 3 bis 4 Esslöffel voll von dem Vorrath in eine Flasche und füllt sie mit frischem Brunnenwasser auf, dann ist sie sofort zum Trinken sehr gut.

    Mandelmilchsyrup
    Zutaten

    250 Gramm (1/2 Pf.) süße Mandeln
    63 Gramm (1/8 Pf.) bittere Mandeln (lässt sich durch Bittermandelöl ersetzten)

    etwas Zimt

    1/4 Liter (1/2 Schoppen) Wasser

    1/2 Kilo (1 Pf.) Zucker

    1/4 Liter (1/2 Schoppen) Wasser

    Anweisungen

    250 Gramm (1/2 Pf.) schöne süße und 63 Gramm (1/8 Pf.) bittere Mandeln werden durch Abbrühen geschält und mit etwas Zimmt und Wasser so fein als möglich gestoßen. Dann kommt weiter 1/4 Liter (1/2 Schoppen) Wasser daran, um es nochmals zu stoßen, worauf es durch ein feines Tuch gedrückt wird. Unterdeß läutert man 1/2 Kilo (1 Pf.) Zucker mit 1/4 Liter (1/2 Schoppen) Wasser unter gutem Schäumen und läßt ihn mit dem Mandelsaft kochen. Man wärmt dann eine Flasche auf Kohlen oder im Ofen, fühlt den Syrup heiß hinein, rüttelt ihn tüchtig um, verkorkt die Flasche gut und kann den Syrup so Jahrelang aufbewahren. Zum Genuß wird er nach Belieben mit Wasser verdünnt.

    Syrop d’orgeade

    Zutaten

    • 1/2 Kilo (1Pf.) süße Mandeln
    • 48 Gramm (3 Loth) bittere Mandeln (lässt sich durch Bittermandelöl ersetzten)
    • 1/2 Kilo (1 Pf.) feiner Zucker
    • 1/4 Liter (1/2 Schoppen) Wasser

    Anweisungen

    1/2 Kilo (1Pf.) süße und 48 Gramm (3 Loth) bittere Mandeln werden gebrüht, geschält und mit etwas Wasser oder Zucker recht fein gestoßen. Sodann wird 1/2 Kilo (1 Pf.) feiner Zucker mit 1/4 Liter (1/2 Schoppen) Wasser unter öfteren Umrühren so lange gekocht, bis, wenn man mit dem Zeigefinger ein wenig von dem Löffel streicht und mit Hülfe des Daumens auseinanderzieht, sich ein kleiner Faden bildet, der sogleich bricht und einen Tropfen auf dem Daumen zurückläßt. Alsdann müssen die gestoßenen Mandeln auf gelindem Feuer nach und nach darunter gerührt und alles noch warm durch ein leinenes Tuch gepreßt werden. Man füllt nach völligem Erkalten diesen Syrup in Flaschen, worin er sich sehr lange aufbewahren läßt. Besonders für Reisende ist dieser Syros sehr empfehlenswert, indem man sich auf die schnelle Weise durch Beimischung von Wasser einen sehr labenden Trank bereiten kann.

    Quelle: Wilhelmine Rührig: Praktisches Frankfurter Kochbuch, Frankfurt am Main 1877

    Mandelmilch enthält mehr Mandeln als Zucker und kommt in seiner puren Form sogar ganz ohne Süßung aus. So zum Beispiel bei Henri-Paul Pellaprat:

    Mandelmilch (Le lait d’amandes)

    Zutaten

    • 150 g frisch geschälte Mandeln
    • 3 dl kaltes Wasser (oder Milch)

    Anweisungen

    150 g frisch geschälte Mandeln ganz fein reiben und dabei nach und nach 3 dl kaltes Wasser hinzufügen um ein Öligwerden zu verhindern. Fest durch ein starkes, sauberes Tuch drücken, wobei die Flüssigkeit das Aussehen von Milch gewinnt. Man kann anstelle des Wassers auch Milch nehmen.

    Quelle: Henri-Paul Pellaprat: Die moderne französische Kochkunst, Lausanne 1963

    Ganz schnell lässt sich eine Mandelmilch aus Mandelmus herstellen, von dem ein bis zwei Löffel in einem Glas Wasser verrührt werden. Mandelmus entsteht, in dem Mandeln langsam und ausdauern immer feiner zerrieben werden. Nach einer Weile löst sich das Öl aus den Mandeln. Es gibt zwei Sorten: weißes Mandelmus aus blanchierten Mandeln und braunes Mandelmus aus gerösteten ungehäuteten Mandeln. Mit viel Geduld kann man Mandelmus auch zuhause herstellen. Dazu die Mandeln in einen Standmixer geben und ohne Zugabe von Wasser zerhacken. Immer wieder das Gerät ausschalten und lange Pausen machen, so dass sich weder das Gerät oder die Mandeln zu sehr erhitzen. In den Pausen die Mandelmasse mit einem Löffel oder Teigschaber nach unten drücken. Nach einer Weile sieht man auch hier das Öl austreten. Dieses Mus wird nicht ganz so fein wie das im Handeln erwerbbare.

    In den kalten Monaten empfiehlt sich folgendes Rezept aus dem Buch „Die Küche und ihre Jahreszeiten“, das die Frauenrechtlerin und Journalistin Barbara v. Treskow zusammen mit dem Berliner Musikkritiker und Librettist Dr. Erich Urban 1935 herausgegeben hat:

    Heiße Mandelmilch

    Zutaten

    • 250 g Mandeln
    • 1/4 Tasse Wasser
    • 3/4 Tasse Sahne

    Anweisungen

    250g Mandeln werden gebrüht, geschält und gemahlen. Dann gießt man 1/4 Tasse Wasser und 3/4 Tasse Sahne dazu, quirlt tüchtig und gießt die Mandelmilch durch ein Sieb. Man lässt sie mit 40g Zucker heiß werden.

    Quelle: Barbara v. Treskow / Dr. Erich Urban: „Die Küche und ihre Jahreszeiten“, Berlin 1935

    Zur Herstellung von Sirup benötigt man dagegen gleich viel oder mehr Zucker als Mandeln zur Herstellung. Im Handel erhältliches Orgeat besteht oft nur aus mit Bittermandelaroma versetztem Zuckersirup.

    Unter dem Namen Orgeat ist Mandelsirup als klassische Cocktailzutat in Bars weltweit bekannt. Der Name selbst weißt auf den Ursprung als Gerstenmilch oder -gebräu hin. Orge heißt die Gerste auf französisch, Orde auf Italienisch und die Mandelmilch Orzata. In Spanien lässt sich mit dem spanischen Wort für Gerste Cibada immer noch ein wohl bei den alten Römern bekanntes Gerstengetränk bestellen, während Horchata (siehe auch lat. Hordeum) meist eine Erdmandelmilch bezeichnet.

    Rund um das Mittelmeer ist Mandelmilch bekannt und als erfrischendes Getränk beliebt, gerne auch mit dem Zusatz von etwas Orangenblütenwasser, egal ob es nun Laban al Loz (Marokko), Rozata (Tunesien), Ruġġata (Malta, allerdings mit Bittermandeln und Vanille) oder Soumatha (Griechenland) heißt. Mit frischer Mandelmilch lassen sich auch sehr gut Milchshakes zubereiten, z.B. mit pürierter Banane. Für ein Laban al Loz empfiehlt sich, die Mandelmilch von Pellaprat mit 1-2 EL Orangenblütenwasser zu verrühren, für den Bananenmilchshake eine Banane mit einem Liter der Frischen Mandelmilch von Rührig im Blender pürieren.

    Vielerorts wird anstelle des Wassers auch Milch genommen, was schon Pellaprat erwähnte und zu einem gehaltvolleren Getränk führt.

    Etwas spritziger ist der alkoholfreie Cocktail Orgeat Fizz durch die Zugabe von Zitrone und Kohlensäure. Das folgende Rezept entstammt dem „Jahrhundert-Mixbuch“, das der ehemalige Barchef der Kronenhalle in Zürich Peter Roth und der Koch, Restaurantbesitzer und Kochbuchauthor Carlo Bernasconi 1999 veröffentlich haben.

    Orgeat Fizz

    Zutaten

    • 2 cl Zitronensaft
    • 2 cl Mandelsirup
    • Eiswürfel
    • Sodawasser

    Anweisungen

    2 cl Zitronensaft und 2 cl Mandelsirup im Shaker mit 3 bis 4 Eiswürfeln schütteln und durch das Barsieb in ein Longdrinkglas seihen. 3 bis 4 Eiswürfel dazugeben, mit Sodawasser auffüllen und umrühren.

    Quelle: Peter Roth / Carlo Bernasconi: Das Jahrhundert Mixbuch, Niedernhausen 1999

    Cocktails & Knabbereien 

    Mit dem Geschmack von Anis und Mandel ist La Mauresque („die Maurin“) ein exotischer Aperitif, der in und rund um Marseille sehr beliebt ist. Die Kriminalromane der Marseille-Trilogie von Jean-Claude Izzo haben das Getränk auch international bekannt gemacht. 

    La Mauresque

    Ein Teil Mandelsirup wird mit ein bis drei Teilen Pastis (im 18. Jahrhundert noch mit Absinth) in ein Glas über Eiswürfel gegeben und mit Wasser nach Geschmack aufgegossen.

    Einer der bekanntesten Cocktails mit Mandelaroma ist der Mai Tai. Dem „Jahrhundert Mixbuch“ von Peter Roth und Carlo Bernasconi lässt sich folgendes Rezept entnehmen.

    Mai Tai

    3 cl weißer Rum, 2 cl brauner Rum, 1 cl Curaçao Triple sec, 1,5 cl Mandelsirup und 1,5 cl Limettensaft im Shaker zusammen mit 3-4 Eiswürfeln schütteln. 2-3 EL zerstoßenes in einen Tumbler füllen. Den Drink durch das Barsieb in den Tumbler seihen. Den Glasrand mir 1 Stück Ananas, 1 Pfefferminzzweig und 1 Cocktailkirsche dekorieren. 

    Bill Kelly schreibt in seinem Buch „The Rowing Bartender folgendes Rezept: 

    Mai Tai (1946)

    1 Jigger weißer Rum, 1 Jigger goldener Rum, 1 Jigger brauner Rum, Saft einer Limette, 1 Spritzer Orgeatsirup, 1 Spritzer Kandiszuckersirup, 1 Spritzer Orange Curaçao. Gebe eine halbe Limettenschale mit den Zutaten in ein großes Old-Fashion-Glas (Tumbler), fülle es mit geschabtem Eis auf, garniere es mit 1 Minzzweig, 1 Stück Zuckerrohr, 1 Stück Ananas, 1 Vanda Orchideenblüte und zwei Strohhalmen. 

    Ein Jigger entspricht ungefähr 44 ml. 

    Wer Orgeat nicht kaufen möchte, kann für die drei vorgenannten Cocktails den Orgeat-Sirup von Wilhelmine Rührig zubereiten und verwenden. Bekannter als Orgeat ist der Likör Amaretto, mit seinem typischen Bittermandelgeschmack. Nur sind nicht in jedem Amaretto auch Mandeln drin. Meist wird aus Aprikosenkernen gewonnenes, sogenanntes Bittermandelöl bei der Herstellung verwendet.

    Amaretto lässt sich beim Kochen und Backen einsetzen. Ein Beispiel ist Tiramisu mit den mit Amaretto eingeweichten Löffelkeksen. Wenn nicht pur getrunken, kann Amaretto auch für Cocktails eingesetzt werden. In der Cocktail-Bibel „American Bar“ des bekannten Münchener Barkeepers Charles Schumann findet sich das folgende Rezept: 

    Amaretto Sour 

    2 cl Zitronensaft, 2 cl Orangensaft und 2 cl Amaretto im Shaker auf Eiswürfeln kräftig schütteln, in ein Sourglas abseihen und eine Stielkirsche dazugeben.

    Schumann empfindet eigentlich bei der Zubereitung eines Sours die Zugabe von Orangensaft als unnötig. Ein Sour besteht in der Regel nur aus frischgepresstem Zitronensaft, Zucker und namens- und geschmacksgebender Spirituose. Dennoch gibt er dem Amaretto Sour Orangensaft mit; eine klassische Aromapaarung, die bereits beim Laban al Loz zu finden ist.

    Was wäre eine Bar ohne die kleinen Schälchen mit Knabbereien? Diese kleinen Schälchen auf dem Bartresen bewahren die Gäste davor, gänzlich dem Alkohol ausgeliefert zu sein. Nobler als die weit verbreiteten, weil günstigen und stark Durst machenden, gerösteten Erdnüsse, sind mit ganzem oder halben Mandelkernen gefüllte grüne Oliven, oder die nicht weniger Durst machenden gerösteten Salz- oder Rauchmandeln.

    Für die Herstellung von Oliven mit Mandelkernen braucht man etwas Geduld: Grüne Oliven müssen einzeln entsteint und je nach Größe der Oliven mit ganzen oder halben Mandelkernen ohne Haut gefüllt werden. Wer sich die Mühe macht, wird bei sorgfältig ausgewählten Oliven und Mandeln, die man zuvor auch rösten und nach Belieben würzen kann, mit knackigerer Konsistenz und intensiverem Geschmack belohnt, als bei der gekauften Dosenware.

    Salzmandeln lassen sich dagegen einfach herstellen. Es gibt mehrere Varianten; zum einen die gerösteten enthäutete Mandeln mit oder ohne Eiweiß, wie die zwei folgenden Rezepte zeigen: 

    Salzmandeln (Amandes salées)

    Frisch geschälte Mandeln in einem Tuch gut abtrocknen. Eiweiß leicht durchschlagen, die Mandeln damit anfeuchten, auf ein starkes, etwas hohles Blech geben, mit feinem Salz bestreuen, etwas durchschütteln und in den schwach geheizten Ofen stellen usn, sobald sie anfangen sich zu verfärben, gut durchmischen. Sie sollten nur hellgelb sein. [Henri-Paul Pellaprat]

    Für 400g Mandeln reichen ein Eiweiß und ½ bis 1 TL Salz. 

    Salzmandeln ohne Eiweiß

    Für Salzmandeln ohne Eiweiß 200g Mandeln mit oder ohne 1 EL Öl in der Pfanne unter ständigem Wenden rösten und dann mit einer starken Salzlauge aus 125 ml Wasser und 1-2 TL Salz über die Mandeln gießen. Vorsicht vor Verbrühungen, da dabei viel heißer Dampf entsteht. Rühren bis das Wasser komplett verdampft ist und sich auf den Mandeln eine weiße Salzschicht abgelagert hat. Vom Herd nehmen und gegebenenfalls im Ofen bei geringer Hitze vollständig trocknen lassen.

    Man kann die Mandeln auch mit der braunen Schale rösten. 

    Geröstete Mandeln oder Rauchmandeln

    Zutaten

    • 200g ungeschälte Mandeln
    • Wasser zum Befeuchten
    • 1TL (Rauch-)Salz

    Anweisungen

    Die Mandeln in einem Haarsieb unter fließendem Wasser befeuchten, kurz abtropfen lassen, in eine Schüssel geben und mit dem Salz verrühren. Das ganz 30min stehen lassen.

    In einer stark erhitzten Pfanne mit hohem Rand und permanenten Rühren 10min rösten, danach die Herdplatte ausschalten und die Mandeln 5min weiter rühren. Anschließend abkühlen lassen.

    Wenn anstelle des Salzes Rauchsalz verwendet wird, also mit Raucharoma zugesetztem Salz, entstehen die derzeit so beliebten köstlichen Rauchmandeln.

    Es lassen sich auch andere Gewürze wie Chili oder Kräuter wie Rosmarin hinzufügen. Die meisten Gewürze sollten aber am Ende des Röstens zugeben werden, weil sie sonst verbrennen und bitter werden können.

    Seltener zu Cocktails sondern eher zu großen Bieren oder Glühwein knabbert man karamellisierte Mandeln, denn was wäre ein Jahrmarkt oder Weihnachtsmarkt ohne gebrannte Mandeln? 

    Geröstete Zuckermandeln

    Man nimmt zu 1/2 Kilo (1 Pd.) ungeschälten Mandeln 375 Gramm (24 Loth) fein gestoßenen Zucker, 16 Gramm (1 Loth) gestoßenen Zimmt, ein Weinglas frisches Brunnen- oder Rosenwasser, dies alls wird in eine Pfanne gethan und geröstet. Wenn die Mandeln Glanz bekommen und zu trocknen scheinen, schüttet man sie auf ein Blech und läßt sie völlig abtrocknen. 

    Die Zubereitung, wie sie Wilhemine Rührig in dem vorstehenden Rezept beschreibt, hat sich seit dem Mittelalter kaum verändert. Zimt und Vanille sind die klassischen Aromen, die den Gebrannten Mandeln zugesetzt werden. Unzählige Varianten mit gemahlen Gewürzen und Kräutern sind möglich, das Wasser lässt sich durch Säfte oder alkoholische Getränke ersetzen. Der mittlerweile eine Institution zu nennende Gebrannt-Mandel-Stand von Monika Eiserloh und ihrer Familie auf dem Frankfurter Weihnachtsmarkt bietet Mandeln mit über 50 verschiedenen Geschmacksrichtungen an. Hinzu kommt eine Gebrannte Mandel des Tages, deren Geschmackrepertoire von Kirsche und Rosmarin bis Leberwurst vieles, auch vermeintlich unmögliches umfassen kann.


    Literatur

    Giambattista Basile: Das Pentameron, 1634 in der Übersetzung von Felix Liebrecht, Leipzig 1979 [online auf Projekt Gutenberg]

    Johann Wilhelm Wolf: Deutsche Hausmärchen, Göttingen/Leipzig 1851 [online auf zeno.org]

    Anmerkungen

    Dieser Text entstand 2017 bei einem (gescheiterten) Buchprojekt. Die Arbeit war gemacht, und so wurde der Text sowohl auf meiner Webseite als auch (in Auszügen) auf Medium.com veröffentlicht. Im Juli 2026 wurde der Text überarbeitet und vervollständigt.

  • In diesem Text schreibe ich über, wie ein Tisch in verschiedenen Regionen und Zeit eindeckt wird oder wurde. Es werden die Fragen beantwortet: Wo gehören Geschirr, Besteck und Gläser in einem Gedeck hin? Wie unterscheiden sich die Eindeckungen in Deutschland, Österreich, Frankreich, Großbritannien und in den USA? Wie haben sich die Tafeleindeckungen über die Zeit verändert?

    Begriffe und Voraussetzungen

    Das Tischgedeck (auch: Kuvert, oder frz. Couvert) bezeichnet Dinge wie Besteck, Geschirr, Tischwäsche und Dekoration, die pro Teilnehmer eines Essens eindeckt werden und ausschließlich von dieser Person benutzt werden. Die Anzahl der Gedecke gibt die Anzahl der erwarteten Gäste wieder, was heute ein Abendessen mit 40 PAX (persons approximately/erwartete Personen) ist, nannte man früher ein Dîner mit 40 Couverts. Die Gesamtheit aller Dinge, also die Gedecke sowie weiteres Besteck, Geschirr, weitere Tischwäsche und Dekoration, die auf dem Tisch eingedeckt werden, nennt man Tafelarrangement.

    Regeln für das Eindecken von Esstischen sind nicht nur national unterschiedlich, auch Fachliteratur des jeweiligen Kulturkreise ist man sich nicht immer in allen Dingen einig. Ein Beispiel ist die Frage, viel Besteckteile vorher eingedeckt werden, oder wieviele Gläser. Allerdings hier nochmals der Hinweis: Die Tischgedeckregeln sind nicht Gesetz. Die einen beruhen auf nachvollziehbaren Gründen, andere sind ohne sachlichen Grund und somit willkürlich normiert. Abweichungen sind gelegentlich aus pragmatischen Gründen unabwendbar, manchmal sind sie dem Design des gedeckten Tisches geschuldet und zeigen die persönliche Handschrift des Gastgebers oder sind Teil des Unternehmens- und Service Designs.

    Um die nachvollgenden Erläuterungen klarer und verständlicher zu machen soll hier zunächst ein gedachtes, manchmal aber auch mit Maßstäben oder Fäden am Tisch visualisiertes Hilfsliniensystem eingeführt werden (siehe Abb. Gedeckausrichtung). Die wichtigste Linie ist die Grundlinie. Sie verläuft 1-2cm parallel zur Tischkante, an der der Gast Platz nimmt. An ihr werden Essgeschirr, Platzteller und Bestecke ausgerichtet. In der Mitte des Gedecks befindet sich das Centrum, das so breit und hoch wie der Platzteller oder der größte im Verlauf des Essens benutzte Teller ist. Als Hilfestellung kann ein quer gelegtes Tafelmesser dienen. Rechts vom Gedeckcentrum werden alle Besteckteile unten an der Grundlinie ausgerichtet. Auf der linken Seite orientiert sich das Besteck ebenfalls an der Grundlinie. Jedoch können die Vorspeisen- und Zwischenganggabeln gestaffelt aufgelegt werden. In diesem Fall werden sie anhand der Gabellinieausgerichtet, die parallel zur Grundlinie auf der Höhe der Zinkenenden der Hauptspeisengabel entlang läft. Mit Hilfe der Gabelinie werden auch die Brotteller ausgerichtet. Das Hauptspeisenmesser bildet die Grundlage für die Messerlinie. Zusammen mit der Kopflinie, die oberhalb des Gedeckcentrums die Stelle für das Dessert- oder Käsebesteck bestimmt, legt die Messerlinie den Punkt fest, an dem das Richtglas steht. Am Richtglas, das in den meisten Fällen das Hauptgangglas ist, orientieren sich alle weiteren Gläser.

    Ein Gedeck ist eine Sprache, die den Teilnehmern eines Essens mehr Informationen vermittelt, als die bloße Feststellung, dass sich vor ihnen Besteck, Geschirr und Tischwäsche befinden. Der Gastgeber teilt durch die Anordnung der einzelnen Gedeckbestandteile seinen Gästen mit, welches Besteck und Geschirr als nächstes genutzt werden soll, um welche Arten von Speisen und wieviele Gänge ungefähr zu erwarten sind, und aus welchem Kulturkreis der Veranstalter oder Gastgeber kommt. Diese Gedecksprache gehört zu den Zeichensytemen beim Essen (zu der auch die Bestecksprache gehört) mit der Gastgeber, Gäste und Servicepersonal Informationen austauschen können.

    Hilfsliniensystem für die Gedeckausrichtung

    Grundregeln

    Ein Gedeck sind die auf einem Tisch oder einem Tablett eingedeckte Tafelgeräte für eine Person.

    Beim Eindecken können Löffel und Gabeln mit der Spitze bzw. mit den Zinkenspitzen entweder nach oben oder nach unten eingedeckt werden. Werden Löffel und Gabel mit der Wölbung der Kelle (oder Laffe) nach oben eingedeckt, nennt man das „à la mode française“ (im amerikanischen auch „continental style“ genannt), andersherum, mit der Wölbung nach unten, nennt man es  „à la mode anglaise“ (im amerikanischen auch „Amerikan style“). Die Eindeckung „à la mode française“ war bis ins 19. Jahrhundert an fast allen europäischen Adelshöfen zu finden. Heutzutage sieht man die „umgedrehten“ Löffel und Gabeln noch gelegentlich in der gehobenen Gastronomie in Frankreich, sowie bei Staatsbanketten in Luxemburg, Östereich, Dänemark, Schweden und Norwegen.

    Löffel für Suppen

    Die Wahl des Löffels für eine Suppe richtet sich nach dem verwendeten Gefäß, in dem die Suppe serviert wird. Wird die Suppe in einem Suppenteller serviert, wird der Suppenlöffel eingedeckt, kommt die Suppe in einer Suppentasse mit Untertasse, wird ein Tassenlöffel eingedeckt oder auf der Untertasse angelegt. In jedem Fall auf der Unteren angelegt wird der Kaffeelöffel bei Spezialsuppen, die in einer kleineren einhenkeligen Tasse serviert werden. Der Henkel sollte nach rechtsweisen, in manchen Gastronomischen Betrieben wird er nach links weisend eingedeckt. Hinter beiden Versionen steckt ein unterschiedlicher Gedanke. Mit dem Henkel nach links eingedeckt soll es dem Gast ermöglicht werden, die Tasse mit der linken Hand zu kippen, um den Rest der Suppe besser auslöffeln zu können. Mit dem Henkel nach rechts soll dies und das damit verbundene Klappern vermieden werden; der Gast soll den Rest direkt aus der Tasse trinken.

    Erweitertes Gedeck

    Besteckanordnung bei mehreren Gängen

    Anordnung von Trinkgefäßen

    Der Platz für die Gefäße ist rechts oberhalb (beim Französischen Gedeck oberhalb) des Gedeckcentrums. Bei der Anordnung der Trinkgefäße (Kelche, Becher und Tassen) ist man freier als bei der Anordnung von Besteck. Bedingt durch unterschiedliche Tischbreiten und -tiefen, unterschiedlicher Tafeldekoration etc. lassen sich Eindeckregeln bei den Trinkgefäßen nicht starr fixieren. Einige Grundsätze sollte man aber beachten:

    • Die Trinkgefäße werden in der Reihenfolge des Einschenkens und Gebrauchs eingedeckt. Da der Service in der Regel von links passiert, ist die Reihenfolge von rechts / rechts unten nach links / links oben.
    • Die Trinkgefäße werden in der Reihenfolge ihrer Größe bzw. Höhe aufgestellt, um auch die hinteren Gefäße erreichen zu können.

    Gerade die letzte Regel wird gerne vergessen. Da aber in der heutigen Zeit das Wasserglas unverzichtbarer Bestandteil des Mittags- oder Abendgedeckes ist, und dieses durch alle Gänge benutzt wird, lässt sich der erste Grundsatz nicht immer einhalten. Deshalb steht im Französischen Gedeck das Wasserglas (stets das größte Glas) ganz links.

    Eindecken des Brotteller und des Butterstreichers

    Die Position des Brottellers ist eigentlich links oberhalb des Gedeckcentrums (in der Grafik mit A markiert). In Deutschland gibt es alternative Möglichkeiten ihn auf der linken Seite unten, mittig oder oben am Gedeckzentrum auszurichten (B1 bis B3).

    Die unpraktischste Position des Brottellers ist unten an der Grundlinie (B3). Dort macht er das Ablegen des Handgelenks unmöglich und für die Serviette ist während einer kurzen Abwesenheit ebenfalls kein Platz. Die Position entstand vermutlich bei der übermässigen Belegung von runden Tischen bei Banketten. Durch diese unelegant gequetschte Tischordnung wandert der Brotteller zwangsläufig immer weiter zur Grundlinie. Deshalb gilt, je weiter oben der Brotteller steht, um so besser.

    Das Brotmesser bzw. der Butterstreicher ist das einzige Besteckteil, das bei der klassischen Eindeckung eines Couverts für ein Mittagessen oder Abendessen auf einem Geschirrteil liegt und nicht daneben direkt auf dem Tisch. Gängig sind die deutsche (d), englische (e1) und amerikanische Variante (a) der Positionierung auf dem Teller. Nur bei Staatsbanketten in den königlichen Speisesälen in Großbritanien wird der Butterstreicher quer oberhalb des Brottellers direkt auf dem Tisch liegend eingedeckt (e2).

    Tischdeck-Komparatistik

    Deutsches Gedeck oder Internationales Gedeck

    Einfaches oder kontinentales Frühstücksgedeck
    Im Gedeckcentrum steht der Frühstücksteller mit der Mundserviette (meist in Dreiecksform gebrochen) oben auf. Links davon an der Eierbecher mit Unterteller und Eierlöffel, rechtsoben die Kaffee- oder Teetasse mit Untere und Tee- oder Kaffeelöffel. Rechts des Tellers wird das (Frühstücks- oder Brötchen-)Messer eingedeckt. Bei einem einzelnen Gast gehören auch die Menagen für Zucker, Salz und Pfeffer dazu. Gefäße Milch oder Sahne, Konfitüren, Butter und Gebäck werden erst nach dem Erscheinen des Gastes oberhalb des Gedeckes, Gefäße für Kaffee, Schokolade oder Tee rechts oberhalb frisch eingedeckt. Sollte es der Ablauf erlauben wird nur die Untertasse vorab eingesetzt, die gewärmte Tasse zusammen mit dem Kännchen eingedeckt.

    Erweitertes Frühstücksgedeck
    Bei einem umfangreicheren Frühstück, serviert oder am Buffet, befindet sich im Gedeckcentrum ein großer Teller, der Frühstücksteller steht auf der Brottellerposition, ein Eierbecher mit Unterteller links oberhalb des Centrums. Eingedeckt werden links und rechts Mittelgabel und Mittelmesser, eventuell zusätzlich ein Frühstücks-, Brötchen- oder Mittelmesser rechts auf dem Frühstücksteller.

    Standardgedeck

    Häusliches Gedeck in Deutschland 1930
    nach Emma Allestein, Das Kochbuch für die deutsche Küche / Das bürgerliche Kochbuch – Das Handbuch für jede Hausfrau und Köchin, unentbehrlich für Anfängerinnen in der Kochkunst, 33. Auflage, Gera 1930

    Im Gedeckcentrum der Speiseteller mit der Mundserviette darauf eingedeckt. Rechts vom Teller liegen (von links nach rechts) Messer, Gabel und Löffel, links vom Teller das Vorspeisebesteck. Oberhalb des Tellers wird schräg der Kompottlöffel, die benötigten Gläser rechts darüber, die Kompott- oder Salatschale links darüber eingedeckt

    Deutsches Kaisergedeck

    Eine Fotografie von 1899 aus dem Esssalon der SMY Hohenzollern zeigt eine festlich gedeckte Tafel während einer Englandreise des deutschen Kaiserpaares. Die Serviette ist einfach quadratisch gefaltet und enthält das Tafelgebäck.

    Auf Fotografien aus dem Exilsitzes des letzten deutschen Kaisers, Haus Doorn in den Niederlanden, ist eine etwas reduzierter gedeckte Tafel zu erkennen. Die Grafik zeigt das Gedeck des Hausherren mit der zusätzlichen Tischglocke. Zudem war anstelle der normalen Tafelgabel für den Exmonarchen die sogenannte „Kaisergabel“ eingedeckt, die ähnlich wie eine Kuchengabel mit verstärkten linken Zinke mit Schneide versehen war. Mit ihr konnte Wilhelm II., der aufgrund einer Geburtskomplikation den linken Arm kaum bewegen konnte, allein mit der rechten Hand speisen. Das eingedeckte Messer nutzte er nicht.

    Das französische Gedeck

    Eine Besonderheit in Frankreich ist die Eindeckung von Gabel und Löffel „à la mode française„: Gabeln und Löffel werden andersherum eingedeckt, d.h. die Gabelzinken und die Löffelspitze liegen auf dem Tisch, oder andersherum gesprochen, die Gabel- und Löffelrücken zeigen nach oben. Auch wenn man in Frankreich oft die international gängigere Variante („à la mode anglaise„) sieht, die französiche Methode war einmal stilprägend; auch heute noch deckt man in Dänemark, Schweden und Lusemburg bei Festivitäten in den Adelshäusern à la mode française, ebenso am kaiserlich Hof in Österreich bis 1917, was bis heute bei Staatsdîners der Republik Österreich fortgeführt wird (siehe Abschnitt „Das österreichische Gedeck). Auch in England deckte man im französische Stil, allerdings wurde in der viktorianischen Epoche das Besteckeindecken modifiziert. Die Gabel wurde „à la mode française“ eingedeckt, die Gabel „à la mode anglaise“: nennen wir es „à la mode victorienne„. Am englischen Hof wechselte man ab circa 1914/15 in die heute international üblichere Variante.

    Das französische Frühstücksgedeck (Le couvert du petit déjeuner)
    Im Gedeckcentrum wird eine große Kaffeetasse oder Kaffeeschale mit Untertasse eingedeckt. Rechts liegen von links nach rechts ein (Frühstücks-)Messer und ein Mittellöffel oder Kaffeelöffel à la mode française. Oben links steht ein Frühstücksteller.
    [Zeichnung folgt.]

    Das formele französische Gedeck (Le couvert du dîner protocolaire) 
    Als Beispiel dient ein Viergangmenü mit Suppe, Hauptgang, Käse und Dessert. Im Gedeckcentrum steht der Platzteller, rechts davon liegen von links nach rechts das Hauptspeisenmesser und der Suppenlöffel, rechts davon die Hauptspeisengabel, oberhalb davon von unten nach oben die Dessertgabel und der Dessertlöffel, dann das Käsemesser. Über dem Käsemesser stehen mittig ausgerichtet in einer Querlinie die Gläser: (von links nach rechts) das Wasserglas, das (Rot-)Weinglas für die Hauptspeise und das (Weiß-)Weinglas für die Vorspeise. Ein mögliches Sekt- oder Südweinglas für das Dessert würde links neben dem Wasserglas, ein Aperitivglas rechts neben dem Glas für den ersten Gang stehen.

    Englisches Gedeck

    Formales Gedeck
    Eine Besonderheit im anglo-amerikanischen Raum ist die Möglichkeit, das Dessertbesteck ebenfalls rechts und links vom Teller eingereiht in die Speisenabfolge einzudecken. Der Platz oberhalb des Tellers bleibt also frei. Eigentlich hat die allgemein gebräuchliche Regel, das Besteck von außen nach innen zu benutzen, nur hier wirklich Geltung.

    Das Einsortieren des Dessertbestecks ist allerdings eine Kann-Regel. Die International bekannte Variante, es oberhalb einzudecken, ist ebenfalls möglich.

    Englisches Staatsgedeck
    Bei Staatsbanketten wird etwas abweichend eingedeckt. Das Buttermesser wird nicht auf den Teller gelegt, sondern quer oberhalb direkt auf den Tisch oder die Tischdecke (bei Banketten in Schloss Windsor wird auf den blank polierten Holztisch ohne Decke eingedeckt). Darüber steht ein kleines Glasgefäß mit der Butter (b). Der Gläserblock besteht aus sechs (sic!) Gläsern, die bis auf das Schaumweinglas, das Toastglas, ganz rechts bis zum Schluss auf dem Tisch verbleiben. Das Toastglas wird nach dem Toastausspruch abgeräumt, an seine Stelle wird zum letzten Gang, dem Obstgang, das Portweinglas gerückt.

    Altes Staatsgedeck
    Auf Fotografien um 1900 kann man erkennen, das die Gabeln „à la mode française“ eingedeckt wurden, die Löffel allerdings nicht („à la mode victorienne“; siehe auch -> Französisches Gedeck). Vermutlich übernahm man wie an fast allen Ländern, einhergehend mit der Verbreitung der französischen Küche auch das französische Gedeck, passte es aber den englischen Essgewohnheiten an; Groß-Britanien wird beim Essen die Gabel mit dem Rücken nach oben benutzt.

    Teegedeck
    Folgt.

    Amerikanisches Gedeck

    Die Unterschiede zum englischen Gedeck sind minimal. Einzig der Brotteller und das dazugehörige Messer sind anders plaziert. Der Brotteller steht oben links, und der Butterstreicher wird diagonal eingedeckt. Dabei weist die Scheide nach links unten.

    Österreichisches Gedeck

    Das Standardgedeck

    Häusliches Gedeck 1914
    nach Rosa Karolina Neuwirth, Die gute österreichische Küche (Neue Auflage des „Salzburger Kochbuches“) für den sparsamen und feineren Haushalt, Salzburg 1914
    Im Gedeckcentrum wird  von unten nach oben Speiseteller, Suppenteller und Mundserviette eingedeckt. Rechts davon steht das Esszeugrastel (Besteckunterlage), darauf liegen von links nach rechts Gabel, Messer und Löffel. Oben links zur Mitte hin stehen drei Gläser: Wasserglas, Weinglas und Sektschale.
    [Zeichnung folgt.]

    Staatsgedeck

    Altes Staatsgedeck vor 1916

  • Theezubereitung

    Franz Žemlička

    Aus: Franz Žemlička, Buch der Kammerdiener, Wien/Pest/Leipzig 1898

    Thee im engen Kreise

    Wenn zu einem Thee nicht viele Gäste kommen, wird gewöhnlich mehr einfach verfahren, um einen Unterschied zwischen etwas Grossem und Feinem zu haben, aber trotzdem muss das Arrangement so schön und regelrecht durchgeführt werden wie bei allem anderen. Das Service wird gewöhnlich auf einem Theetisch aufgestellt, wo alles nach Massgabe des Platzes zur Aufstellung kommt. Die Teller und Bestecke müssen stets in genügender Anzahl gegeben werden. In manchen Häusern wird der Thee in der Credenz[1] zubereitet und in dem Salon servirt. Das Wasser wird entweder mit der Flasche aufgestellt oder auch servirt. In anderen Häusern wieder wird auch der Samowar oder die Bouilloire[2] auf den Theetisch gestellt, in den Salon gegeben und dort der Thee zubereitet. Es geschieht dies gewöhnlich dort, wo Töchter im Hause sind, denen dies Zeitvertreib macht. Jedoch hat man den Dampf in den Salons nicht gern, daher wird auch meistentheils der Thee auf der Credenz bereitet. Man muss immer trachten, das gebrauchte Geschirr herauszuräumen; dabei sieht man, ob nicht etwas fehlt. Man geht nicht zu oft in den Salon, sondern nur wenn nöthig.

    Theezubereitung

    Der Thee und auch die Bäckerei müssen an einem trockenen Orte aufbewahrt werden, denn die Nässe oder nur etwas Feuchtigkeit schaden dem einen wie dem anderen. Es giebt viele Sorten von Thee, darunter auch solche der minderen Qualität, die aber gutes Aroma haben, so dass man sie mit der starken Qualität mischen kann, um guten Thee zu haben.

    Zum Theemachen soll das Wasse nicht lange kochen, es soll gleich nach dem ersten Aufwallen auf den Thee gegossen werden. Die Theekanne muss vorher immer mit heissem Wasser ausgebrüht werden, dann wird der Thee hineingegeben, und begieesst man ihn nur so viel, dass er nass wird und nicht gleich im Wasser schwimmt; das heisst man „den Thee anziehen lasse“. Dadurch kann sich der Thee langsam entwickeln; nach fünf bis acht Minuten füllt man die Kanne voll, so viel man braucht. Das sofortige Vollfüllen der Kanne ist nicht das richtige, da der The nicht anziehen und sich nicht so gut entwickeln kann, das der Saft, sowie das Aroma in der richtigen Stärke hervorkommen. Der The soll nicht zu lange stehen bleiben, da er dann bitter wird und der gute Geschmack verloren geht; nach einer Viertelstunde wird er schon bitter, besonders wenn der Thee stark ist; wenn man ihn dadurch stärker machen will, dass man mehr davon giebt, wird er noch schneller bitter.

    Bei Soiréen oder anderen Gelegenheiten, wo viel Thee gebraucht wird, soll man immer zwei Theekannen haben, damit, wenn in der einen der Thee schon schwach wird, man sich die andere vorbereiten kann, um immer guten Thee zu haben, denn das Nachgeben von frischem Thee aud den schon ausgezogenen hilft nicht; man kann da nur einige Schalen gefärbten Wassers mehr ausbringen, aber der Thee ist nicht gut, da er durch den schon gebrauchten bitter wird und somit verdorben ist; wenn schnell nacheinander viel Thee gebraucht wird, so dass er nicht lange im Wasser ist, aber doch schon schwach wird, so kann man einmal frischen nachgeben, aber sonst nicht, da man damit nichts erreicht.
    Der Thee wird in verschiedenen Stärken gemacht. Zum Frühstück kann er stark gemacht werden, auch der Jausenthee kann stark sein, aber Abends macht man ihn nicht stark, und im Sommer principiell nicht. Der richtige Thee soll Goldfarbe haben. Bei dem Serviren soll man immer die Schalen mit verschiedenen Theestärken einschenken, damit ihn die Herrschaften nach Belieben wählen können, sowie man auch eine passende Kanne mit warmem Wasser auf die Tasse mitnimmt, um ihn so schwach machen zu konnen wie er gewünscht wird. Ebenso muss immer Obers mitservirt werden; Rum sonst etwas anderes wird in Herrschaftshäusern nicht mitservirt.

    Wenn viel Thee gebraucht wird, so soll man immer in der Credenz (Office)[1] einen Wasserkessel mit warmem Wasser vorbereitet haben, um die Bouilloire oder den Samowar nachfüllen zu können und nicht erst weit gehen zu müssen. Das Wasser ist gekocht oder ganz warm in die Bouilloire zu geben, denn bei der Spiritusflamme kocht es nicht so schnell. Die Flamme dient nur dazu, das Wasser kochend zu erhalten; es kann zwar damit auch gekocht werden, aber dann muss die Flamme gross sein, was den Kessel schärzt und viel Verbrauch an Brennmaterial verursacht. Auch muss darauf gesehen werden, den Kessel nicht ohn Wasser am Feuer stehen zu lassen. Beim Nachfüllen des Spiritus muss die Flamme ausgelöscht werden, damit kein Malheur passirt; denn es ist gefährlich, brennbare Flüssigkeiten zuzugiessen und das Feuer daneben brennen zu lassen. Man muss immer vorsichtig vorgehen und sich nicht wegen eines Handgriffes einer Gefahr aussetzen. Der Thee mus immer sehr warm und das Bier kalt servirt werden, nicht umgekehrt!

    Beim Waschen der Theekannen hat man daruaf zu achten, dass man sie nicht in Wasser wäscht, das etwa fett ist. Man muss sie immer mit reinem Wasser, direct von der Wasserleitung oder vom Brunnen waschen, und innen mit einem reinen Tuche gut auswischen.
    Der Wasserkessel, der gewöhnlich den ganzen Tag in der Küche auf dem Herde steht, um immer warmes Wasser zu haben, soll nie mit Seifenwasser oder etwas ähnlichem gewaschen werden, man soll vielmehr den Wassersatz immer drinnen lassen, um ihn vor dem Gebrauche nur mit reinem kalten Wasser zuerst ausspülen und keine andere Reinigung vornehmen; nur dann, wenn er für längere Zeit ausser Benützung stand, muss man ihn gründlich rein machen.

    Anmerkungen

    [1] Credenz / Office, Credenz oder Kredenz bezeichnet in der Regel einen Anrichtetisch in einem Speisezimmer oder Gast-/ Veranstaltungsraum. Der Autor dieses Textes scheint mit dem Begriff einen Anrichteraum zu bezeichnen, also den Arbeitsraum der Bediensteten, der in der Gastronomie auch heute noch Office genannt wird. Im Office befinden sich in der Regel auch die Übergabestelle von Küche und Service (der Pass).
    [2] Bouilloire, frz. Wasserkessel / Teekessel, für den Gebrauch am Tisch mit Stövchen, betrieben mit Kohle, Spiritus o.ä.

    Digitalisierter Originaltext:

    SLUB Dresden. urn:nbn:de:bsz:14-db-id3255841419
    http://digital.slub-dresden.de/id312342241
    S. 66 [75]- 67 [76]

  • Von der Bereitung des Thees / Etwas über Thee-Geräthe / Etwas über Thee

    I. H. Hoch

    Aus: Vollständiger Theetisch, oder die Kunst, einem vornehmen Zirkel auf das Eleganteste zu serviren. Ein Rathgeber für angehende Mundköche, Wirthe, Hausfrauen, Köchinnen u. besonders Haushälterinnen, Dresden 1865

    Von der Bereitung des Thees

    In auserwählten Zirkeln war es schon längst, selbst in großen Häusern, Sitte, und ist es noch, daß die Hausfrau oder eine dieser Würde entsprechende Freundin, den Thee in Gegenwart der Gäste bereitet. Diese lobenswerthe Einrichtung gewährt den Gästen einen zweifachen Genuß; denn es ist gewiß nicht zu läugnen, daß der schön geordnete Theetisch, das glänzende Theegeräthe, und selbst die freundliche Geschäftigkeit, mit welcher die Wirthin Alles beobachtet, was diesem einfachen Getränk mehr Werth geben kann, einen angenehmen Eindruck auf die Gäste macht. Der zweite Vortheil dieser Einrichtung ist, daß er alle unnöthige Bedienung entfernt, welche oft genug hinreichend ist, jeden Ausbruch froher Laune zu unterdrücken und die witzigsten Einfälle schon auf der Zunge ersterben zu machen, denn leider fehlt es nicht an Beispielen, daß ganze Familien durch Wiedersagen ihrer Dienerschaft entzweit wurden, und wie lästig ist es schon, immer auf der Huth zu sein, nicht diesen oder jenen vielleicht interessanten Gegenstand berühren zu dürfen, nur um von diesen Leuten nicht mißverstanden zu werden. Denn nur unter gebildeten Menschen darf jeder seine Meinung unbefangen äußern, ohne zu fürchten, anstößig zu werden. –

    Die Bereitung des Thees ist zu einfach und allgemein bekannt, um etwas hierüber zu sagen, nur diese Erinnerung sei mir erlaubt: das Theewasser muß so schnell als möglich ins Kochen gebracht werden, damit es keinen Rauchgeschmack annehmen kann, welcher auch den besten Thee seine Güte benimmt.

    Die Theekanne muß vorher mit kochendem Wasser ausgespült werden, auch mit Wasser aus der Maschine nicht auf einmal, sondern mach und nach vollgemacht werden, damit der Thee seine Kraft gehörig von sich geben kann. Nun wird in die Tassen, in jede etwas, von diesem ersten Aufguss gegossen; die Kanne wieder voll Wasser gefüllt, und nun mit diesem zweiten Aufguss die Tassen vollgemacht. Bei den folgenden Aufgüssen wird wieder etwas Thee in die Kanne gethan, damit selbiger immer einerlei Farbe behält. Der Rahm, so wie für die Herren Arak oder Rum, nebst einer Schale mit Zucker werden besonders herum gegeben, und Jeder wählt sich nach Belieben.
    Mit dem Thee müssen zugleich ganz dünn geschnittne Scheiben von weißem Brode, welche man leicht mit Butter bestreicht und zusammenlegt herum gegeben werden, das übrige Gebäck ist willkürlich, aber Butter-Schnitte dürfen niemals fehlen.

    Etwas über Thee-Geräthe.

    Das Theegeräthe ist, sowie Alles, was den Menschen umgiebt, der Mode unterworfen. An bessere Formen gewöhnt, haben wir die alten Maschinen schon lange in die schönsten Antiken-Urnen umgewandelt: auch die Tassen dürfen sich nicht menr in ihrer ursprünglichen Gestalt zeigen; sie erscheinen jetzt als Opferschaalen, mit den lieblichsten Gegenständen aus der Götterwelt geschmückt, und bieten mir dem Thee zugleich Stoff zur Unterhaltung.

    Die Theemaschinen sind größtentheils von Silber oder von bronciertem Kupfer, mit im Feuer vergoldeten auch mit Silber plattirten Verzierungen, und sind in so schönen und so mannigfaltigen Formen zu finden, daß man glauben könnte, es bliebe den Künstlern in diesem Fach nicht mehr zu erfinden übrig. Auch hier hat man einen geschickten Kupferschmied, welcher nach vorgelegten Zeichnungen ganz vortreffliche broncierte Arbeit liefert, es ist der Hof-Kupfer-Schmied Herr J. C. H. Dietze in Dresden.

    Die Theekannen und Rahmgüsse sind gewöhnlich von Silber, Porzellan oder Crystall, die Theelöffel sind gewöhnlich von Silber, auch von Silber und vergoldet, die Teller und Schüsseln zum Backwerk sind von Steingut, mit roth und schwarzen Kupferstichen, sie sind sehr beliebt, wmpfehlen sich durch ihre Leichtigkeit und schöne Auswahl der Gegenstände und ersetzen das theure Porzellan, ohne etwas Gewöhnliches zu scheinen.

    Etwas über Thee

    Um sich beim Einkauf dieses theuern Artikel gehörig vorsehen zu können, so will ich hier die mir bekannten Hauptsorten nebst deren Eigenschaften genau beschreiben. Bekanntlich wird der Thee in zwei Hauptsorten eingetheilt, nämlich in schwarzen oder Thee bohe, Thee buh, und in sogenannten grünen Thee. Der Thee buh besitzt eine schwärzliche Farbe und hat einen zusammenziehenden, etwas bittern Geschmack, und riecht etwas rosenartig. Er besteht aus kleinen schmalen Blättern, die zuweilen auch zu Pulver gestoßen beigemischt sind.

    Der Concho-Thee hat einen starken, angenehmen und veilchenartigen Geruch; er ist nicht so dunkel wie der gemeine Thee buh und sein Aufguß davon sieht blässer aus.

    Der Karavanen-Thee, welchen man über Kyächta an der chinesischen Grenze durch Rußland erhält, ist unsteitig die feinste Sorte des Thee buh. Seine Blätter sind nicht zusammengerollt. Er kommt in kleinen Packetchen oder großen Büchsen und ist der kostbarste und theuerste, weil man sicher ist, daß er nicht vom Seewasser gelitten hat. Wegen seines lieblichen Geruchs glaubt man, daß er mit aromatischen Kräutern angemengt worden ist.

    Der Becko-Thee besteht aus weiß punktirten Blättern. Er ist von schwarzgrauer Farbe, und findet man kleine weiße Blüthen beigemischt. Beim Aufguß zieht er geschwind und hält lange Farbe, hat sowohl trocken als gekocht einen starken Geruch und schmeckt sehr angenehm.

    Kaiser-Thee, auch Theeblüthe, Blumenthee gennat. Dieses ist die feinste Sorte Thee und daher auch sehr theuer. Die Blätter sind zusammengedreht und müssen ein mattgrünes Ansehen haben, ihr Geruch ist zwar nicht stark, aber sehr angenehm und ihr balsamischer Geschmack ist ausgezeichnet.

    Grüner Thee. Die Blätter isnd kraus und haben ein grünliches oder graugrünliches Ansehen, färben auch das Wasser grünlich-gelb. Wenn man denselben trocken kaut, so ist der Geschmack etwas brandig, und der Geruch violenartig.
    Heysan-Thee – dieser ist die beliebste Sorte von grünen Thee. Es muss, wenn er gut sein soll, kleine fest gerollte Blätter haben von blaugrüner Farbe, welche, trocken gekaut, etwas brandig schmecken und einen grünlichen Aufguss geben. Er hält lange Farbe und hat dabei einen angenehmen Geschmack.

    Saquim-Thee oder sogenannter Lisabnischer-Thee, hat alle Eigenschaften des Vorigen, nur sind die Blätter kurz, schmal, grob, länglich gerollt und fallen mehr ins graugrüne.

    Anmerkungen

    Digitalisierter Originaltext:

    SLUB Dresden. urn:nbn:de:bsz:14-db-id3255841419
    http://digital.slub-dresden.de/id325584141
    S. [302852]-[302863], Tafel 136 / S. [303208]

  • Thea viridis L. & Thea Bohea L. et Thea stricta Hayne. – Bohea var. L.

    Maximilian Friedrich Weyhe, J. W. Wolter, P. W. Funke, Theodor Friedrich Ludwig Nees von Esenbeck

    Ilustrationen: Aimé Henry

    Aus: Plantæ medicinales oder Sammlung offizineller Pflanzen, 9. Lieferung, Düsseldorf 1829

    Thea viridis L.

    (Der Grüne Thee.)

    Linné Clas. XIII. Polyandria. Ord. 1. Monogynia.
    Jussieu Clas. XIII. Ord. 10. Famil. Aurant.

    […]

    Benennungen.

    Deutsch. Der grüne Thee.
    Franz.        Le thé vert.
    Ital.        Té verde.
    Span.        Te verde.
    Port.        Chà verde
    Engl.        Green Tea
    Holl.        Groene thee.
    Dän.        Grönne the.
    Schwed. Grönt the.
    Russ.        Tschai.
    Poln.        Herbata.
    Japan. Tsja. Teh.
    Sims. Chà. […]

    Taf. Nro. 1

    Erklärung der Platte
    Thea viridis L.

    1. Ein Zweig mit Blüthen.
    2. Der Fruchtknoten mit dem pfriemenförmigen Griffel, nach oben zu in drei Theile gespalten.
    3. Ein Fruchtknoten quer durchschnitten.
    4. Die dreifächrige Kapsel
    5. Ein einzelnes Saamenkorn.
    6. Dasselbe von seiner äusseren harten Haut entblösst.
    7. Dasselbe durchschnitten, um das Keimgrübchen zu zeigen.
    8. Der Keim vergrößert.

    Thea Bohea L.
    et Thea stricta Hayne.
    — Bohea var. L.

    (Der Braune Thee.)

    T. floribus hexapetalis, foliis ellipticis, consistentibus, lævibus obtusiusculis, obtuse serratis:

    Benennungen.
    Deutsch. Der braune Thee. Theebou.
    Franz. Le thé bout.
    Ital. Té boù.
    Span. Té negro.
    Port. Chà bohy.
    Engl. Bohea.
    Holl. Theeboe.
    Dän. Thebu.
    Schwed. Thebou.
    Russ. Tschai. […]

    Taf. Nro. 2

    Erklärung der Platte
    Thea Bohea. L.

    1. Ein blühender Zweig.
    2. Ein Blatt
    3. Eine durchgeschnittene Blume.
    4. Der Fruchtknoten mit dem Griffel.
    5. Der durchgeschnittene Fruchtknoten.
    6. Die dreifächrige Kapsel
    7. Ein Saamenkorn.
    8. Dasselbe von der äusseren Haut befreit.
    9. Dasselbe durchschnitten.
    10. Der vergrößerte Keim.

    Taf. Nro. 3

    Erklärung der Platte
    Thea stricta Hayne
    — Bohea var. L.

    1. Ein blühender Zweig.
    2. Ein Blatt
    3. Eine Blume durchschnitten.
    4. Ein Staubfaden mit Staubbeutel.
    5. Der Fruchtknoten mit dem Griffel.
    6. Derselbe durchgegeschnitten.
    7. Die dreifächrige Kapsel
    8. Ein Saamenkorn.
    9. Dasselbe von der äusseren Haut befreit.
    10. Dasselbe durchschnitten.
    11. Der Keim vergrössert.

    ———

    Der Thee ist in China und Japan einheimisch, wird daselbst auch sorgfältig angebaut, und wächst als ein immer grüner Strauch, der von unten bis oben sehr unregelmäßig ästig ist, und sich zu einer Höhe von vier, sechs bis acht Fuß erhebt. Einige Reisende wollen sogar behaupten, daß diese Höhe zuweilen bis zu dreyßig Fuß steige.

    Die Farbe des Stammes ist grau; die der Zweige kastanienbraun, das Holz hart und von eigenem Geruch.

    Die spitzen Knospen sind mit einer beym Aufbrechen abfallenden Schuppe bedeckt.

    Die kurzgestielten, abwechselnden Blätter sind etwas glänzend grün, steif, glatt, eyrund-lanzett-förmig oder elliptisch, an ihrer obern Hälfte sägeförmig gezahnt, am Grunde ganzrandig, zwey bis drey Zoll lang und einen Zoll breit. An den unteren Seiten findet man hervorragende, sich in etwas stumpfe Spitzen endigende Rippen.

    Die weißen Blumen stehen einzeln oder bisweilen zu zweyen vereinigt in den Blattwinkeln auf kurzen keulenförmigen Stielen. Sie sind rosenartig und fast ohne Geruch.

    Der bleibende Kelch ist kurz, flach und besteht aus fünf oder sechs rundlichen, stumpfen Blättchen. Die Krone hat neun (auch drey oder sechs) ausgebreitete, rundliche Blumenblätter, wovon die drey äußern gleich, von mittelmäßiger Größe, und die sechs inwendigen gleich und sehr groß sind. Die zahlreichen, im Blumenboden stehenden Staubfäden sind fadenförmig und kürzer, als die Krone; die Staubbeutel herzförmig und zweyfächerig. Der Fruchtknoten sitz oben und hat einen pfriemenförmigen Griffel, von der Länge der Staubfäden. Die Narbe ist dreyfach.

    Die Frucht ist eine dreyknöpfige oder aus dreyrundlichen, einsaamigen, an ihrem Grunde vereinigten, sich an einer Seite der Länge nach öffnenden Fächern zusammengesetzte Kapsel. Die rundlichen, Haselnuß-großen Saamen enthalten unter einer dünnen, glänzenden, braunen Haut einen öligen Kern von bitterm Geschmack.

    Mehrere Botaniker haben nach Linné den braunen Thee (Theebou, Thea Bohea, wovon zwey Varietäten angegeben werden, nämlich: Thea B. laxa mit elliptisch-länglichen, runzlichen und Thea B. stricta mit lanzettförmigen flachen Blättern) und den grünen Thee (Haysanthee, Thea viridis) als zwey Arten unterschieden, wovon die erstere sechs, die andere neun Blumenblätter habe. Nach vielen andern aber sind diese Kennzeichen nicht hinreichend, um eine solche Verschiedenheit zu begründen, indem die Veränderlichkeit in der Zahl der Blumenblätter blos zufällig, und wie bey vielen andern kultivierten Pflanzen von Einfluß des Klima, des Bodens etc. abhängig sey, und daher beyde eher nur als Varietäten angesehen werden können.

    Der Theestrauch blühlt im September und October, auch im Januar und Februar. In Europa trägt er selten Früchte, und wird in Deutschland hin und wieder in Gewächshäusern angetroffen. In seinem Vaterlande aus Saamen gezogen wächst er in sechs bis sieben Iahren zur Manneshöhe. Am tauglichsten zum Theesammeln ist er zwischen dem dritten und siebenten Iahre, und liefert desto schlechtere Blätter, je älter er wird.

    Es ist schwierig zu bestimmen, wie lange schon in China vom Thee Gebrauch gemacht worden, und ohne Zweifel verliert sich dieser Zeitpunkt bis ins höchste Alter. Es ist jedoch bekannt, daß erst gegen die Mitte des 17. Iahrhunderts der Thee in Europa eingeführt wurde.

    Nur die Blätter des Theestrauchs sind unter allgemein bekannten Namen „Thee“ gebrauchlich, und auch in den Offizinen vorräthig. (Thee, Theeblätter, Herba Theæ.)

    In den Handel kommen mehrere Sorten Thee unter verschiedenen Benennungen vor, durch welche aber weder Arten des Strauchs, Varietäten angedeutet werden; sondern diese Benennungen hängen von der verschiedenen Cultur, der Zeit, der Einsammlung der Behandlung und Bearbeitung der Theeblätter ab, welche mit größter Sorgfalt im März, April und Mai gesammelt werden. Ie später dies geschieht, je dicker, volkommener, und größer die Blätter geworden, desto schlechter ist der Thee. Die abgepflückten Blätter werden auf eisernen über Oefen erhitzten Platten geröstet, zwischen den Händen gerollt, dann wohl getrocknet, in gut verschloßenen Gefäßen, gänzlich vor dem Zutritt der Luft geschützt, sorgfältigst aufbewahrt und versendet.

    Die frischen Blätter haben keinen guten Geruch, einen ekelhaften Geschmack, und scheinen etwas scharfes, betäubendes, und gewißermaßen eine giftige Eigenschaft zu haben, die sich aber durch das Rösten und nach einiger Zeit (10 bis 12 Monate) verliert.

    Die Chinesen unterscheiden zwey Theesorten; den braunen und grünen Thee; und von beyden Sorten wieder sieben Untersorten: der Kaiserthee, der grüne Thee, und der Theebou sind davon die merkwürdigsten. Der Geschmack und Geruch  des Thees weicht bey den verschiedenen Sorten ab. Ueberhaupt ist der Geruch mehr  oder weniger lieblich und fein balsamisch, und der Geschmack sehr angenehm, obgleich etwas bitterlich und wenig zusammenziehend.

    Die vorzüglichsten im Handel vorkommenden Theesorten sind folgende:

    1) vom grünen Thee mit krausern, dem Wasser eine grünlich-gelbe Farbe mittheilenden etwas veilchenartig-richenden Blättern.

    Der Kaiserthee, Blumenthee oder die Theeblüthe (Thea cæsarea, Flos Theæ) von hellgrüner Farbe, und einem sehr angenehmen, balsamischen Geruche. Die Blätter sind kaum entfaltet, klein, sehr zart, nicht gerollt, sondern zusammengedreht und bilden die feinste und beste Sorte.

    Der Haysan- oder Hyßen-Thee. Die Blätter sind klein, stark gerollt, von grüner ins Blaue ziehender Farbe.

    Der Singlo-Thee, so genannt, wie mehrere andere, nach dem Orte wo er gebaut wird.

    2) Vom braunen Thee, Theebou von bräunlicher Farbe und rosenartige Geruch;

    Der Souchong-Thee, Karawanenthee. Die Blätter sind breit, nicht zusammengerollt, von einer ins Gelbe ziehenden Farbe.

    Der Soumlo-Thee riecht nach Veilchen, und gibt einen blaßen Aufguß, welcher dunkler ist beym Conchu-Thee, dessen Blätter breiter sind.

    Der Pecco-Thee: mit darunter gemengten, kleinen weißen Blättchen.

    Der gemeine Theebou, dessen Blätter von gleichförmig grün-brauner Farbe sind.

    Ferner hat man auch noch eine Theesorte von mit einer schleimigen Substanz verbundenen, und in Kugeln von verschiederer Größe zusammengerollten Blättern; der Theekuchen, den aus erbsenförmigen Kugeln bestehenden Tiothee, den Schießpulverthee u. m. a.

    Anmerkungen

    Digitalisierter Originaltext und Quelle der Illustrationen:

    Universitäts- und Landesbibliothek Düsseldorf, urn:nbn:de:hbz:061:1-2184, S. [960]-[966]
    http://digital.ub.uni-duesseldorf.de/ihd/content/titleinfo/111970

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