Autor: Mikael GB Horstmann

  • In diesem Text schreibe ich über die nonverbalen Zeichen, mit denen Gastgeber:innen, Gäst:innen und das Servicepersonal kommunizieren können. Es werden die Fragen beantwortet: In welcher Reihenfolge benutze ich das Besteck? Wie und wann lege ich das Besteck ab? Was mache ich mit der benutzten Serviette, wenn ich den Tisch verlassen muss?

    Die wichtigsten Zeichen beim Essen sind:

    • die Reihenfolge von Besteck und Gläsern,
    • die Lage der Serviette,
    • die Besteckpositionen vor, während und nach dem Essen,
    • Brot- und Butterzeichen,
    • Glas- und Tassenzeichen.

    Gedecksprache

    Oft spricht man von der Bestecksprache, mit der man seinen Status während eines Ganges signalisiert. Aber es gibt viel mehr Zeichen, mit denen Gast, Gastgeber und Service nonverbal kommunizieren können. Die grundlegendste Information im Gedeck ist die, welches Besteck und welches Glas als nächstes benutzt werden. Die Leserichtung ‚von außen nach innen‘ gilt zumindest beim englischen Gedeck: Hier liegen Dessertbesteck in der Speisefolge rechts und links des Tellers.

    Diese Regel hat einen praktischen Hintergrund: Sie soll Verletzungen vermeiden. Besonders bei den Messern auf der rechten Seite könnte man Gefahr laufen, sich an der Schneide eines benachbarten Messers zu verletzten, wenn man von innen her das Besteck aufnehmen würde. Aufgrund des Bedürfnisses nach Sicherheit liegen die Messer mit der Schneide zum Teller.

    Zwei Ausnahmen gibt es bei der ‚Von-außen-nach-innen‘-Regel: der Butterstreicher auf dem Brotteller und das Wasserglas. Beide werden meist gleich zu Anfang genutzt, man darf aber immer wieder zu ihnen zurückgreifen, egal bei welchem Gang man sich gerade befindet.

    In Frankreich steht das Wasserglas als größtes Glas ganz links, die Weingläser werden aber von rechts nach links benutzt. (Siehe dazu den Abschnitt Französisches Gedeck auf der Seite Tischgedeck und Tafelarrangement)

    In der international häufiger vorkommenden Eindeckung, bei der die Dessert- und Käsebestecke oberhalb des Tellers liegen, müsste die Regel korrekterweise „von rechts und links über die Mitte nach oben“ heißen. Die oberen Bestecke werden nämlich von „innen nach außen“ (sic!) benutzt. Beim Eindecken werden diese Bestecke in der absteigenden Reihenfolge der Gefährlichkeit vom Teller weg platziert. Oft werden die oberhalb des Tellers liegenden Teile zum jeweiligen Gang durch das Servicepersonal heruntergezogen. Durch das Herunterziehen liegen die Bestecke wieder in der Von-außen-nach-innen-Richtung.

    Bei einigen Gerichten reichen ein oder zwei Bestecke nicht. Oder das Gericht erfordert Spezialbesteck. Neben Messer und Gabel können zusätzliche Besteckteile wie ein Löffel (z.B. Eintöpfen), ein Gourmetlöffel (bei Gerichten mit mehr Soße als durch die Bestandteile des Gerichts aufgenommen werden können) oder andere Spezialbestecke (z.B. Fonduegabeln, Kaviarlöffel, Austerngabel, Hummernadel) zusätzlich nötig sein. Ein zusätzliches drittes Besteckteil wird es zum entsprechenden Gang schräg auf den Tisch zu den anderen Bestecken gelegt. Dieses schräge Anordnen ist das Zeichen, dass nun mehr als zwei Besteckteile genutzt werden dürfen.12


    Brot- und Butterzeichen

    Gleich zu Beginn eines Essens können Gastgeber und Restaurantbetreiber ihren Gästen ein Zeichen geben, ob zum Brot auch Butter oder ähnliches gereicht wird. Gibt es einen Butterstreicher, gibt es es auch Butter oder einen anderen Aufstrich. Wurde kein Butterstreicher eingedeckt, gibt es auch keinen Aufstrich. Dann gebietet die Etikette, dass man auch nicht danach fragt.

    Serviettenzeichen – Die Serviette richtig ablegen

    Aufnehmen der Serviette

    Eine traditionelle Regel lautet, dass der Gastgeber die Serviette als Erster vom Gedeck nimmt, ausbreitet und auf den Schoß legt. Er gibt damit dem Service und den Gästen das Signal, dass das Essen beginnt. In Restaurant stört oft die gefaltete Serviette beim Lesen der Menükarte. Deshalb kann es der Situation angemessen sein, vor dem Aufschlagen der Karte die Serviette auszubreiten.

    Ablegen der Serviette

    Eine häufig gestellte Frage ist die nach dem Ablageplatz der Serviette, wenn man den Tisch zeitweilig oder endgültig verlässt. In Europa ist es üblich, die Serviette links oder, weil dort aufgrund des Brottellers kein Platz frei ist, rechts leicht gefaltet neben das Gedeck zu legen; die benutzte Seite wird dabei nach innen gefaltet. Man sollte beachten, im „eigenen Raum“ zu bleiben und nicht in den Bereich des Tischnachbarn zu kommen, was stören oder zu Verwechslungen führen könnte. Elisabeth Bonneau unterscheidet in ihrem Buch: Die Serviette liegt bei kurzer Abwesenheit links, bei Ende des Essens rechts. Doch diese Regel ist kaum jemandem bekannt.

    In den USA ist es üblich, die Serviette bei kurzzeitigem Verlassen des Tisches auf die Sitzfläche des Stuhls zu legen. Wer aus europäischer Sicht dabei Unbehagen verspürt, kann sich mit der Stuhllehne behelfen. Am Ende des Essens ist die lose zusammengefaltete Serviette in die Gedeckmitte zu legen – allerdings nur, wenn sich dort kein Teller mehr befindet.


    Besteckzeichen – Was die Position des Bestecks bedeutet

    Aufnehmen des Bestecks

    Ähnlich wie bei der Serviette gibt die Gastgeberin oder der Gastgeber mit der Aufnahme des Bestecks ein Zeichen für alle Gäste, dass nun mit dem Essen des Ganges nun begonnen wird. Sollte sich aus logistischen Gründen das Einsetzen aller Teller verzögern, dürfen Gastgeber natürlich auch diejenigen, die schon einen Teller vor sich stehen haben, zum Beginn des Essen verbal auffordern.

    Besteckablage auf dem Teller

    Über die Bestecksprache wird viel geschrieben und dabei gerne übertrieben. Eine Mär, die gerne verbreitet wird, ist, dass man mit dem Besteck die empfundene Qualität des Essens ausdrücken kann. Dies wäre grob unhöflich, weshalb hier darüber kaum weitere Worte verloren werd. Nur dies: Die dabei vorgeschlagenen Arten, das Besteck abzulegen, um Unmut auszudrücken, erschweren dem Servicepersonal das Ausheben des Tellers mit dem Besteck. Die Gefahr steigt durch das „falsche“ Ablegen des Bestecks auf der linken Seite des Tellers, dass beim Ausheben (es wird von der rechten Seite ausgehoben) das Besteck vom Teller rutscht und dem Gast / der Gästin auf den Schoß fällt. Damit bestraft man dann nur sich selbst! Ganz klar drücken es auch Maria Th. Radinger und Lis Droste aus:

    „Tatsache ist jedoch, dass Gäste dem Service verbal mitteilen müssen, wenn etwas nicht in Ordnung ist oder war.“
    Maria Th. Radinger und Lis Droste: Umgangsformen für perfekte Gastgeber in Hotellerie, Gastronomie und Tourismus, 2. AUflage Wiesbaden 2022

    Bestecksprache – die historische Entwicklung

    Die Ursprünge der Bestecksprache liegen im Dunkeln. Noch im 19. Jahrhundert scheinen die Zeichen in Deutschland noch unbekannt gewesen zu sein. In Sprachlehrbüchern und Berichten zur englischen Kultur tauchen zwei Besteckzeichen erstmals auf:

    „Das Messer in den Mund zu bringen, wie wir das in Deutschland noch häufig sehen, ist in England geradezu Hochverrath gegen die gute Sitte. Legt man seine Messer und Gabel so auf den Teller, dass sie einen Winkel bilden, so zeigt das dem Bedienten an, daß man von demselben Gericht noch etwas wünscht; legt man sie parallel neben einander, so nimmt der Bediente den Teller weg.“
    Otto von Corvin: Wie man in England ißt und trinkt; aus: Die Gartenlaube, No. 49, Leipzig 1871.

    So ist es auch noch 1888 in einem Langscheidt-Wörterbuch zu finden:

    „Wünscht man nichts mehr, so legt man Messer und Gabel parallel nebeneinander auf den Teller. Dies versteht der Aufwärter und räumt es weg; wünscht man mehr, so kreuzt man Messer und Gabel auf dem Teller.“
    Carl Neubert: Langenscheidts Notwörterbücher für Reise, Lektüre, Konversation – Sachwörterbuch. Land und Leute in England, Berlin 1888

    1896 schreibt Katharina Prato in ihrem Haushaltskundebuch:

    „Läßt jemand sein Besteck kreuzweise auf dem Teller liegen, so gilt es als Zeichen, daß er die Speise nochmals angeboten wüncht; wurde es nach rechts geschoben, so ist es wegzunehmen.„
    Katharina Prato [Edle von Scheiger]: Die Haushaltskunde, Graz 1896

    Sechs Jahre zuvor beschrieb Prato über das Besteckwechseln in ihrem damals sehr bekannten Kochbuch „Die Süddeutsche Küche“ noch so:

    „Lässt jemand sein Besteck auf dem Teller liegen, so nimmt man es mit diesem an der rechten Seite mit der rechten Hand weg, taucht die Klinge in das in einem Kessel auf der Credenz befindliche warme Wasser, wischt sie ab und gibt es auf einem frischen Teller wieder ebenso hin, wenn man nicht ohnedem für alle die Bestecke wechselt.„
    Katharina Prato [Edle von Scheiger]: Die Süddeutsche Küche, 21. Auflage, Graz 1890

    Der bis heute unbekannte Autor des 1836 in Glasgow erschienen Buches „Science of etiquette schrieb:

    „When you send your plate for any thing, leave your knife and fork upon it crossed. When you have done lay both in parallel lines on one side. A reader who occupies himself about greater matters may smile at this precept. It may indeed be very absurd, yet such is the tyranny of custom, that if you were to cross your knife and fork when you have finished, the most reasonable and strong minded man at the table could not help setting you down, in his own mind as a low-bred person.„
    Αστειος (asteios): Science of etiquette, Glasgow 1836

    Bestecksprache heute

    Diese beiden Zeichen „Nachschlag erwünscht“ und „Gang beendet“ sind primär an das Servicepersonal gerichtet. Unten stehend ist ein drittes Zeichen ergänzt, das sich aus der Notwendigkeit des Ablegens des Bestecks ergibt, wenn man spricht oder trinkt, oder andere Dinge tut, die freie Hände bedürfen. Nachfolgend ist exemplarisch die Kombination aus Gabel und Messer genannt, die Regeln gelten für andere Kombinationen wie z.B. das Entremet-Besteck (Löffel und Gabel) entsprechend.

    Anzumerken ist, dass es in der Literatur durchaus voneinander abweichende Meinungen über die Besteckzeichen gibt. Einigkeit herrscht nur beim Zeichen „Gang beendet“ (abgesehen von der englischen Untervariante). Zumeist wird die Bestecksprache auf die zwei Zeichen „Esspause“ und „Gang beendet“ verkürzt, ein Zeichen für „Nachschlag erbeten“ scheint entbehrlich zu sein. Das liegt vor allem an der Einführung des „Amerikanischen Service“ – dem Auftragen von Speisen fix und fertig angerichtet auf dem Teller.

    In diesem Zwei-Zeichen-System wird zuweilen das gekreuzte Besteck als Esspausen-Zeichen definiert. Die Autorinnen des Netzwerkes „Etikette-Trainer-International“ definieren die Zeichen Esspause und Nachschlag genau anders herum, mit dem Argument, das bei gekreuzten Bestecken das Nachlegen schwieriger sei (z.B. in: 3). Entgegenhalten könnte man, das auf einem gefüllten Teller gewöhnlich kein Platz für das gekreuzte Besteck ist. Die folgenden Ausführungen und Festlegungen finden sich auch in Buch „Der feine Unterschied“ von Maria Prinzessin von Sachsen-Altenburg sowie in den Ratgebern von Horst Hanisch aus der „Kleinen Knigge Reihe“ und beruhen auf der international gängigeren Variante für die Esspause (Vgl. dazu: Florance LeBras, „La Bible du Nouveau Savoir-Vivre“, Debrett’s „A-Z of Modern Manners“ und Nicholas Clayton „A Butler’s Guide to Table Manners“).

    Zuweilen sieht man in anglosächsischen Ländern und deren ehemals kolonialen Einflussbereichen, dass die Gabel mit den Zinken nach unten abgelegt wird, Analoges ist auch beim Zeichen „Gang beendet“ zu beobachten. In der us-amerikanischen Literatur wird dies irritierenderweise „continental style“ bezeichnet, in der britischen Literatur nicht weniger irritierend „à la mode française“. In Wahrheit passt es vollkomen zur englischen Etikette, beim Essen die Gabel durchweg mit dem Rücken nach oben zu nutzen. (Vgl. dazu: Debrett’s A-Z of Modern Manners, Richmond 2008; Nicholas Clayton: A Butler’s Guide to Table Manners, London 2007; Suzanne von Drachenfels: The Art of a Table. A Complete Guide to Table Setting, Table Manners, and Tableware, New York 2000)

    Esspause

    Um zu signalisieren, dass man nur eine kurze Pause macht und weiteressen wird, legt man das Besteck ungekreuzt auf dem Teller ab, wie auch immer es der Platz erlaubt, den die Speise auf dem Teller lässt. Dabei berühren Gabelkelle und Messerklinge den Tellerspiegel, die Griffe liegen auf dem Tellerrand oder auf der Tellerfahne auf. Gleiches gilt auch für Situationen, in denen nur ein Besteckteil genutzt wird, z.B. den Löffel bei Suppen. Bei Suppentassen bleibt der Löffel in der Suppentasse. Tabu ist, dass die Bestecke die Tischdecke berühren. Der praktische Grund, der dahinter steckt: am Besteck haftende Soße soll nicht daran herunterlaufen und die Tischwäsche oder die Finger beschmutzen können.

    Für die US-amerikanische Variante wird das Messer oben rechts diagonal auf der Fahne abgelegt, die Gabel unter rechts diagonal. Das beruht auf der besonderen Gewohnheit, das Messer nach dem Schneiden der großen Stücke eben dort oben auf der Fahne abzulegen, die Gabel von der linken in die rechte Hand zu wechseln und ohne Messer weiterzuessen. (Suzanne von Drachenfels: The Art of a Table. A Complete Guide to Table Setting, Table Manners, and Tableware, New York 2000)

    Auch in Italien kann so das Besteck abgelegt werden, wenn überwiegend nur mit einem Besteckteil gegessen wird. Werden zwei Besteckteile genutzt, wird in der Pause die „europäische“ Variante wie oben beschrieben genutzt. (Roberta Bellinzaghi: Il Galateo – le buone maniere oggi, Firenze & Milano 2021)

    Nachschlag erwünscht

    Es ist selten geworden, dass man Nachschlag bekommt. Der Tellerservice, auch amerikanischer Service genannt, hat uns feste Portionsgrößen beschert; selbst in der Hochgastronomie sind die Servierarten Französisch, Russisch und Englisch sehr selten geworden. So wird man dieses Besteckzeichen womöglich nur am familiären Esstisch (beim sogenannten deutschem Service) nutzen können. (Thomas Schäfer-Elmayer: Der Große Elmayer, Salzburg & München 2018)

    Allerdings können ökologisch-orientierte Teilnehmer eines Buffets mit diesem Zeichen dem Service mitteilen, dass sie den Teller und das Besteck bei nächsten Gang zum Buffet weiternutzen. Dies entspricht nicht der derzeitigen Etikette. Aber viellleicht ändert sich dies in naher Zukunft im Zuge eines allgemeinen stetig steigenden ökologischen Bewusstseins.

    In einer abgewandelten Version wird das Messer unter der Gabel eingeklemmt. Die Gabel wird mit dem Daumen der linken Hand auf dem Teller fixiert. So ist ein sicherer Gang zum Buffet mit dem bereits benutzten Geschirr und Besteck möglich, und die rechte Hand bleibt zum erneuten Beladen des Tellers frei.

    Gang beendet

    Möchte man dem Service mitteilen, dass man (trotz eventuell vorhandener Reste) nicht weiter isst, legt man die Bestecke parallel mit den Griffen nach rechts unten ab. Gleiches gilt auch für Situationen, in denen nur ein Besteckteil genutzt wird, z.B. den Löffel bei Suppen. Bei einer Suppentasse signalisiert der auf die Untertasse abgelegte Löffel, dass man das Essen der Suppe beendet hat. So liegend lässt sich das Besteck sicher von rechts ausheben. Es kann beim Anheben des Tellers nicht so einfach herunterrutschen. Zusätzlich kann die Servicekraft kurz nach dem Anheben des Tellers kippen, so dass die Besteckgriffe zum Daumen rutschen, der den Teller von oben festhält.

    Früher konnte ein Gastgeber seinen Gästen anzeigen, dass der Gang beendet ist. Sobald der Gastgeber die Bestecke parallel legte, hatten auch die Gäste als bald als möglich das Essen einzustellen; einen Nachschlag zu nehmen wäre ab diesem Zeitpunkt unschicklich gewesen. In anderen Quellen wird der Gastgeber angehalten, sein Besteck erst dann in diese Position zu legen, wenn alle Gäste ihr Mahl beendet haben, als Signal an den Service, dass nun abgeräumt werden soll.

    In England liegen Gabel und Messer am Ende eines Ganges ebenfalls parallel, allerdings nicht schräg sondern vertikal auf der Centrallinie. (Debrett’s A-Z of Modern Manners, Richmond 2008) Meist ist dabei der Gabelrücken nach oben gedreht. Dies entspricht der englischen Gewohnheit, die Gabel beim Essen durchweg so zu halten. Auch beim Essen von Erbsen! (Nicholas Clayton: A Butler’s Guide to Table Manners, London 2007) Die vertikale Lage erschwert zwar dem Service den Teller mit Besteck sicher auszuheben, allerdings galt in England früher die Regel, dass ein Gast nie einen leeren Platz vor sich haben darf.  Dies lässt sich nur bewerkstelligen, indem der benutzte Teller links ausgehoben und sofort der Teller für den nächsten Gang von rechts nachdeckt wird. Dabei wäre es praktischer, das Besteck mit den Griffen schräg nach links unten abzulegen. Womöglich wurde in der Zeit, in der das Links-Ausheben zum Rechts-Ausheben wechselte (aber man nicht genau wusste, wie dies am Ort, an dem man sich befand, gehandhabt wurde), das Besteck auf der Centrallinie platziert. So kann der Teller ganz gleich ob von der linken oder rechten Seite kommend sicher aufgenommen werden. Doch dies kann man nur vermuten.

    Der Weg des Bestecks

    Nimmt man die englische Weise und legt die drei Zeichen übereinander, lässt sich die „Klappenbewegung“ des Bestecks erkennen: Die Griffe wandern immer weiter aufeinander zu, bis sie schlussendlich beieinanderliegen bzw. parallel zur Centrallinie liegen. Dies hilft besonders bei im tiefen Teller servierten Suppen, die nur mit einem Besteckteil, dem Löffel gegessen werden; an der Größe des Winkels kann die Servicekraft erkennen, ob der Gast noch isst oder den Gang trotz eines Restes beendet hat.

    Glaszeichen – Nachschenken oder ablehnen

    Im Allgemeinen reicht ein kurzes Handzeichen des Gastes, um dem Servicepersonal oder Gastgeber anzuzeigen, ob man ein Getränk nicht eingeschenkt bekommen möchte; ganz egal ob es erstmalig angeboten wird oder nachgeschenkt werden soll. Man kann auch gleich zu Beginn äußern, auf Wein während des gesamten Essens zu verzichten, und die entsprechenden Gläser ausheben lassen. Das verhindert erneutes Anbieten.

    In einigen Kulturkreisen könnte ein leer getrunkenes Glas beim Gastgeber die Angst auslösen, er könne ungastlich oder geizig wirken. Dann sollte man sich aus Höflichkeit das Glas vollschenken lassen und nach kleinem Nipp den größten Teil im Glas stehen lassen.

    Tassenzeichen – Nachschenken nicht erwünscht

    Teelöffel in der Tasse

    In England und Ostfriesland stellt man den Teelöffel in die Tasse, um seinem Gastgeber mitzuteilen, dass man keinen weiteren Tee eingegossen bekommen möchte. In Ostfiesland hat der Teelöffel nur diese eine Funktion, da dort der schwarze Tee mit Kandis und Sahne-„Wolke“ nicht umgerührt wird. Bis in die 1950er Jahren war dieses Besteckzeichen auch in anderen Regionen in Deutschland gängig. (Siehe auch: Tassenzeichen)

    Die umgedrehte Tasse

    Im 18. und 19. Jahrhundert stellte man die geleerte Tee- oder Kaffeetasse umgedreht, also mit der Öffnung nach unten, auf der Untertasse ab, um anzuzeigen, dass eine Wiederbefüllung nicht gewünscht wird. Heute ist dieses Zeichen unüblich.

    (Siehe auch den Abschnitt Begriffe und Voraussetzungen auf der Seite Tischgedeck und Tafelarrangement)


    1. Degen, Bernd; Jobst, Joachim; Kessler, Thomas: Das Couvert: der perfekt gedeckte Tisch. 13., Pfanneberg, Haan-Gruiten, 2013, ISBN: 978-3-8057-0683-4. ↩︎
    2. Gastronomische Akademie Deutschlands: Service-Richtlinien der GAD. Handwerk und Technik, Hamburg, 2014, ISBN: 978-3-582-04993-3. ↩︎
    3. Helbach-Grosser, Susanne: Erfolg mit Takt & Stil. expert verlag, 2007, ISBN: 978-3-8169-3179-9. ↩︎

    Dieser Text wurde erstmals im September 2017 veröffentlicht und im Juli 2026 überarbeitet und ergänzt. Zudem wurden die Abbildungen aktualisiert.

  • Die Mandel – Die Schöne und Noble aus dem Morgenland

    Mandeln sind heute alltäglich, man rührt sie morgens ins Müsli und knabbert sie abends in der Bar zum Cocktail. Und was wäre Weihnachten ohne gebrannte Mandeln, Makronen, und die vielen mit Mandeln dekorierten Gebäcke? Ohne Marzipan würde man viel seltener an Lübeck denken, ist die Stadt doch das deutsche Mekka dieses Haremskonfekts, wie Thomas Mann es nannte.

    Im Mittelalter waren Mandeln noch die schönen und sehr teuren Exoten aus dem fernen Morgenland, der Kaviar unter den Nüssen und Kernen. Zur Haute Cuisine zählten Mandelbrei und Marzipan, und in der mittelalterlichen Küche war die Mandelmilch die Allzweckwaffe zur Veredelung unzähliger Speisen.

    Rezepte für Suppen, Fleisch- und Fischgerichte bis hin zu Desserts und Getränken: die Mandel ist nicht nur nahrhaft sondern auch vielseitig. Und die Geschichte europäischer Mandelrezepte ist gelegentlich kurios.

    Mandelbaum-Mythen & -Märchen

    Kurios sind bereits die Enstehungsmythen des Mandelbaums. Agdistis war ein zweigeschlechtliches, furchterregendes Wesen, entstanden aus einem auf die Erde darnieder getropften nächtlichen Samenerguss des Zeus. Von den Göttern seiner Männlichkeit beraubt, entwuchs dem abgeschnittenen und vergrabenen Genital des Agdistis ein Mandelbaum. Oder entstand erst aus dem nun nur noch das weibliche Geschlecht besitzenden Agdistis die Kybele, Liebhaberin des aus dem vergrabenen Hoden entstandenen Attis? Kybele verletzte sich auf einem Frühlingsspaziergang ihr zierliches Füßlein an einem Dorn; und aus dem vergossenen Tropfen Blute wuchs dann der erste Mandelbaum? Noch zu einfach? Da gab es auch noch die Nymphe Nana, Tochter des Flussgottes Sangarius. Nana pflückte sich eine Frucht von eben dem Baum, der aus Agdistis Genital gewachsen war. Nana drückte die Mandel auf ihre Brust, wurde schwanger und gebar den Attis. Eine Form von indirekter Empfängnis.

    In einer weiteren, etwas komplizierteren, Version wird Agdistis von Dionysos überlistet. Dionysos verwandelte eine Wasserquelle in eine Weinquelle, aus der Agdistis trank. Der Alkohol berauschte, die Müdigkeit übermannte das Zwitterwesen. Dionysos band die männlichen Geschlechtsorgane an einen Baum. Schließlich schreckte Agdistis aus dem Schlaf hoch, sprang auf und entmannte sich selbst. Aus dem Blut des abgerissenen Gliedes entwuchs kein Mandel- sondern ein Granatapfelbaum, von dem Nana, Tochter des Flussgottes Sangarius schwanger wurde, wie oben schon beschrieben. Nur dass es sich um einen Granatapfelkern und nicht einen Mandelkern handelte. Der geborene Knabe, Attis genannt, wurde ausgesetzt. Eine in Ostia gefundene Statue zeigt Attis mit einem Granatapfelzweig in der rechten Hand. Zum schönen Jüngling erwachsen stritten sich Kybele und Agdistis um ihn. Attis sollte aber Ia, Tochter des Königs Midas heiraten. Midas war wiederum ist Sohn des Gordios und der Kybele. Die eifersüchtige Agdistis versetzte den Attis in den Wahnsinn, so dass sich dieser sich selbst entmannte und starb. Aus seinem Blute des von Kybele vergrabenen Gliedes erwuchsen Veilchen, die den Fichtenbaum umkranzten, unter dem das Unglück stattfand. Auch Ia nahm sich das Leben, und auch auch aus ihrem Blute erwuchsen Veilchen. Die Blumen wurden von Kybele verscharrt und nun entstand daraus ein: Mandelbaum.

    Vielleicht war es aber die Phyllis, die sich in einen der Söhne von Theseus und Phaedra verliebte. Ob es nun Akamas war oder sein Bruder Demophon bleibt ungeklärt. Wer es auch war, er versprach der Phyllis die Heirat und reiste von dannen, mit dem Versprechen der baldigen Wiederkehr. Er kam zu spät. Phyllis erhängte sich vor Einsamkeit und Liebeskummer und verwandelte sich in einen kahlen Mandelbaum. Nun doch zurückgekehrt umarmte in Trauer Akamas (oder Demophon) den Baum, der sofort wundersam und schön zu blühen begann. Manchmal gleicht die griechische Mythologie einer großen Gerüchteküche.

    Nach soviel Blut- und Samengeschichten wird die Mandel im Christentum ganz brav. Sie steht für die Unbefleckte Empfängnis. Die Mandorla wird ein Kennzeichen für Maria in der christlich-künstlerischen Bildsprache. Auf Bildnissen der Maria wird diese von der Mandorla cunnusartig umrahmt.

    Allerdings erwähnt nur das Alte Testament den Mandelbaum. So erhielt zum Beispiel Mose von Gott den Auftrag einen mobilen Zelttempel zu errichten. Zu dessen Ausstattung gehörte auch ein Leuchter, die Menora. Die Beschaffenheit des Leuchters ist genau beschrieben:

    „Du sollst auch einen Leuchter aus feinem Golde machen, Fuß und Schaft in getriebener Arbeit, mit Kelchen, Knäufen und Blumen. Sechs Arme sollen von dem Leuchter nach beiden Seiten ausgehen, nach jeder Seite drei Arme. Jeder Arm soll drei Kelche wie Mandelblüten haben mit Knäufen und Blumen. So soll es sein bei den sechs Armen an dem Leuchter. Aber der Schaft am Leuchter soll vier Kelche wie Mandelblüten haben mit Knäufen und Blumen und je ein Knauf soll unter jedem Paar der sechs Arme sein, die von dem Leuchter ausgehen. Beide, Knäufe und Arme, sollen aus ihm hervorgehen, ganz und gar aus lauterem Gold getrieben.“ [Ex 25,31-40]

    Auch in die deutschen Volksmärchen hat die Mandel Eingang gefunden. Johann Wilhelm Wolf (1817-1855) notierte Märchen, Sagen und Lieder, die er mit seinem Schwager Wilhelm von Ploennies auf Wanderung durch den Odenwald oder unter den Soldaten der Armee des Großherzogtums Hessen-Darmstadt fand. 1851 veröffentlichte Wolf im Buch Deutsche Hausmärchen das Märchen von den  „Mandelkörbchen“. Ein Bauer schickt seine drei Söhne in den Wald, das Tagwerk zu verrichten. Die beiden Älteren, von schöner Gestalt, verbringen allerdings den Tag mit Murmelspielen. Bei Einbruch der Dämmerung versuchen Sie hektisch, ein wenig der Arbeit aufzuholen. Dabei zerbrechen Sie Ihre Geräte. Das Geschrei ist groß, die Angst vor dem Vater auch. Ein seltsamer Mann hört ihr Klagen und will Ihnen helfen, indem er jedem der Brüder einen Wunsch gewährt und erfüllt. Der Älteste wünscht sich, dass seine zerbrochene Hacke wieder heile ist, der Zweitälteste wünscht sich eine schöne Frau. Der Jüngere aber wünscht sich ein Schloss, in dem die ganze Familie einziehen kann, mit einem Mandelbaum davor, dessen Früchte alle Krankheiten kurieren können. Einige Zeit später lässt der König des Landes kundtun, dass seine Tochter eine seltene, bislang nicht heilbare Krankheit hat, und dass derjenige, der sie kurieren kann, sie zur Frau bekommen wird. Der Bauer schickt seinen ältesten Sohn mit Früchten des Mandelbaums los, in einem Körbchen verpackt, abgedeckt mit einem Tuch. Auf dem Weg zur Königstocher wird der Älteste von einem Männchen im Wald angesprochen, was der Jüngling da im Körbchen habe. Der Jüngling schwindelt, er habe nichts. Verärgert über die Lüge und den Geiz, dem Männlein nicht eine einzige Mandel abgeben zu wollen, verzaubert er das Körbchen und lässt die Mandeln verschwinden. Das leere Körbchen erzürnt natürlich den König und, zuhause wieder angekommen, auch den Vater. Dem Zweitältesten ergeht es ebenso. Als dann der jüngste Sohn sein Glück versucht und ebenfalls vom Männlein angesprochen wird, gibt dieser ihm bereitwillig ein paar Mandeln ab. So bleibt ihm das Verschwindenlassen der Mandeln erspart, und die Königstocher kann kuriert werden. Da der jüngste Sohn nicht der schönste und nur ein Bauerssohn ist, stellt ihn der König vor einige weitere vermeintlich unlösbare Herausforderungen, bis er schlussendlich die Königstocher heiraten kann.

    Giambattista Basile veröffentlichte 1634/36 seine Märchensammlung Pentameron, in der sich auch die Geschichte von Pinto Smauto befindet: Ein Kaufmann will seine Tochter gerne verheiratet sehen, doch diese behauptet ihre Freiheit und ist durch nichts umzustimmen. Beim Aufbruch zu einer Messereise fragt der Kaufmann seine Tochter, was er ihr mitbringen möge. Sie antwortet ihm: „Wenn du mich liebhast, Väterchen, so bringe mir einen halben Zentner Palermozucker, einen halben süße Mandeln, vier bis sechs Flaschen wohlriechendes Wasser, etwas Moschus und Ambra, ferner etwa vierzig Stück Perlen, zwei Saphire, einige Granaten und Rubine, etwas Goldgespinst, besonders aber einen Backtrog und Kratzmesser von Silber.“ Mit diesen Zutaten und mit den erbetenen Backwerkzeugen schließt sie sich in ihrer Kammer ein und erschafft einen Jüngling aus Marzipan mit Haaren aus Goldfäden, Augen aus Saphiren, Zähnen aus Perlen und Lippen aus Rubinen. Und sie bittet mit Beharrlichkeit die Liebesgöttin ihrem Marzipanmann, den sie Pinto Smauto (der „Emaillierte“) nennt, Leben einzuhauchen. Ihn nun will sie heiraten, aber Pinto Smauto wird von einer bösen Königin entführt und es dauert eine Weile, bis die Kaufmannstochter glücklich und zufrieden zusammenleben können.

    Die Anpflanzung der vielen Mandelbäume in der Algarve im Süden Portugal soll auf eine andere Liebesgeschichte zurückgehen. Der junge Emir Ibn-Almundin, der in der Region Al-Gharb lebte, verliebte sich in eine schöne junge Frau aus dem hohen Norden, Gilda war ihr Name. Sie lebten eine Weile glücklich, bis Gilde an Schwermut erkrankte. Ein alter Mann, der ebenfalls aus dem Norden stammt, gab dem jungen Emir eine Rat. Gilda vermisse den Blick auf Schnee. Und da Schnee nun mal in Al-Gharb nie fällt solle der Emir viele Mandelbäume pflanzen lassen, die mit ihrer frühen weißen Blütenpracht, als erste Frühlingsboten die Landschaft „verschneien“ lassen. Dieser tut wie geheißen, und Gilda und Ibn-Almundin leben noch viele Jahre glücklich zusammen.

    Die Mandeln hat es in den Kreis der Lebensmittel geschafft, die eine bestimmte Form bezeichnen. Während ei-, apfel- oder birnenförmig bei der Beschreibung eines Menschen oft negatives beschreiben, gelten mandelförmige Augen aber als besonders schön. Die Schönheit von karottenförmigen Hosen ist Ansichtssache. Wer schön sein will kann schon seit langem auf eine Vielzahl von Kosmetika mit Mandeln zurückgreifen: Mandelseifen, Mandelöl oder auch Reinigungsprodukte mit Mandelkleie für das sanfte Abreiben der Haut.

    Ursprung, Botanisches, Inhaltsstoffe

    Herkunft, früher und heute

    Man nimmt an, dass das tatsächliche Ursprungsgebiet im Bereich zwischen Levante und dem Tian-Shan-Gebirge, also zwischen Syrien und Afghanistan liegt. Schon früh breitete sich der Mandelbaum aus. Oder er wurde ausgebreitet, auch bis nach Griechenland. Womöglich ist die Mandel eine der ersten kultivierten Obstsorten überhaupt der alten Welt.

    Bereits der griechische Geschichtsschreiber und Geograph Strabon (ca. 63 v. Chr. bis 23. n. Chr.) berichtet über die Meder, ein Volk im Norden des heutigen Iraks:

    „Während das übrige Medien ungemein gesegnet erscheint, ist das nördliche Gebirgsland unfruchtbar. Dort nähren sich daher die Menschen von Baumfrüchten und machen aus getrocknetem und zerstoßenem Obst Kuchen, aus gerösteten Mandeln aber Brot; (…)“

    Was dieses Mandelbrot noch enthält, verrät er uns leider nicht.

    Die Römer holten die Mandelbäume aus Griechenland nach Italien und verbreiteten sie anschließend in ihren Kolonien in Frankreich, in der Schweiz, in England und in Holland. Auch nach Deutschland brachten die Römer die Mandelbäume, besonders in der Pfalz gibt es noch heute einige größere Bestände. Nach Spanien und Portugal brachten wohl die Mauren die Mandelbäume.

    Trotz der ersten Anpflanzungen in der Römerzeit, die Mandeln blieben nördlich der Alpen Importware im Mittelalter, die sich nur die Reichen leisten konnten. Die Mandeln wurden sackweise gehandelt. Transportiert wurden Sie in Holzfässern, und so verpackt auf Fuhrwerken aus dem südlichen Europa über die Handelsstraßen und vielen Handels- und Messestädten in den Nord- und Ostseeraum gebracht.

    Die Mandeln waren in gehobenen Haushalten nicht nur wegen ihres Exotentums und Wohlgeschmacks begehrt, sondern auch in den Fastenzeiten, die es damals nicht nur vor Ostern sonder auch vor Weihnachten gab, beliebt, da mit Mandeln Mandelmilch und Mandelkäse hergestellt werden kann, diese und die damit zubereiteten Speisen nicht dem Verzehrverbot von Fleisch, Milch und Eiern unterlagen.

    Heute wachsen Mandelbäume rund um den Globus, wenn es nur warm genug ist. Größter Produzent ist allerdings Kalifornien. Gut 80 Prozent der weltweiten Mandelproduktion kommen aus dem US-Staat. Gut 50% Prozent der dort geernteten Mandeln fallen auf die Sorte Nonrareil. Für den Anbau im heißen und regenarmen Kalifornien werden pro Mandel unfassbare 3,7 Liter Wasser verbraucht, was zusammen mit dem weiten Transportweg den Verzehr von kalifonischen Mandeln in Europa nicht gerade zu einem umweltschonenden Vergnügen macht. Das Wasser, das für die exportierten Mandeln pro Jahr von den kalifonischen Landwirten in einem Jahr verbraucht wird, könnte drei Jahre lang die Einwohner und die Industrie der Stadt Los Angeles versorgen. Durstiger ist nur die kalifornische Wallnuss. Unbeachtet des wahnwitzigen Wasserverbrauchs: Die Mandel steht hoch im Kurs, egal ob in der gesundheitsbewussten Ernährungsweise oder als Bestandteil in Schönheitsprodukten: Die Nachfrage nach Mandeln steigt stetig.

    Die Botanik

    Auch wenn die Mandeln Bestandteil vieler Nussmischungen sind; die Mandeln gehören nicht zu den Nussfrüchten. Der Mandelbaum (prunus dulce) ist ein Steinobstgewächs und naher Verwandter des Pfirsichs (prunus persica), der wie auch die etwas weiter verwandte Aprikose (prunus armeniaca) gelegentlich für Mandelsurrogate herhalten muss. Mandelbäume haben 7-10 cm lange Blätter, die länglich-lanzettlich bis eiförmig und lang zugespitzt sind. Von den Aprikosen mit ihren fast runden Blättern sind sie einfach zu unterscheiden, die Pfirsichblätter sind viel ähnlicher, allerdings etwas länger und nicht so lang zugespitzt. Der Mandelbaum wird bereits in der Capitulare de villis vel curtis imperii, der Landgüterverordnung Karls des Großen, in der Liste der Bäume als amandalarios geführt.

    Der Mandelbaum liebt Sonne, verträgt aber auch winterliche Temperaturen bis minus 20 Grad und überlebt auch in sehr trockenen Gegenden. Während der Blüte und der Fruchtreife ist Trockenheit sogar erwünscht. Allerdings reagiert der Mandelbaum auf allgemeinen Wassermangel mit Ausbildung von nur wenigen Früchten. Mit seine Blütezeit von Ende Januar bis Mitte April ist der Mandelbaum der Vorbote des Frühlings. Schon Friedrich Rückert dichtete:

    Blüte der Mandeln!
    Du fliegst dem Lenz voraus und streust im Winde
    Dich auf die Pfade, wo sein Fuß soll wandeln.

    In der Pfalz an der Deutschen Weinstraße feiert man in jedem Frühjahr die Mandelblüte, die dort ganze Allee in weiß und blassrosa einfärbt. Erntezeit ist dort im September, dort vorkommende Sorten haben wohlklingende Namen wie Perle der Weinstraße, Prinzessmandel oder Palatina.

    Man unterscheidet allgemein drei Arten der Mandel: die Süßmandeln (prunus dulcis var. dulcis), die Bittermandel (prunus dulcis var. amara) und die Krachmandel (prunus culcis var. fragilis).

    Süßmandeln und Bittermandeln sind äußerlich kaum bis gar nicht zu unterscheiden. Der Unterschied liegt im Gehalt des Amygdalin, das Pflanzengift cyanogene Glycoside. Das ebenfalls in Steinfrüchten enthaltene Enzymgemisch Emulsin spaltet beim Vorhandensein von Wasser (bei der Zubereitung oder Verdauung) das Amygdalin in Glucose, Benzaldehyd und Blausäure. Während Benzaldehyd für den typischen Bittermandelgeruch sorgt, verursacht die Blausäure eine Vergiftung. Sie hemmt die Zellatmung, besonders das Gehirn und der Herzmuskel reagieren darauf empfindlich. Die Blausäure führt zu Atemnot, Beklemmung, Verwirrung, Benommenheit, Bewusstlosigkeit, Blausicht, Krämpfe und schließlich Herz- und Atemstillstand. 125 mg Blausäure reichen aus, um einen erwachsenen Menschen zu töten. Das entspricht der Menge, die in ungefähr 50 g Bittermandeln, also circa 50 bis 60 Stück, vorhanden ist. Bei echtem Bittermandelöl reichen bereits 10 Tropfen. Bei Kindern ist es entsprechend weniger, ja nach Alter und Größe können 5 bis 10 Bittermandeln zum Tot führen.

    Süßmandeln enthalten so gut wie kein Amygdalin, allerdings können Süßmandelbäume bis zu 1% Bittermandeln ausbilden. Werden die Mandeln bei der Zubereitung erhitzt, wird allerdings die Blausäure zerstört.

    Im Vergleich mit den Süß- und Bittermandeln und deren harten Schalen zeichnet sich die Krachmandel durch die recht zerbrechlichen, eben leichter aufkrachende Ummantelung der Steinkerne aus. Blotz und Christ unterteilen in ihrer 1821 erschienenen Gartenkunst die Krachmandel ebenfalls in zwei Varianten: Die bittere und die süße Krachmandel.

    Ernährungswerte

    Nicht geröstete Mandeln enthalten knapp 50 Prozent Fett (mit einem guten Verhältnis von einfach und mehrfach ungesättigten Fettsäuren), 25 Prozent Kohlenhydrate und 20 % Eiweiß, daneben viel Vitamin B1, B2 und B6, aber unter anderem auch Flavonoide Phenolsäuren, Vitamin E und einiges mehr. Mandeln sind sehr nahrhaft, sollen aber cholesterin- und blutdrucksenkende Wirkung haben.

    Im Unterschied zu den anderen Prunus-Gewächsen lässt sich das Fruchtfleisch nicht essen, es verhärtet lederartig. Eine Ausnahme bilden die grünen Mandeln, auch Aprilmandeln genannt. Damit sind nicht Pistazien gemeint, die gelegentlich ebenfalls grüne Mandeln genannt werden. Es sind die unreifen Mandeln, die bereits im April geerntet und zubereitet werden. Im zweiten Band der Gartenkunst von 1821 ist ein detailliertes Rezept abgedruckt.

    Grüne Mandeln einzumachen

    Man macht in Frankreich die ganz jungen Früchte, ehe der Kern hart wir, folgender Gestalt ein: Fünf bis sechs Hände voll klar gesiebte Buchenasche wir mit Wasser gekocht, daß es eine starke, zwischen den Fingern fett anzufühlende, Lauge gibt. In diese thut und rührt man die Mandeln mit einem Schaumlöffel fleißig herum, daß sich die Asche nicht setzt. Wenn die weichen Haare von den Mandeln leicht abgehen, so nimmt man das Gefäß vom Feuer, reibt jede Mandel mit einem Tuche ab, und durchsticht sie an einigen Stellen mit einer Nadel, wirft sie in frisches Wasser, und setzt sie damit aufs Feuer, bis sie schäumen. Man deckt das Gefäß zu, damit sie grün werden. Nachdem sie kalt sind, fischt man sie mit einem Schaumlöffel heraus, oder gießt das Wasser durch einen Durchschlag ab, und schüttet die Mandeln in dünnen zerlassenen Zucker. Des folgenden Tages werden heraus genommen, und der Zucker gekocht, daß er drey bis vier Mahl aufwallet, dann werden die Mandeln wieder hinein gethan; dieß wiederhohlt man noch zwey Mahl, und wenn des Zuckers nicht genug seyn sollte, so nimmt man etwas frischen dazu.

    Wenn man am vierten Tage den Zucker fünf bis sechs Mahl aufgesotten hat, so läßt man die Mandeln so lange darin kochen, bis er am Löffel Perlen macht. Alsdann läßt man die Mandeln entweder auf einem Siebe abtropfen, wälzt sie in fein gestoßenen Zucker um, und trocknet sie vollends bey einem warmen Ofen; oder man thut sie in ein Gefäß, und gießt den genugsam verdickten Zucker darüber. 

    [J. F. Blotz / J. C. Christ]

    Nach dem Lesen des ausführlichen Rezept aus der Gartenkunst lassen sich auch die Rezepte aus dem Pfälzer Kochbuch der Anna Bergner besser verstehen:

    Grüne Mandeln

    Zutaten

    • 12 Pfd. (6kg) enthaarte unreife Mandeln mit Fruchtfleisch
    • 4 Pfund (2kg) Zucker
    • Wasser

    Anweisungen

    Lege grüne Mandeln die noch nicht ausgewachsen sind und sich mit einer Nadel leicht durchstechen lassen, in helle kochende Lauge und lasse sie so lange darin stehen, bis sich das Wollichte abstreichen läßt. Sie dürfen in dieser Lauge nicht kochen, sondern nur heiß und zuweilen herumgerührt werden. Dann stichele sie mit einer Nadel und koche sie im Wasser bis sie von der Nadel abfallen. Hierauf läutere auf 12 Pfd. Mandeln 4 Pfd. Zucker. koche sie darin 6 Minuten lang, lasse sie wieder in irdenen Geschirren steen und verfahre so 4 Mal, bis sie gut geworden sind; alsdann bewahre sie in Gläser, mit Blase zugebunden, auf.

    Grüne Mandeln in Branntwein aufzubewahren

    Anweisungen

    Verfahre wie oben, und wenn sie 3 Mal gekocht haben, so gieße de gehörige Quantität Branntwein hinzu und bewahre sie gut auf.

    Quelle: Anna Bergner: Pfälzisches Kochbuch, Mannheim 1858 [online auf Google Books]

    In Ländern wie der Türkei werden die Aprilmandeln auch für herzhafte Gemüse und Saucen verwendet.

    Mandelmilch und Mandelsirup

    Veganer, Laktose- und Milcheiweißintolerante schätzen pflanzliche Milchsurrogate und haben sie wieder populär gemacht. Sojamilch, Hafermilch und auch Mandelmilch füllen in den letzten Jahren selbst die Regale kleiner Dorfläden; kaum ein Café mehr, dass nicht zum Kaffee auch irgendeine laktosefreie Ersatzmilch anbietet. Und im Gegensatz zu Surrogaten aus Soja, darf die Mandelmilch auch weiterhin Milch bezeichnet werden, da die EU-Richtlinien historische Bezeichnungen traditioneller Lebensmittel weiterhin erlauben. Denn die Milch aus Mandeln war nur fast vergessen. Im Mittelalter gab es wohl kein Kochbuch ohne ein Rezept für Mandelmilch. Denn: Im Gegensatz zu tierischer Milch war Mandelmilch auch in der Fastenzeit erlaubt. Länger als gemolkene Milch lassen sich die ganzen Mandeln lagern, bis sie zur Mandelmilch verarbeitet werden; auch in heißeren Klimazonen. Sie ist ein Ausgangsprodukt für viele Speisen. Mit Mandelmilch lässt sich kochen und backen und erfrischende, manchmal auch stark nährende Getränke herstellen.

    Bereits Franz Grillparzer erwähnt in seiner Selbstbiographie, das Mandelmilch und Torte „eine starke Nebenbuhlerschaft mit dem geistigen Genusse“ der im großmütterlichen Hause aufgeführten Konversationsstücken darstellten.

    Im Handel sind gesüßte und ungesüßte Milchsurrogate aus Mandeln erhältlich, allerdings versetzt mit einer Vielzahl an Stabilisatoren, Emulgatoren und gelegentlich auch noch Aromen. Dabei ist die Herstellung von Mandelgetränken gar nicht schwierig. Die im 19. Jahrhundert sehr erfolgreiche Kochbuchautorin Wilhelmine Rührig listet gleich vier Rezepte in ihrem „Praktischen Frankfurter Kochbuch“ auf, und zeigt so die Varianten der Mandeltrünke von einer frischen, gesüßten Mandelmilch über eine Art Kondenzmandelmilch bis zu den Sirupen.

    Frische Mandelmilch

    Zutaten

    • 188 Gramm (12 Loth) Mandeln
    • 157 Gramm (10 Loth) fein gestoßener Zucker
    • 1 1/2 Liter (1 Maas) kaltes Wasser

    Anweisungen

    188 Gramm (12 Loth) Mandeln werden abgebrüht, geschält, so fein als möglich gestoßen und, erst nachdem dies geschehen, genau gewogen. Alsdann werden sie mit 157 Gramm (10 Loth) fein gestoßenem Zucker und 1 1/2 Liter (1 Maas) kaltem Wasser 4 bis 5 Stunden lang eingeweicht, hierauf durch ein feines starkes Tuch so fest als möglich ausgedrückt und zum Gebrauch in Flaschen gefüllt.

    Mandelmilch zum Aufbewahren

    Zutaten

    • 375 Gramm (3/4 Pf.) süße Mandeln
    • 48 Gramm (3 Loth) bittere Mandeln (lässt sich durch Bittermandelöl ersetzten)
    • 250 Gramm (1/2 Pfd.) fein gestoßener Zucker
    • 1 1/2 Liter (4 Schoppen) Wasser

    Anweisungen

    Um 1 1/8 Liter (3 Schoppen) Mandelmilch zu erhalten, brüht und schält man 375 Gramm (3/4 Pf.) süße und 48 Gramm (3 Loth) bittere Mandeln, stößt sie recht fein, nimmt dann 250 Gramm (1/2 Pfd.) fein gestoßenen Zucker daran, tut 1 1/2 Liter (4 Schoppen) Wasser hinzu, kocht dies unter beständigem Rühren 1/2 Stunden lang, preßt es nun durch ein reines Tuch und füllt es kalt in Flaschen, die man fest zukorkt und dann im Keller aufbewahrt. Will man nun Mandelmilch für den Gebrauch haben, nimmt man 3 bis 4 Esslöffel voll von dem Vorrath in eine Flasche und füllt sie mit frischem Brunnenwasser auf, dann ist sie sofort zum Trinken sehr gut.

    Mandelmilchsyrup
    Zutaten

    250 Gramm (1/2 Pf.) süße Mandeln
    63 Gramm (1/8 Pf.) bittere Mandeln (lässt sich durch Bittermandelöl ersetzten)

    etwas Zimt

    1/4 Liter (1/2 Schoppen) Wasser

    1/2 Kilo (1 Pf.) Zucker

    1/4 Liter (1/2 Schoppen) Wasser

    Anweisungen

    250 Gramm (1/2 Pf.) schöne süße und 63 Gramm (1/8 Pf.) bittere Mandeln werden durch Abbrühen geschält und mit etwas Zimmt und Wasser so fein als möglich gestoßen. Dann kommt weiter 1/4 Liter (1/2 Schoppen) Wasser daran, um es nochmals zu stoßen, worauf es durch ein feines Tuch gedrückt wird. Unterdeß läutert man 1/2 Kilo (1 Pf.) Zucker mit 1/4 Liter (1/2 Schoppen) Wasser unter gutem Schäumen und läßt ihn mit dem Mandelsaft kochen. Man wärmt dann eine Flasche auf Kohlen oder im Ofen, fühlt den Syrup heiß hinein, rüttelt ihn tüchtig um, verkorkt die Flasche gut und kann den Syrup so Jahrelang aufbewahren. Zum Genuß wird er nach Belieben mit Wasser verdünnt.

    Syrop d’orgeade

    Zutaten

    • 1/2 Kilo (1Pf.) süße Mandeln
    • 48 Gramm (3 Loth) bittere Mandeln (lässt sich durch Bittermandelöl ersetzten)
    • 1/2 Kilo (1 Pf.) feiner Zucker
    • 1/4 Liter (1/2 Schoppen) Wasser

    Anweisungen

    1/2 Kilo (1Pf.) süße und 48 Gramm (3 Loth) bittere Mandeln werden gebrüht, geschält und mit etwas Wasser oder Zucker recht fein gestoßen. Sodann wird 1/2 Kilo (1 Pf.) feiner Zucker mit 1/4 Liter (1/2 Schoppen) Wasser unter öfteren Umrühren so lange gekocht, bis, wenn man mit dem Zeigefinger ein wenig von dem Löffel streicht und mit Hülfe des Daumens auseinanderzieht, sich ein kleiner Faden bildet, der sogleich bricht und einen Tropfen auf dem Daumen zurückläßt. Alsdann müssen die gestoßenen Mandeln auf gelindem Feuer nach und nach darunter gerührt und alles noch warm durch ein leinenes Tuch gepreßt werden. Man füllt nach völligem Erkalten diesen Syrup in Flaschen, worin er sich sehr lange aufbewahren läßt. Besonders für Reisende ist dieser Syros sehr empfehlenswert, indem man sich auf die schnelle Weise durch Beimischung von Wasser einen sehr labenden Trank bereiten kann.

    Quelle: Wilhelmine Rührig: Praktisches Frankfurter Kochbuch, Frankfurt am Main 1877

    Mandelmilch enthält mehr Mandeln als Zucker und kommt in seiner puren Form sogar ganz ohne Süßung aus. So zum Beispiel bei Henri-Paul Pellaprat:

    Mandelmilch (Le lait d’amandes)

    Zutaten

    • 150 g frisch geschälte Mandeln
    • 3 dl kaltes Wasser (oder Milch)

    Anweisungen

    150 g frisch geschälte Mandeln ganz fein reiben und dabei nach und nach 3 dl kaltes Wasser hinzufügen um ein Öligwerden zu verhindern. Fest durch ein starkes, sauberes Tuch drücken, wobei die Flüssigkeit das Aussehen von Milch gewinnt. Man kann anstelle des Wassers auch Milch nehmen.

    Quelle: Henri-Paul Pellaprat: Die moderne französische Kochkunst, Lausanne 1963

    Ganz schnell lässt sich eine Mandelmilch aus Mandelmus herstellen, von dem ein bis zwei Löffel in einem Glas Wasser verrührt werden. Mandelmus entsteht, in dem Mandeln langsam und ausdauern immer feiner zerrieben werden. Nach einer Weile löst sich das Öl aus den Mandeln. Es gibt zwei Sorten: weißes Mandelmus aus blanchierten Mandeln und braunes Mandelmus aus gerösteten ungehäuteten Mandeln. Mit viel Geduld kann man Mandelmus auch zuhause herstellen. Dazu die Mandeln in einen Standmixer geben und ohne Zugabe von Wasser zerhacken. Immer wieder das Gerät ausschalten und lange Pausen machen, so dass sich weder das Gerät oder die Mandeln zu sehr erhitzen. In den Pausen die Mandelmasse mit einem Löffel oder Teigschaber nach unten drücken. Nach einer Weile sieht man auch hier das Öl austreten. Dieses Mus wird nicht ganz so fein wie das im Handeln erwerbbare.

    In den kalten Monaten empfiehlt sich folgendes Rezept aus dem Buch „Die Küche und ihre Jahreszeiten“, das die Frauenrechtlerin und Journalistin Barbara v. Treskow zusammen mit dem Berliner Musikkritiker und Librettist Dr. Erich Urban 1935 herausgegeben hat:

    Heiße Mandelmilch

    Zutaten

    • 250 g Mandeln
    • 1/4 Tasse Wasser
    • 3/4 Tasse Sahne

    Anweisungen

    250g Mandeln werden gebrüht, geschält und gemahlen. Dann gießt man 1/4 Tasse Wasser und 3/4 Tasse Sahne dazu, quirlt tüchtig und gießt die Mandelmilch durch ein Sieb. Man lässt sie mit 40g Zucker heiß werden.

    Quelle: Barbara v. Treskow / Dr. Erich Urban: „Die Küche und ihre Jahreszeiten“, Berlin 1935

    Zur Herstellung von Sirup benötigt man dagegen gleich viel oder mehr Zucker als Mandeln zur Herstellung. Im Handel erhältliches Orgeat besteht oft nur aus mit Bittermandelaroma versetztem Zuckersirup.

    Unter dem Namen Orgeat ist Mandelsirup als klassische Cocktailzutat in Bars weltweit bekannt. Der Name selbst weißt auf den Ursprung als Gerstenmilch oder -gebräu hin. Orge heißt die Gerste auf französisch, Orde auf Italienisch und die Mandelmilch Orzata. In Spanien lässt sich mit dem spanischen Wort für Gerste Cibada immer noch ein wohl bei den alten Römern bekanntes Gerstengetränk bestellen, während Horchata (siehe auch lat. Hordeum) meist eine Erdmandelmilch bezeichnet.

    Rund um das Mittelmeer ist Mandelmilch bekannt und als erfrischendes Getränk beliebt, gerne auch mit dem Zusatz von etwas Orangenblütenwasser, egal ob es nun Laban al Loz (Marokko), Rozata (Tunesien), Ruġġata (Malta, allerdings mit Bittermandeln und Vanille) oder Soumatha (Griechenland) heißt. Mit frischer Mandelmilch lassen sich auch sehr gut Milchshakes zubereiten, z.B. mit pürierter Banane. Für ein Laban al Loz empfiehlt sich, die Mandelmilch von Pellaprat mit 1-2 EL Orangenblütenwasser zu verrühren, für den Bananenmilchshake eine Banane mit einem Liter der Frischen Mandelmilch von Rührig im Blender pürieren.

    Vielerorts wird anstelle des Wassers auch Milch genommen, was schon Pellaprat erwähnte und zu einem gehaltvolleren Getränk führt.

    Etwas spritziger ist der alkoholfreie Cocktail Orgeat Fizz durch die Zugabe von Zitrone und Kohlensäure. Das folgende Rezept entstammt dem „Jahrhundert-Mixbuch“, das der ehemalige Barchef der Kronenhalle in Zürich Peter Roth und der Koch, Restaurantbesitzer und Kochbuchauthor Carlo Bernasconi 1999 veröffentlich haben.

    Orgeat Fizz

    Zutaten

    • 2 cl Zitronensaft
    • 2 cl Mandelsirup
    • Eiswürfel
    • Sodawasser

    Anweisungen

    2 cl Zitronensaft und 2 cl Mandelsirup im Shaker mit 3 bis 4 Eiswürfeln schütteln und durch das Barsieb in ein Longdrinkglas seihen. 3 bis 4 Eiswürfel dazugeben, mit Sodawasser auffüllen und umrühren.

    Quelle: Peter Roth / Carlo Bernasconi: Das Jahrhundert Mixbuch, Niedernhausen 1999

    Cocktails & Knabbereien 

    Mit dem Geschmack von Anis und Mandel ist La Mauresque („die Maurin“) ein exotischer Aperitif, der in und rund um Marseille sehr beliebt ist. Die Kriminalromane der Marseille-Trilogie von Jean-Claude Izzo haben das Getränk auch international bekannt gemacht. 

    La Mauresque

    Ein Teil Mandelsirup wird mit ein bis drei Teilen Pastis (im 18. Jahrhundert noch mit Absinth) in ein Glas über Eiswürfel gegeben und mit Wasser nach Geschmack aufgegossen.

    Einer der bekanntesten Cocktails mit Mandelaroma ist der Mai Tai. Dem „Jahrhundert Mixbuch“ von Peter Roth und Carlo Bernasconi lässt sich folgendes Rezept entnehmen.

    Mai Tai

    3 cl weißer Rum, 2 cl brauner Rum, 1 cl Curaçao Triple sec, 1,5 cl Mandelsirup und 1,5 cl Limettensaft im Shaker zusammen mit 3-4 Eiswürfeln schütteln. 2-3 EL zerstoßenes in einen Tumbler füllen. Den Drink durch das Barsieb in den Tumbler seihen. Den Glasrand mir 1 Stück Ananas, 1 Pfefferminzzweig und 1 Cocktailkirsche dekorieren. 

    Bill Kelly schreibt in seinem Buch „The Rowing Bartender folgendes Rezept: 

    Mai Tai (1946)

    1 Jigger weißer Rum, 1 Jigger goldener Rum, 1 Jigger brauner Rum, Saft einer Limette, 1 Spritzer Orgeatsirup, 1 Spritzer Kandiszuckersirup, 1 Spritzer Orange Curaçao. Gebe eine halbe Limettenschale mit den Zutaten in ein großes Old-Fashion-Glas (Tumbler), fülle es mit geschabtem Eis auf, garniere es mit 1 Minzzweig, 1 Stück Zuckerrohr, 1 Stück Ananas, 1 Vanda Orchideenblüte und zwei Strohhalmen. 

    Ein Jigger entspricht ungefähr 44 ml. 

    Wer Orgeat nicht kaufen möchte, kann für die drei vorgenannten Cocktails den Orgeat-Sirup von Wilhelmine Rührig zubereiten und verwenden. Bekannter als Orgeat ist der Likör Amaretto, mit seinem typischen Bittermandelgeschmack. Nur sind nicht in jedem Amaretto auch Mandeln drin. Meist wird aus Aprikosenkernen gewonnenes, sogenanntes Bittermandelöl bei der Herstellung verwendet.

    Amaretto lässt sich beim Kochen und Backen einsetzen. Ein Beispiel ist Tiramisu mit den mit Amaretto eingeweichten Löffelkeksen. Wenn nicht pur getrunken, kann Amaretto auch für Cocktails eingesetzt werden. In der Cocktail-Bibel „American Bar“ des bekannten Münchener Barkeepers Charles Schumann findet sich das folgende Rezept: 

    Amaretto Sour 

    2 cl Zitronensaft, 2 cl Orangensaft und 2 cl Amaretto im Shaker auf Eiswürfeln kräftig schütteln, in ein Sourglas abseihen und eine Stielkirsche dazugeben.

    Schumann empfindet eigentlich bei der Zubereitung eines Sours die Zugabe von Orangensaft als unnötig. Ein Sour besteht in der Regel nur aus frischgepresstem Zitronensaft, Zucker und namens- und geschmacksgebender Spirituose. Dennoch gibt er dem Amaretto Sour Orangensaft mit; eine klassische Aromapaarung, die bereits beim Laban al Loz zu finden ist.

    Was wäre eine Bar ohne die kleinen Schälchen mit Knabbereien? Diese kleinen Schälchen auf dem Bartresen bewahren die Gäste davor, gänzlich dem Alkohol ausgeliefert zu sein. Nobler als die weit verbreiteten, weil günstigen und stark Durst machenden, gerösteten Erdnüsse, sind mit ganzem oder halben Mandelkernen gefüllte grüne Oliven, oder die nicht weniger Durst machenden gerösteten Salz- oder Rauchmandeln.

    Für die Herstellung von Oliven mit Mandelkernen braucht man etwas Geduld: Grüne Oliven müssen einzeln entsteint und je nach Größe der Oliven mit ganzen oder halben Mandelkernen ohne Haut gefüllt werden. Wer sich die Mühe macht, wird bei sorgfältig ausgewählten Oliven und Mandeln, die man zuvor auch rösten und nach Belieben würzen kann, mit knackigerer Konsistenz und intensiverem Geschmack belohnt, als bei der gekauften Dosenware.

    Salzmandeln lassen sich dagegen einfach herstellen. Es gibt mehrere Varianten; zum einen die gerösteten enthäutete Mandeln mit oder ohne Eiweiß, wie die zwei folgenden Rezepte zeigen: 

    Salzmandeln (Amandes salées)

    Frisch geschälte Mandeln in einem Tuch gut abtrocknen. Eiweiß leicht durchschlagen, die Mandeln damit anfeuchten, auf ein starkes, etwas hohles Blech geben, mit feinem Salz bestreuen, etwas durchschütteln und in den schwach geheizten Ofen stellen usn, sobald sie anfangen sich zu verfärben, gut durchmischen. Sie sollten nur hellgelb sein. [Henri-Paul Pellaprat]

    Für 400g Mandeln reichen ein Eiweiß und ½ bis 1 TL Salz. 

    Salzmandeln ohne Eiweiß

    Für Salzmandeln ohne Eiweiß 200g Mandeln mit oder ohne 1 EL Öl in der Pfanne unter ständigem Wenden rösten und dann mit einer starken Salzlauge aus 125 ml Wasser und 1-2 TL Salz über die Mandeln gießen. Vorsicht vor Verbrühungen, da dabei viel heißer Dampf entsteht. Rühren bis das Wasser komplett verdampft ist und sich auf den Mandeln eine weiße Salzschicht abgelagert hat. Vom Herd nehmen und gegebenenfalls im Ofen bei geringer Hitze vollständig trocknen lassen.

    Man kann die Mandeln auch mit der braunen Schale rösten. 

    Geröstete Mandeln oder Rauchmandeln

    Zutaten

    • 200g ungeschälte Mandeln
    • Wasser zum Befeuchten
    • 1TL (Rauch-)Salz

    Anweisungen

    Die Mandeln in einem Haarsieb unter fließendem Wasser befeuchten, kurz abtropfen lassen, in eine Schüssel geben und mit dem Salz verrühren. Das ganz 30min stehen lassen.

    In einer stark erhitzten Pfanne mit hohem Rand und permanenten Rühren 10min rösten, danach die Herdplatte ausschalten und die Mandeln 5min weiter rühren. Anschließend abkühlen lassen.

    Wenn anstelle des Salzes Rauchsalz verwendet wird, also mit Raucharoma zugesetztem Salz, entstehen die derzeit so beliebten köstlichen Rauchmandeln.

    Es lassen sich auch andere Gewürze wie Chili oder Kräuter wie Rosmarin hinzufügen. Die meisten Gewürze sollten aber am Ende des Röstens zugeben werden, weil sie sonst verbrennen und bitter werden können.

    Seltener zu Cocktails sondern eher zu großen Bieren oder Glühwein knabbert man karamellisierte Mandeln, denn was wäre ein Jahrmarkt oder Weihnachtsmarkt ohne gebrannte Mandeln? 

    Geröstete Zuckermandeln

    Man nimmt zu 1/2 Kilo (1 Pd.) ungeschälten Mandeln 375 Gramm (24 Loth) fein gestoßenen Zucker, 16 Gramm (1 Loth) gestoßenen Zimmt, ein Weinglas frisches Brunnen- oder Rosenwasser, dies alls wird in eine Pfanne gethan und geröstet. Wenn die Mandeln Glanz bekommen und zu trocknen scheinen, schüttet man sie auf ein Blech und läßt sie völlig abtrocknen. 

    Die Zubereitung, wie sie Wilhemine Rührig in dem vorstehenden Rezept beschreibt, hat sich seit dem Mittelalter kaum verändert. Zimt und Vanille sind die klassischen Aromen, die den Gebrannten Mandeln zugesetzt werden. Unzählige Varianten mit gemahlen Gewürzen und Kräutern sind möglich, das Wasser lässt sich durch Säfte oder alkoholische Getränke ersetzen. Der mittlerweile eine Institution zu nennende Gebrannt-Mandel-Stand von Monika Eiserloh und ihrer Familie auf dem Frankfurter Weihnachtsmarkt bietet Mandeln mit über 50 verschiedenen Geschmacksrichtungen an. Hinzu kommt eine Gebrannte Mandel des Tages, deren Geschmackrepertoire von Kirsche und Rosmarin bis Leberwurst vieles, auch vermeintlich unmögliches umfassen kann.


    Literatur

    Giambattista Basile: Das Pentameron, 1634 in der Übersetzung von Felix Liebrecht, Leipzig 1979 [online auf Projekt Gutenberg]

    Johann Wilhelm Wolf: Deutsche Hausmärchen, Göttingen/Leipzig 1851 [online auf zeno.org]

    Anmerkungen

    Dieser Text entstand 2017 bei einem (gescheiterten) Buchprojekt. Die Arbeit war gemacht, und so wurde der Text sowohl auf meiner Webseite als auch (in Auszügen) auf Medium.com veröffentlicht. Im Juli 2026 wurde der Text überarbeitet und vervollständigt.

  • Wer denkt nicht vor allem an Hamburg, Bremen und Ostfriesland, wenn über Tee und dessen Geschichte in Deutschland gesprochen wird? Wer denkt da schon an Frankfurt am Main? Oder an die weit im Binnenland liegenden deutschen Städte, aus denen uns die ältesten Hinweise auf Tee in den sogenannten Apothekertaxen überliefert sind? Diese Städte liegen mit Ausnahme von Lübeck (dort wird Tee in der Taxe erstmals 1662 erwähnt) alle nicht am Meer: Dresden (1652), Nordhausen (1657), Ulm (1664) Leipzig (1669) und Erfurt (1690). Die älteste Erwähnung in den Apothekertaxen in Frankfurt am Main stammt erst aus dem Jahr 1716.[i] Doch der Teehandel in der Mainstadt lässt sich weiter zurückverfolgen. Viele norditalienische Kaufmannsfamilien hatten ihre Ursprünge als Transporteure und Händler von Zitrusfrüchten aber auch Gewürzen und Spezereien. Diese Waren brachten sie über die Alpen in die süddeutschen Städte. Sie reagierten schnell auf die Verlagerung des Seehandels von Venedig in die Niederlande. Familien wie die Guaitas oder Brentanos gründeten mit Familienzweigen Niederlassungen in Städten wie Amsterdam und Rotterdam. Zudem etablierten sie Verwandte auch in den Absatzstädten wie Frankfurt: Matthäo Guaita gründete mit seinem Bruder 1665 ein Handelsunternehmen in Frankfurt am Main. Ansässig war das Unternehmen im Nürnberger Hof, eine der besten Adressen in der Messestadt. In einer Zeitungsannonce bot Guaita bereits 1686 an erwähnter Adresse Tee in kleinen und großen Mengen zum Kauf an.[ii] Viele Händler nahmen die neuen warmen Getränke Tee, Kaffee und Schokolade in ihr Sortiment auf. Ebenso das heute meist nur als Bank bekannt Handelshaus Gebrüder Bethmann. Es entstand, als 1745 Philipp Bethmann die Handlung seines verstorbenen Onkels Jakob Adami übernahm, und 3 Jahre später seinen Bruder Simon Moritz mit ins Unternehmen holte. Bereits in Adamis Nachlass ist Tee als Lagerbestand verzeichnet. Auch wenn man sich mehr und mehr auf das Bankgeschäft konzentrierte, mit Tee handelten und spekulierten die Bethmanns bis ins 19. Jahrhundert. Bereits 1726 (manche Quellen nennen auch 1730) gründete der aus Dortmund stammende Handelsmann Heinrich Friedrich Schmidt in Frankfurt das erste Teehandelshaus, das später unter dem Namen Thee-Schmidt bekannt wurde. In den Teehandel stiegen auch Frankfurter jüdische Händler ein. Sie bekamen 1773 in mehreren Rechtsgutachten bescheinigt, dass das in der Stättigkeit geregelte Verbot für jüdische Kaufleute, mit Spezereien zu handeln, nicht für Tee, Kaffee und Zucker galt.

    Frankfurt am Main war in dieser Zeit Tee-Stadt: Preise der ausländischen Teeauktionen wurden regelmäßig in den Frankfurter Zeitungen veröffentlicht und der Tee stieg zu einem hochrangigen Gesellschaftsgetränk auf. Es wurde kaum noch eine Einladung ausgesprochen, bei der man nicht mit Tee regaliert wurde: Morgentee, Nachmittagstee, Abendbrottee — letzteres meist mit Butterbrot und Kartenspiel verbunden. Selbst die Bälle firmierten in der Zeit unter dem Begriff Tanztee.

    1821 (also zwei Jahre früher als gemeinhin bekannt) nahm Johann Tobias Ronnefeldt in der Frankfurter Altstadt seine Aktivitäten im Handel mit Tee und ostindischen Waren auf.[iii] Er reiste noch den Main und Rhein entlang, um nach Amsterdam, Rotterdam und dann über den Ärmelkanal auch nach London für den Einkauf seiner Waren zu gelangen. Frankfurter Teehändler dominierten den Teehandel im Süden der deutschen Staaten. Unter der Ägide der Witwe des Unternehmensgründers, Friederike Ronnefeldt fallen die Eröffnungen von „Niederlagen“; örtliche Händler in Städten wie Augsburg, Regensburg und München inserierten fleißig, dass sie Ronnefeldt-Tee in gleich hoher Qualität und zu gleich gefälligen Preisen wie in Frankfurt am Main anbieten.

    Die Firma Eduard Messmer Thee entstand unter der Leitung von Otto Messmer 1886 in Frankfurt als Filiale der 1856 eröffneten Kolonialwarenhandlung des namensgebenden und anteilhaltenden Vaters. Die Filiale konzentrierte sich ausschließlich auf den Teehandel und wurde bereits zwei Jahre darauf vom väterlichen Betrieb losgelöst.[iv] Zur Förderung des Absatzes ihrer Produkte ging die Firma neue Wege und ließ unter eigenem Namen und auf eigene Kosten in den verschiedenen Städten Annoncen schalten und nannte darin die lokalen Verkaufsstellen.

    Die Unternehmen waren natürlich Konkurrenten, doch in Notzeiten fand man zusammen. Eine solche Zeit voller Herausforderungen war die Zeit des Ersten Weltkriegs und die ersten Jahren danach. Mit dem immer länger dauernden Krieg verschlechterte sich die Versorgungslage. Wenn doch mal Lieferungen mit Tee durchkamen, hatte zunächst der Kriegsausschuss, die Reichsbehörde zur Versorgung des Militärs, bevorzugten Zugriff auf den Tee. So waren Tee-Surrogate gefragt. Die beiden Frankfurter Teehäuser Messmer und Ronnefeldt gründeten zusammen die Getränke Gesellschaft m.b.H., die einen koffeinhaltigen Beerenblätter-Tee unter dem Namen Stimula herstellte. Beteiligt an der Unternehmung war auch das Weinhandelshaus Bernhard Wiesengrund, aus dessen Besitzerfamilie Theodor W. Adorno stammte.[v]

    In dieser Zeit entstand auch der von ca. 1915 bis 1920 existierende Bund deutscher Teehändler mit Sitz in Frankfurt am Main, und damit erstmals eine reichsweite Vereinigung im deutschen Teehandel. 1. Vorsitzende war Eugen Schmidt-Scharff (Thee-Schmidt), 2. Vorsitzender der Berliner Teehändler Carl Johann Hoelting, Schriftführer Dr. Franz Drücker, ebenfalls aus Frankfurt. Alle drei nahmen 1917 an der Gründungsversammlung des Verbands des Deutschen Teehandels in Kassel teil. Der Bund deutscher Teehändler reklamierte für sich, die Hälfte aller deutschen Teehändler zu vertreten. 1915 betrieb der Bund intensive Lobbyarbeit gegen den Verkauf von Produkten ausländischer Teehandelshäuser in den Wagons und Speisewagen deutscher Bahnunternehmen.[vi] Am 8. April 1916 versammelte man sich in Frankfurt und beschloss einstimmig eine Resolution gegen die vollständige Beschlagnahmung des Tees durch den Kriegsausschuss.[vii] Man befürchtete die Schließung aller Teehandlungen und dadurch große Unruhe in der Bevölkerung.

    Eine weitere schwierige Zeit ließ Frankfurt zu einem Zentralpunkt für den deutschen Tee-Import werden. Nach dem Zweiten Weltkrieg war es den westdeutschen Teehäusern verboten, Handel mit ausländischen Unternehmen zu betreiben. Erwerben konnte man Tee nur von der in Frankfurt ansässigen Joint Export Import Agency (JEIA), die das alleinige Recht für Importe in und Exporte aus den westlichen Besatzungszonen besaß.

    Heute ist es in Frankfurt einsam um das Teehaus Ronnefeldt geworden. Das Unternehmen hält heute als letztes Mitglied im Deutschen Teeverband die Fahne hoch in Frankfurt, auch wenn man mittlerweile ein Bein im Norden in Worpswede stehen hat.

    Die weiteren drei Frankfurter Gründungsmitglieder desVerbands des deutschen Teehandels verschwanden nach und nach aus der Stadt. Thee-Schmidt wurde 1962 von Messmer übernommen, Messmer selbst kam 1990 zur Ostfriesischen Tee Gesellschaft. Bereits 1972 hatte die Gesellschaft auch die Frankfurter Firma Ernst Grosch Tee erworben. So hat die Ostfriesische Tee Gesellschaft mehrere Frankfurter „Wurzeln“ und trägt mit Messmer weiterhin eine Tee-Marke aus der Mainstadt in die Welt.

    Anmerkungen

    [i] Von Lippmann, Edmund O.: Geschichte des Zuckers, 2. Aufl., Heidelberg 1970

    [ii] Frankfurter Journal, Nr. 25, Frankfurt am Main 1686; zitiert nach Ulla Heise: Kaffee und Kaffeehaus. Eine Kulturgeschichte, Hildesheim 1987

    [iii] Benachrichtigung 1301 In: Frankfurter Ober-Postamts-Zeitung, Nr. 171, Frankfurt a.M. 20.06.1821

    [iv] Brief Otto Messmer an Fa. Ed. Messmer Nachf. GmbH vom 21.10.1932, Baden-Baden, Institut f. Stadtgeschichte Frankfurt a.M., S5/310

    [v] Brief Rudolf Ronnefeldt an die Handelskammer Frankfurt vom 22.12.1923, Institut für Stadtgeschichte Ffm, IHK 535

    [vi] Brief Bund deutscher Teehändler an die Königliche Handelskammer vom 25.03.1915, Institut für Stadtgeschichte Ffm, IHK 535

    [vii] Brief Bund deutscher Teehändler an die Handelskammer Frankfurt vom 12.04.1916, Institut für Stadtgeschichte Ffm, IHK 1336


    Dieser Text erschien erstmals in der Jubiläumsschrift des Deutschen Teeverbandes:

    Deutscher Teeverband: 100 Jahre Gemeinsam mit Leidenschaft für Tee. Der Deutsche Teeverband 1917–2017. Geschichte und Geschichten, Hamburg 2017

  • In diesem Text schreibe ich über, wie ein Tisch in verschiedenen Regionen und Zeit eindeckt wird oder wurde. Es werden die Fragen beantwortet: Wo gehören Geschirr, Besteck und Gläser in einem Gedeck hin? Wie unterscheiden sich die Eindeckungen in Deutschland, Österreich, Frankreich, Großbritannien und in den USA? Wie haben sich die Tafeleindeckungen über die Zeit verändert?

    Begriffe und Voraussetzungen

    Das Tischgedeck (auch: Kuvert, oder frz. Couvert) bezeichnet Dinge wie Besteck, Geschirr, Tischwäsche und Dekoration, die pro Teilnehmer eines Essens eindeckt werden und ausschließlich von dieser Person benutzt werden. Die Anzahl der Gedecke gibt die Anzahl der erwarteten Gäste wieder, was heute ein Abendessen mit 40 PAX (persons approximately/erwartete Personen) ist, nannte man früher ein Dîner mit 40 Couverts. Die Gesamtheit aller Dinge, also die Gedecke sowie weiteres Besteck, Geschirr, weitere Tischwäsche und Dekoration, die auf dem Tisch eingedeckt werden, nennt man Tafelarrangement.

    Regeln für das Eindecken von Esstischen sind nicht nur national unterschiedlich, auch Fachliteratur des jeweiligen Kulturkreise ist man sich nicht immer in allen Dingen einig. Ein Beispiel ist die Frage, viel Besteckteile vorher eingedeckt werden, oder wieviele Gläser. Allerdings hier nochmals der Hinweis: Die Tischgedeckregeln sind nicht Gesetz. Die einen beruhen auf nachvollziehbaren Gründen, andere sind ohne sachlichen Grund und somit willkürlich normiert. Abweichungen sind gelegentlich aus pragmatischen Gründen unabwendbar, manchmal sind sie dem Design des gedeckten Tisches geschuldet und zeigen die persönliche Handschrift des Gastgebers oder sind Teil des Unternehmens- und Service Designs.

    Um die nachvollgenden Erläuterungen klarer und verständlicher zu machen soll hier zunächst ein gedachtes, manchmal aber auch mit Maßstäben oder Fäden am Tisch visualisiertes Hilfsliniensystem eingeführt werden (siehe Abb. Gedeckausrichtung). Die wichtigste Linie ist die Grundlinie. Sie verläuft 1-2cm parallel zur Tischkante, an der der Gast Platz nimmt. An ihr werden Essgeschirr, Platzteller und Bestecke ausgerichtet. In der Mitte des Gedecks befindet sich das Centrum, das so breit und hoch wie der Platzteller oder der größte im Verlauf des Essens benutzte Teller ist. Als Hilfestellung kann ein quer gelegtes Tafelmesser dienen. Rechts vom Gedeckcentrum werden alle Besteckteile unten an der Grundlinie ausgerichtet. Auf der linken Seite orientiert sich das Besteck ebenfalls an der Grundlinie. Jedoch können die Vorspeisen- und Zwischenganggabeln gestaffelt aufgelegt werden. In diesem Fall werden sie anhand der Gabellinieausgerichtet, die parallel zur Grundlinie auf der Höhe der Zinkenenden der Hauptspeisengabel entlang läft. Mit Hilfe der Gabelinie werden auch die Brotteller ausgerichtet. Das Hauptspeisenmesser bildet die Grundlage für die Messerlinie. Zusammen mit der Kopflinie, die oberhalb des Gedeckcentrums die Stelle für das Dessert- oder Käsebesteck bestimmt, legt die Messerlinie den Punkt fest, an dem das Richtglas steht. Am Richtglas, das in den meisten Fällen das Hauptgangglas ist, orientieren sich alle weiteren Gläser.

    Ein Gedeck ist eine Sprache, die den Teilnehmern eines Essens mehr Informationen vermittelt, als die bloße Feststellung, dass sich vor ihnen Besteck, Geschirr und Tischwäsche befinden. Der Gastgeber teilt durch die Anordnung der einzelnen Gedeckbestandteile seinen Gästen mit, welches Besteck und Geschirr als nächstes genutzt werden soll, um welche Arten von Speisen und wieviele Gänge ungefähr zu erwarten sind, und aus welchem Kulturkreis der Veranstalter oder Gastgeber kommt. Diese Gedecksprache gehört zu den Zeichensytemen beim Essen (zu der auch die Bestecksprache gehört) mit der Gastgeber, Gäste und Servicepersonal Informationen austauschen können.

    Hilfsliniensystem für die Gedeckausrichtung

    Grundregeln

    Ein Gedeck sind die auf einem Tisch oder einem Tablett eingedeckte Tafelgeräte für eine Person.

    Beim Eindecken können Löffel und Gabeln mit der Spitze bzw. mit den Zinkenspitzen entweder nach oben oder nach unten eingedeckt werden. Werden Löffel und Gabel mit der Wölbung der Kelle (oder Laffe) nach oben eingedeckt, nennt man das „à la mode française“ (im amerikanischen auch „continental style“ genannt), andersherum, mit der Wölbung nach unten, nennt man es  „à la mode anglaise“ (im amerikanischen auch „Amerikan style“). Die Eindeckung „à la mode française“ war bis ins 19. Jahrhundert an fast allen europäischen Adelshöfen zu finden. Heutzutage sieht man die „umgedrehten“ Löffel und Gabeln noch gelegentlich in der gehobenen Gastronomie in Frankreich, sowie bei Staatsbanketten in Luxemburg, Östereich, Dänemark, Schweden und Norwegen.

    Löffel für Suppen

    Die Wahl des Löffels für eine Suppe richtet sich nach dem verwendeten Gefäß, in dem die Suppe serviert wird. Wird die Suppe in einem Suppenteller serviert, wird der Suppenlöffel eingedeckt, kommt die Suppe in einer Suppentasse mit Untertasse, wird ein Tassenlöffel eingedeckt oder auf der Untertasse angelegt. In jedem Fall auf der Unteren angelegt wird der Kaffeelöffel bei Spezialsuppen, die in einer kleineren einhenkeligen Tasse serviert werden. Der Henkel sollte nach rechtsweisen, in manchen Gastronomischen Betrieben wird er nach links weisend eingedeckt. Hinter beiden Versionen steckt ein unterschiedlicher Gedanke. Mit dem Henkel nach links eingedeckt soll es dem Gast ermöglicht werden, die Tasse mit der linken Hand zu kippen, um den Rest der Suppe besser auslöffeln zu können. Mit dem Henkel nach rechts soll dies und das damit verbundene Klappern vermieden werden; der Gast soll den Rest direkt aus der Tasse trinken.

    Erweitertes Gedeck

    Besteckanordnung bei mehreren Gängen

    Anordnung von Trinkgefäßen

    Der Platz für die Gefäße ist rechts oberhalb (beim Französischen Gedeck oberhalb) des Gedeckcentrums. Bei der Anordnung der Trinkgefäße (Kelche, Becher und Tassen) ist man freier als bei der Anordnung von Besteck. Bedingt durch unterschiedliche Tischbreiten und -tiefen, unterschiedlicher Tafeldekoration etc. lassen sich Eindeckregeln bei den Trinkgefäßen nicht starr fixieren. Einige Grundsätze sollte man aber beachten:

    • Die Trinkgefäße werden in der Reihenfolge des Einschenkens und Gebrauchs eingedeckt. Da der Service in der Regel von links passiert, ist die Reihenfolge von rechts / rechts unten nach links / links oben.
    • Die Trinkgefäße werden in der Reihenfolge ihrer Größe bzw. Höhe aufgestellt, um auch die hinteren Gefäße erreichen zu können.

    Gerade die letzte Regel wird gerne vergessen. Da aber in der heutigen Zeit das Wasserglas unverzichtbarer Bestandteil des Mittags- oder Abendgedeckes ist, und dieses durch alle Gänge benutzt wird, lässt sich der erste Grundsatz nicht immer einhalten. Deshalb steht im Französischen Gedeck das Wasserglas (stets das größte Glas) ganz links.

    Eindecken des Brotteller und des Butterstreichers

    Die Position des Brottellers ist eigentlich links oberhalb des Gedeckcentrums (in der Grafik mit A markiert). In Deutschland gibt es alternative Möglichkeiten ihn auf der linken Seite unten, mittig oder oben am Gedeckzentrum auszurichten (B1 bis B3).

    Die unpraktischste Position des Brottellers ist unten an der Grundlinie (B3). Dort macht er das Ablegen des Handgelenks unmöglich und für die Serviette ist während einer kurzen Abwesenheit ebenfalls kein Platz. Die Position entstand vermutlich bei der übermässigen Belegung von runden Tischen bei Banketten. Durch diese unelegant gequetschte Tischordnung wandert der Brotteller zwangsläufig immer weiter zur Grundlinie. Deshalb gilt, je weiter oben der Brotteller steht, um so besser.

    Das Brotmesser bzw. der Butterstreicher ist das einzige Besteckteil, das bei der klassischen Eindeckung eines Couverts für ein Mittagessen oder Abendessen auf einem Geschirrteil liegt und nicht daneben direkt auf dem Tisch. Gängig sind die deutsche (d), englische (e1) und amerikanische Variante (a) der Positionierung auf dem Teller. Nur bei Staatsbanketten in den königlichen Speisesälen in Großbritanien wird der Butterstreicher quer oberhalb des Brottellers direkt auf dem Tisch liegend eingedeckt (e2).

    Tischdeck-Komparatistik

    Deutsches Gedeck oder Internationales Gedeck

    Einfaches oder kontinentales Frühstücksgedeck
    Im Gedeckcentrum steht der Frühstücksteller mit der Mundserviette (meist in Dreiecksform gebrochen) oben auf. Links davon an der Eierbecher mit Unterteller und Eierlöffel, rechtsoben die Kaffee- oder Teetasse mit Untere und Tee- oder Kaffeelöffel. Rechts des Tellers wird das (Frühstücks- oder Brötchen-)Messer eingedeckt. Bei einem einzelnen Gast gehören auch die Menagen für Zucker, Salz und Pfeffer dazu. Gefäße Milch oder Sahne, Konfitüren, Butter und Gebäck werden erst nach dem Erscheinen des Gastes oberhalb des Gedeckes, Gefäße für Kaffee, Schokolade oder Tee rechts oberhalb frisch eingedeckt. Sollte es der Ablauf erlauben wird nur die Untertasse vorab eingesetzt, die gewärmte Tasse zusammen mit dem Kännchen eingedeckt.

    Erweitertes Frühstücksgedeck
    Bei einem umfangreicheren Frühstück, serviert oder am Buffet, befindet sich im Gedeckcentrum ein großer Teller, der Frühstücksteller steht auf der Brottellerposition, ein Eierbecher mit Unterteller links oberhalb des Centrums. Eingedeckt werden links und rechts Mittelgabel und Mittelmesser, eventuell zusätzlich ein Frühstücks-, Brötchen- oder Mittelmesser rechts auf dem Frühstücksteller.

    Standardgedeck

    Häusliches Gedeck in Deutschland 1930
    nach Emma Allestein, Das Kochbuch für die deutsche Küche / Das bürgerliche Kochbuch – Das Handbuch für jede Hausfrau und Köchin, unentbehrlich für Anfängerinnen in der Kochkunst, 33. Auflage, Gera 1930

    Im Gedeckcentrum der Speiseteller mit der Mundserviette darauf eingedeckt. Rechts vom Teller liegen (von links nach rechts) Messer, Gabel und Löffel, links vom Teller das Vorspeisebesteck. Oberhalb des Tellers wird schräg der Kompottlöffel, die benötigten Gläser rechts darüber, die Kompott- oder Salatschale links darüber eingedeckt

    Deutsches Kaisergedeck

    Eine Fotografie von 1899 aus dem Esssalon der SMY Hohenzollern zeigt eine festlich gedeckte Tafel während einer Englandreise des deutschen Kaiserpaares. Die Serviette ist einfach quadratisch gefaltet und enthält das Tafelgebäck.

    Auf Fotografien aus dem Exilsitzes des letzten deutschen Kaisers, Haus Doorn in den Niederlanden, ist eine etwas reduzierter gedeckte Tafel zu erkennen. Die Grafik zeigt das Gedeck des Hausherren mit der zusätzlichen Tischglocke. Zudem war anstelle der normalen Tafelgabel für den Exmonarchen die sogenannte „Kaisergabel“ eingedeckt, die ähnlich wie eine Kuchengabel mit verstärkten linken Zinke mit Schneide versehen war. Mit ihr konnte Wilhelm II., der aufgrund einer Geburtskomplikation den linken Arm kaum bewegen konnte, allein mit der rechten Hand speisen. Das eingedeckte Messer nutzte er nicht.

    Das französische Gedeck

    Eine Besonderheit in Frankreich ist die Eindeckung von Gabel und Löffel „à la mode française„: Gabeln und Löffel werden andersherum eingedeckt, d.h. die Gabelzinken und die Löffelspitze liegen auf dem Tisch, oder andersherum gesprochen, die Gabel- und Löffelrücken zeigen nach oben. Auch wenn man in Frankreich oft die international gängigere Variante („à la mode anglaise„) sieht, die französiche Methode war einmal stilprägend; auch heute noch deckt man in Dänemark, Schweden und Lusemburg bei Festivitäten in den Adelshäusern à la mode française, ebenso am kaiserlich Hof in Österreich bis 1917, was bis heute bei Staatsdîners der Republik Österreich fortgeführt wird (siehe Abschnitt „Das österreichische Gedeck). Auch in England deckte man im französische Stil, allerdings wurde in der viktorianischen Epoche das Besteckeindecken modifiziert. Die Gabel wurde „à la mode française“ eingedeckt, die Gabel „à la mode anglaise“: nennen wir es „à la mode victorienne„. Am englischen Hof wechselte man ab circa 1914/15 in die heute international üblichere Variante.

    Das französische Frühstücksgedeck (Le couvert du petit déjeuner)
    Im Gedeckcentrum wird eine große Kaffeetasse oder Kaffeeschale mit Untertasse eingedeckt. Rechts liegen von links nach rechts ein (Frühstücks-)Messer und ein Mittellöffel oder Kaffeelöffel à la mode française. Oben links steht ein Frühstücksteller.
    [Zeichnung folgt.]

    Das formele französische Gedeck (Le couvert du dîner protocolaire) 
    Als Beispiel dient ein Viergangmenü mit Suppe, Hauptgang, Käse und Dessert. Im Gedeckcentrum steht der Platzteller, rechts davon liegen von links nach rechts das Hauptspeisenmesser und der Suppenlöffel, rechts davon die Hauptspeisengabel, oberhalb davon von unten nach oben die Dessertgabel und der Dessertlöffel, dann das Käsemesser. Über dem Käsemesser stehen mittig ausgerichtet in einer Querlinie die Gläser: (von links nach rechts) das Wasserglas, das (Rot-)Weinglas für die Hauptspeise und das (Weiß-)Weinglas für die Vorspeise. Ein mögliches Sekt- oder Südweinglas für das Dessert würde links neben dem Wasserglas, ein Aperitivglas rechts neben dem Glas für den ersten Gang stehen.

    Englisches Gedeck

    Formales Gedeck
    Eine Besonderheit im anglo-amerikanischen Raum ist die Möglichkeit, das Dessertbesteck ebenfalls rechts und links vom Teller eingereiht in die Speisenabfolge einzudecken. Der Platz oberhalb des Tellers bleibt also frei. Eigentlich hat die allgemein gebräuchliche Regel, das Besteck von außen nach innen zu benutzen, nur hier wirklich Geltung.

    Das Einsortieren des Dessertbestecks ist allerdings eine Kann-Regel. Die International bekannte Variante, es oberhalb einzudecken, ist ebenfalls möglich.

    Englisches Staatsgedeck
    Bei Staatsbanketten wird etwas abweichend eingedeckt. Das Buttermesser wird nicht auf den Teller gelegt, sondern quer oberhalb direkt auf den Tisch oder die Tischdecke (bei Banketten in Schloss Windsor wird auf den blank polierten Holztisch ohne Decke eingedeckt). Darüber steht ein kleines Glasgefäß mit der Butter (b). Der Gläserblock besteht aus sechs (sic!) Gläsern, die bis auf das Schaumweinglas, das Toastglas, ganz rechts bis zum Schluss auf dem Tisch verbleiben. Das Toastglas wird nach dem Toastausspruch abgeräumt, an seine Stelle wird zum letzten Gang, dem Obstgang, das Portweinglas gerückt.

    Altes Staatsgedeck
    Auf Fotografien um 1900 kann man erkennen, das die Gabeln „à la mode française“ eingedeckt wurden, die Löffel allerdings nicht („à la mode victorienne“; siehe auch -> Französisches Gedeck). Vermutlich übernahm man wie an fast allen Ländern, einhergehend mit der Verbreitung der französischen Küche auch das französische Gedeck, passte es aber den englischen Essgewohnheiten an; Groß-Britanien wird beim Essen die Gabel mit dem Rücken nach oben benutzt.

    Teegedeck
    Folgt.

    Amerikanisches Gedeck

    Die Unterschiede zum englischen Gedeck sind minimal. Einzig der Brotteller und das dazugehörige Messer sind anders plaziert. Der Brotteller steht oben links, und der Butterstreicher wird diagonal eingedeckt. Dabei weist die Scheide nach links unten.

    Österreichisches Gedeck

    Das Standardgedeck

    Häusliches Gedeck 1914
    nach Rosa Karolina Neuwirth, Die gute österreichische Küche (Neue Auflage des „Salzburger Kochbuches“) für den sparsamen und feineren Haushalt, Salzburg 1914
    Im Gedeckcentrum wird  von unten nach oben Speiseteller, Suppenteller und Mundserviette eingedeckt. Rechts davon steht das Esszeugrastel (Besteckunterlage), darauf liegen von links nach rechts Gabel, Messer und Löffel. Oben links zur Mitte hin stehen drei Gläser: Wasserglas, Weinglas und Sektschale.
    [Zeichnung folgt.]

    Staatsgedeck

    Altes Staatsgedeck vor 1916

  • Die Bereitung von Tee ist eine kunstvolle Beschäftigung. Im Gegensatz zum Kaffee ist je nach Teeart und -sorte zu bedenken, wie heiß die Temperatur des Wassers und wie lange diesem die Teeblätter ausgesetzt sein sollen. Zudem muss man dem Tee Raum geben, nur ungern lässt er sich in Teeeier oder -beutel zwängen. Am Liebsten entfaltet er sich im vollem Volumen des Wassers, der ganzen Kanne oder Tasse. Doch im Alltag steht die optimale Geschmacksentfaltung mit der praktischen, simplen Handhabung im Zwist. Dieser Widerstreit hat so manchen teeliebenden Erfindergeist beflügelt.

    Hayward-Patent GB190010944 von 1900: “An Improved Teapot: 10,944. Hayward, A. J. June 16. Tea-pots.-The tea-pot is provided with two bases c, d, and a perforated partition b. Tea is placed in the space a, and, when infusion has taken place for a sufficiently long time, the pot is placed on the base c with the tea-leaves clear of the liquid.’

    Ein Produktkind solchen Geistes ist die Kippkanne, auch unter den Namen Patentkanne, Sparkanne, Dundonald-Kanne oder S.Y.P. (simply yet perfect) Teapot bekannt. Gemeint sind Teekannen aus Keramik, Metall oder Glas mit zwei Kammern, die durch ein Sieb von einander getrennt sind. In zwei bis drei Positionen vollzieht sie die Stadien der Teezubereitung, ohne ein Sieb oder einen Beutel tropfend entnehmen oder das fertige Heißgetränk durch ein Sieb in eine zweite Kanne von den Blättern abgiesen zu müssen. Auf dem Rücken liegend füllt man den losen Tee in die Kammer direkt an der Öffnung, gibt das Wasser hinzu, das sich sofort in beiden Kammern ausbreitet und den Tee umspült. Ist die Ziehzeit zu Ende, wird die Kanne halb aufgestellt, das Wasser läuft aus der Teekammer langsam ab, ohne dass die Blätter über die Siebbarriere gespült werden. Kannen, in denen die Kammern komplett getrennt sind, überspringen diesen Schritt. Im letzten Stadium wird die Kanne vollends aufgestellt und ist bereit zum Einschenken des Tees in die Tassen.

    Erfunden – und patentiert – wurde diese famose Kanne in Großbritanien, und beides gleich zweimal. Auch wenn man sie meist mit dem schottischen Adeligen Dundonald in Verbindung bringt, ist eine solche Kippkanne bereits 1900 von einem Herren John Alfred Hayward zum Patent angemeldet worden. Der Erfolg und die Serienproduktion scheinen ausgeblieben zu sein.

    1905 meldet Douglas Cochrane, 12. Earl of Dundonald ebenfalls eine Kippkanne zum Patent an. Der Unterschied liegt im Deckel, der nun die Kammern komplett von einander abtrennt, was ein schnelleres Aufrichten der Kanne ermöglicht. Die Teeblätter können in keinster Weise in die zweite Kammer gelangen. Der Earl war ein vielgereister Mann der Militärs, und auf Reisen sind die Briten pragmatisch; Cochranes Patentanmeldung weist die Kanne für die Zubereitung von Tee und Kaffee (sic!) aus. Auf Reisen eine Kanne für beides! Gelegentlich nimmt der britische Pragmatismus Züge an, die man im Englischen honett mit „interesting“ kommentieren würde. Wie weit es gelegentlich her ist mit der Teekultur im angeblichen Mutterland der Teetrinker zeigt ja auch der runde Teebeutel ohne Faden; der nicht rückholbar in der Teetasse versenkt wird wie ein abgeklapptes Fass im atomaren Endlager. Es ensteht ein Tee, den man von Kaffee kaum noch unterscheiden kann, die Zufügung von Milch und Zucker quasi erzwingt. Deshalb scheint die Benutzung der Kippkanne für beides, Tee und Kaffee, aus englischer Sicht kein Tabu zu sein.

    Dundonald-Patent GB190101926 von 1901: „An Improvement in Tea and Coffee Pots: 1926. Dundonald, D. M. B. H. Cochrane, Earl of. Jan. 28. Tea and coffee making apparatus. -A pot for use in making tea or coffee or forheating liquids, is constructed to stand eitber on its end or its bottom. A perforated receptacle a is provided for the tea &c. When the matter has been sufficiently infused, the pot is stood on its bottom, so that the tea &c. is clear of the liquid. In a modification, the receptacle a is replaced by a perforated cylinder. The Provisional Specification also states that two perforated compartments may be provided, a fine-meshed one for tea, and a coarsemeshed one for coffee.“

    Die Kanne von 1905, ist eigentlich nicht Dundonalds erste Kippkanne. Ein eingereichtes Patent von 1901 ist eine wahre Wundermaschine: Tee- und Kaffekanne sowie Wasserkessel in einem. Aufrechtstehend mit Wasser gefüllt, soll sie auf den Herd stellbar sein, wenn das Wasser kocht, wird die Kanne auf den Rücken gelegt und das wasser kann in eine zweite Kammer oder ein eingeschobenes Sieb fließen. Um die Ziehzeit zu unterbrechen, wird die Kanne wieder aufrecht gestellt, und das fertige Getränk kann ausgeschänkt werden. Diese Kanne hat es allerdings nicht zur Serienreife geschafft.

    Seine Kanne von 1905 kam indess sehr bald auf den Markt. Der Earl von Dundonald war, vielleicht auch wegen seiner Bekanntheit und seines noblen Titels, besser als Hayward in der Vermarktung. Zunächst werden die Kannen aus Keramik hergestellt und mit dem Stempel „Trademark Patent S.Y.P. Teapot Chiswick London“ versehen auf den Markt gebracht. Wo Sie wirklich produziert wurden, lässt sich daraus nicht ableiten. Vielleicht in Asien, vielleicht aber bereits bei Wegdwood, die später diese Kanne Jahrzehnte lang produzierten. Gelegentlich wurde die Kanne auch in Silber oder Bronze ausgeführt, in Silber zum Beispiel von James Dixon & Sons aus Sheffield.

    Dundonald-Patent GB190518278 von 1905: „An Improvement in Tea and Coffee Pots: 18,278. Dundonald, D. M. B. H. Cochrane, Earl of. Sept. 9. Teapots; coffee-pots. – Teapots or coffee-pots as described in Specification No. 1926, A.D. 1901, are formed with a hollow top d, which with a tray t forms a receptacle for the tea &c. The pot is closed by a lid l, with a partition l for closing the infusion-chamber. The second base is formed by the handle h and projections p. A hinged flap attached to the top of the pot may replace the partition l, and the tray t may incline upwards and outwards.“

    Auch in anderen Ländern interessierte man sich für diese Kanne. In Norwegen zum Beispiel ließ der Gewürz- und Teeimporteur Olaf Ellingsen die Kippkanne für sich produzieren. In Deutschland stellte lange Zeit die Firma Rosenthal diese Kanne her, vor allem für das FrankfurterTeehaus Ronnefeldt, weshalb gelegentlich auch von der Ronnefeldtkanne gesprochen wird. In Deutschland hat und hatte die Kippkanne ihre Anhängerschaft, so produzierte auch Jenaer Glas Anfang diesen Jahrhunderts eine Glasteekanne Namens Globo mit ähnlichen Prinzip. Im Deckel, der allerdings aus schwarzem Plastik bestand, war ein Sieb integriert, das sich nach dem Aufstellen oberhalb des Wasserniveaus befand. Das herausnehmbare Sieb vereinfachte zwar die bei anderen Kippkannen etwas mühsame Säuberung, war aber leider viel zu klein geraten. Richtig Raum zun Entfalten hatte der Tee nicht.

    Heute gibt es noch zwei Anbieter in Deutschland. Ronnefeldt verkauft weiterhin die Kippkanne, allerdings in einer abgewandelten Form, die in China produziert wird. Der nun runde Deckel schließt nicht mehr komplett die Teekammer ab. Das in Kiel ansässige Teehandelshaus Die Teekiste hat mehrere Jahre an der Kippkanne geforscht, die sie zunächst in Metall fertigen ließen, was sie nun leider nicht mehr weiterführen. Aus Porzellan wird sie in Meissen für die Teekiste aber weiterhin hergestellt. Der Österreichische Versandhändler Biber Umweltprodukte hat ebenfalls eine Kippkanne im Angebot, die in Sachsen-Anhalt produziert wird.

    Es gibt auch eine Kipptasse. Die in Finnland von den Designer Laura Bougdanos und Vesa Jaasko entwickelte Tasse, die es unter dem Namen tipcup oder Magisso Teeschale zukaufen gibt, funktiniert ebenfalls mit der Zwei-Kammer-Methode. Praktisch für die kleine Portion mit schwungvollem Design, das 2011 mit dem reddot-Award ausgezeichnet wurde. Die Tasse wurde zunächst aus Kunststoff gefertigt, ist nun aber auch in Glas und Porzellan erhältlich. Denn wer will schon Tee aus der Plastiktasse trinken?

  • Gemäß dem Eintrag im Deutschen Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm bezeichnet Tafelbrot feines weiszes brot für die herrentafel, also Baguette, Brioche oder anderes Gebäck, das für würdig befunden wurde, auf einer hochherrschaftlichen Tafel verspeist zu werden. Es ließ sich aber auch für andere Zwecke nutzen; die Handhabung und der Genuss wurden einigen Regel unterworfen.

    In diesem Text versuche ich die folgenden Fragen zu beantworten: Welche Funktionen erfüllt das Brot am Esstisch? Muss ich das Brot brechen, oder kann ich es schneiden? Darf ich das Brot zum Auftunken der Soße benutzen?

    Brot als Teller

    Der Brotteller, auf dem Brot zu liegen kommt, ist eine recht junge Erfindung, die sich nicht in allen, auch nicht in allen höheren oder höfischen Kreisen durchgesetzt hat. Viel länger liegt die Verwendung des Brotes als Essunterlage zurück. Bevor Holzbretter, Metall- oder gar Keramikteller im allgemeinen Gebrauch waren, diente im Mittelalter eine Scheibe Brot als Ablage für Bratenstücke, die man mit dem Messer oder Löffel aus den Schüsseln fischte. Bratensaft und Soße wurden vom Brot aufgesaugt, statt komplett in der Tischdecke (sofern es eine gab) zu verschwinden. Man konnte es anschließend selbst aufessen, seinen Bediensteten zum Verzehr überlassen oder in den Almosenkorb werfen, dessen Inhalt dann an die Bettler der Umgebung verteilt wurde.

    Tischbrot

    Erst Ende des 19. Jahrhundert kommt langsam der Brotteller auf, wie wir ihn heute noch kennen. Gibt es keinen Brotteller liegt das Brötchen, Hörnchen, Kipferl oder ähnliches Gebäck auf oder in der gefalteten Serviette. Vor dem Entfalten legt man es links neben das Gedeck direkt auf die Tischdecke. Das erklärt auch, warum Brot nicht mit dem Messer geschnitten, sondern mit den Händen gebrochen wird. Ohne unterliegenden Teller würde man beim Schneiden des Brotes mit dem Messer die Tischdecke beschädigen. Und die Regel, dass man nur das kleine abgebrochene Stückchen und nicht das ganze Gebäckstück mit Butter bestreicht, verhindert Fettflecken auf dem Tafeltuch.

    Brot als Besteckersatz

    Viel länger als der Einsatz als Tellerersatz hielt sich das Benutzen von Brot als Besteckersatz. Die Hochetikette von heute rät davon allerdings ab und degradiert das Tafelbrot zur reinen Sättigungsbeilage, die nur mit Butter oder Dip gegessen werden darf. Dabei ist ein Stückchen Brot ein wahres Multifunktionswerkzeug.

    In einigen Kreisen wird Salat ausschließlich mit der Gabel gegessen. Unterstützend kann man beim Klappen und Aufspießen der Salatblätter mit der Gabel in die andere Hand ein Stückchen Gebäck nehmen, was oftmals viel effektiver ist, als diese Aufgabe mit dem Messer bewältigen zu wollen. Bei Fischessen kann Brot das Fischmesser ersetzen, sofern es sich um einen ganzen Fisch handelt, den es von den Gräten zu befreien gilt. Mit dem Stückchen Brot lässt sich das Fischfleisch einfach von den Gräten schieben. Ein normales Messer birgt die Gefahr, dass mit der scharfen Schneide die Gräten zerschnitten und von der Wirbelsäule getrennt werden. Passiert dies, lassen sich die Gräten nur noch sehr schwer vom Fleisch separieren. Deshalb nutzt man besser ein Fischmesser, einen Gourmetlöffel oder eine zweite Gabel zum Essen eines solchen Fischgerichts. Oder eben ein Stück Brot.

    Apropos Gourmetlöffel, der angeblich 1950 im Pariser Restaurant Lasserre erfunden wurde. Mit seiner sehr flachen Laffe lassen sich auf einem flachen Teller Soßen und Suds gut aufnehmen. Doch trotz Beschwörung und Verehrung durch die Etikettetrainergilde, bei gleichzeitiger Verpönung des Brottunkens, ist diese Art von Löffel auch in der gehobenen Gastronomie nicht überall anzutreffen. In weniger formellen Situationen ist das Tunken allerdings gängig. Dabei sollte man aber wirklich nur tunken, nicht großflächig wischen. Das restlose Aufnehmen der Soße ist auf ein Zollen von Respekt dem Küchenteam gegenüber. Gute Soßen haben eine lange Zubereitungszeit und sind voll der guten Aromen. Im Italienischen gibt es sogar einen eigenen Ausdruck für das Auswischen des Tellers mit Brot: Fare la scarpetta („das Schühchen machen“).

    Doch auch zu kleinen Reinigungen lässt sich Brot heranziehen, was allerdings mit den gefallenden Preisen für Besteck und der Verbreitung von Spülmaschinen sich vermeintlich erübrigt hat. Noch 1904 schrieb Eustachius Graf Pilati von Thassul zu Daxberg in seinen „Etikette-Plaudereien“:

    „Beobachtet man, daß die Gastgeber das Besteck nach dem Gebrauch neben den Teller legen, so macht man dies eben mit, wenn man befürchten muß, die Wirte sonst in Verlegenheit zu setzen, indem man ihnen den Mangel an Messerbänkchen oder an genügendem Besteck zum Wechseln desselben fühlbar macht. Um das Tischtuch zu schonen, wird man dann eben das Besteck, bevor man es niederlegt, schnell und unauffällig an einem Stückchen Brot, das man nachher auf den Teller legt, einmal abreiben oder auch möglichst geräuschlos Messer und Gabel gegen einander reiben, aber niemals am Tellerrande abstreifen, wenn man Wert auf gute Formen legt.“ 

    Das Erinnern dieser Regel und deren allgemeine Akzeptanz könnten helfen, Buffets ganz gleich ob zum Frühstück, Mittag- oder Abendessen ein wenig umweltfreundlicher zu gestalten.

    Brotteller

    Kommen wir zurück zum Brotteller. Gibt es einen, dann ist er bereits eingedeckt, bevor sich die Gäste an den Tisch setzen. Seine Position ist eigentlich links oberhalb des Gedeckcentrums (in der Grafik mit A markiert). In Deutschland gibt es alternative Möglichkeiten ihn unten, mittig oder oben am Gedeckzentrum auszurichten (B1 bis B3).

    Die unpraktischste Position des Brottellers ist unten an der Grundlinie (B3). Dort macht er das Ablegen des Handgelenks unmöglich und für die Serviette ist während einer kurzen Abwesenheit ebenfalls kein Platz. Die Position entstand vermutlich bei der übermässigen Belegung von runden Tischen bei Banketten. Durch diese unelegant gequetschte Tischordnung wandert der Brotteller zwangsläufig immer weiter zur Grundlinie. Deshalb gilt, je weiter oben der Brotteller steht, um so besser.

    Mit der Erfindung des Brottellers ist die Regel, Brot zu brechen und nicht zu schneiden (wie oben unter Tischbrot beschrieben), eigentlich obsolet geworden.

    Brotmesser oder Butterstreicher

    Wenn hier von Brotmesser die Rede ist, meint das nicht das große Messer, das mehr eine Säge ist, sondern eines der kleinsten die sich auf einem Esstisch finden lassen. Es wird auch, je nach Gestaltung, Butterstreicher genannt. Letzteres beschreibt seinen Gebrauch auch treffender, da ja das Brot nur gebrochen werden darf. Es ist das einzige Besteckteil, das bei der klassischen Eindeckung eines Couverts für ein Mittagessen oder Abendessen auf einem Geschirrteil liegt und nicht daneben direkt auf dem Tisch. Gängig sind die deutsche (d), englische (e1) und amerikanische Variante (a) der Positionierung auf dem Teller. Nur bei Staatsbanketten in den königlichen Speisesälen in Großbritanien wird der Butterstreicher quer oberhalb des Brottellers direkt auf dem Tisch liegend eingedeckt (e2).

    Mit dem Brotmesser, bzw. mit dem Nichtvorhandensein eines solchen können Gastgeber und Restaurantbetreiber ihren Gästen ein Zeichen geben. Gibt es einen Butterstreicher, gibt es es auch Butter oder einen anderen Aufstrich. Ist kein Butterstreicher eingedeckt, gibt es auch keinen Aufstrich. Dann gebietet die Etikette zudem, dass man auch nicht danach fragt.


    Dieser Artikel wurde erstmals im November 2012 veröffentlich und im Juli 2026 überarbeitet und ergänzt.

  • Faire chabrot ist eine ländliche französische Art, das Essen einer Suppe zu beschließen, indem ein Teil des zur Suppe getrunkene Weins zum Rest in den Teller geschüttet wird. Anschließend wird der Teller an die Lippen geführt und ausgetrunken.

    Ein Londoner Restaurant „Chabrot Bistro d’amis“ führte diese alte esskulturelle Besonderheit als Namen.

    In Italien gibt in der Provinz Mantua etwas sehr ähnliches: Das Gießen von frischem Wein in eine Vorspeise, die aus Pasta in einer Brühe besteht. Allerdings wird nicht aus dem Teller getrunken. Im örtlichen Dialekt wird das bevr’in vin genannt (ital. bere nel vino / dt. im Wein trinken).


    Dieser Artikel wurde erstmals im November 2012 veröffentlich und im Juli 2026 überarbeitet und ergänzt.

  • Begriffe, Systematisierung und Abgrenzung

    Besteck ist die Bezeichnung für Werkzeuge, auch Tafelgeräte genannt, zur Vorbereitung und Einnahme von Speisen und kommt als Messer, Gabeln, Löffel und Stäbchen, aber auch als Zangen, Scheren, Hobeln und Drahtschneider vor. Dazu gehören aber auch Reinigungsgeräte wie Tischroller oder Tischbröselabziehklingen zum Entfernen von Speiseresten.

    Begriffe für Segmente von Messer, Löffel und Gabel

    Besteckgruppen: Einordnung nach Funktion, Vorkommen und Spezialisierung

    Die traditionelle Einteilung ist in der Fachliteratur uneinheitlich (siehe Vergleichstabelle). Man ordnet die Bestecke in Gruppen nach ihrer Funktion: Ess- und Trinkbesteck und Servicebesteck (Tranchier-, Vorlege- und Reinigungsbesteck). Mit Tranchierbesteck [T] bereitet man Speisen vor und portionieren sie (z.B. das Aufschneiden von Braten und Brot, das Zerlegen von Geflügen, das Anschneiden von Kuchen und Torten), mit dem Vorlegebesteck [V] transportiert und verteilt man Speisen und Getränke von Servier- und Anrichtgefäßen auf das Essgeschirr der einzelen Teilnehmer eines Essens, und das Ess- und Trinkbesteck, das sich in die Untergruppen Hilfsbesteck [Eh] für das Zerteilen und Vorbereiten von Speisen mundgerechte Stücke und Mundbesteck [Em] zum Transport von Speisen vom Essgeschirr zum Mund des Essers unterteilt. In einigen Besteckkombinationen kann Mundbesteck die Funktion des Hilfsbestecks übernehmen. Reinigungsbesteck[R] dient zur Entfernung von Speiseresten, vorallem Brotkrümmeln. Tafelgeräte für die Reinigung an der Speisetafel sind z.B. die Tischschaufel mit dem dazugehörigen Tischbesen.

    Besteck wird entweder für die Benutzung durch eine einzelne Person eingedeckt (als Bestandteil des Gedecks, deshalb Gedeckbesteck [G]), oder für die Benutzung aller Teilnehmer eines Essens, bzw. der Servicekräfte bereitgestellt werden (Allgemeinbesteck [A]). Im Allgemeinen ist Essbesteck immer Gedeckbesteck, während Tranchier- und Vorlegebesteck meist Servicebesteck ist. Beispiele für Vorlegebesteck, das zum Grundbesteck gehört, sind der Salzlöffel (wenn jedes Gedeck ein eigenes Salzfass hat) und die Fonduegabel.
    Eine weitere Möglichkeit der Unterteilung des Essbestecks ist die Einordnung nach Vorkommen und Spezialisierung: In der Fachliteratur wird das Essbesteck nach Häufigkeit des Vorhandenseins in Privathaushalten und gastronomischen Betrieben bzw. nach dem Grad der Spezialisierung in zwei Untergruppen unterteilt (Spezialisierung und Häufigkeit im Vorkommen gehen miteinander her): Grundbesteck, dessen einzelne Teile meist vielseitig verwendet werden können (besonders beim Hotelsystembesteck), und Spezialbesteck, welches nur für einzelne Gerichte und Anwendungen eingesetzt wird und nicht so häufig im Haushalt oder Betrieb zu finden ist.

    In Privathaushalten besteht das Grundbesteck meist aus

    • großem Besteck (Hauptspeisenmessern, -löffeln und -gabeln) und
    • Kaffeelöffeln,

    beim erweiterten Grundbesteck finden sich zudem

    • Fischbesteck (Fischmesser und -gabeln),
    • Kuchengabeln

    und gelegentlich

    • Gourmetlöffel,

    beim Spezialbesteck

    • Espressolöffel
    • Eierlöffel und
    • Steakmesser.

    In gastronomischen Betrieben besteht das Grundbesteck aus

    • großem Besteck (Hauptspeisenmessern, -löffeln und -gabeln),
    • Mittelbesteck (Vorspeisenmessern, -löffeln und -gabeln),
    • kleinem Besteck (Kaffeelöffeln und Kuchengabeln),
    • Fischbesteck (Fischmesser und -gabeln),
    • Buttermesser,
    • Tassenlöffel und
    • Gourmetlöffel.

    Je nach Art des Betriebes finden sich alle erdenklichen Spezialbesteckteile.

    Eine Besonderheit stellt das Hotelsystembesteck dar. Es besteht aus großem Besteck, Mittelbesteck, die sich jeweils aus Messern, Gabeln und Löffeln zusammensetzt, Kaffeelöffel und Fischmessern. Die verwendeten Essgeräte ersetzen andere Grund- und Spezialbesteckteile. Beim Systembesteck wird

    • das große Messer als Vor- und Hauptspeisenmesser,
    • der große Löffel als Suppen- und Vorlegelöffel,
    • die große Gabel als Vorspeisen- Hauptspeisen-, Fisch- und Vorlegegabel,
    • das Mittelmesser als Obst-, Dessert-, Käse- und Buttermesser,
    • der Mittellöffel als Bouillon-, Cocktail- und Kompottlöffel,
    • die Mittelgabel als Austern-, Käse-, Dessert- und Kuchengabel und
    • der Kaffeelöffel als Consommé-, Cocktail-, Eis- und Eierlöffel

    verwendet.

    Besteckgattungen: Einordnung nach grundlegender Funktionsweise

    Eine andere Möglichkeit ist, Besteckteile aufgrund ihrer grundlegenden Funktionsweise in sechs Gattungen einzugeteilt:

    A Tafelgeräte zum Zerschneiden und Zerteilen, Schieben: Messer, Drahtschneider, Hobel und Scheren
    B Tafelgeräte zum Aufspießen: Gabeln
    C Tafelgeräte zum Schöpfen und Anheben: Löffel, Schöpfer und Heber
    D Tafelgeräte zum Packen und Zerknacken: Zangen, Knacker, Stäbchen und Halter
    E Sonstige Tafelgeräte: z.B. der Schokoladenquirl und der Tischbesen
    F Mischformen: z.B. der Göffel und die Hummergabel

    Das sich Gabeln und Löffel durchaus auch zum Zerteilen eignen und auch genutz werden, wird hier außer Acht gelassen, dies gehört nicht zu ihren grundlegenden Funktionsweisen. Dergleichen gilt auch für Essstäbchen, die auch zum Heben und Schieben genutzt werden können. Essbestecke, die der Gattung A angehören, sind durchweg Hilfsbesteckteile, da man normalerweise das Messer nicht zum Mund führt. In der Gattung D bilden nur die Stäbchen und der seltene Knochenhalter Ausnahmen, sie gehören zu den Mundbestecken, alle anderen Teile zum Hilfbesteck. Gedeckbesteckteile der Gattung B und C können sowohl Mundbesteck als Hilfsbesteck sein.

    Besteckkombinationen

    Unterschiedliche Besteckteile können in Zweier- oder Dreierkombinationen zusammengesetzt werden. Einige sind feststehend und werden für bestimmte Speisen und Menügänge eingedeckt oder zum Tranchieren und Vorlegen benutzt werden.

    Hauptspeisenbesteck (links: Hauptspeisengabel [Eh], rechts: Hauptspeisenmesser [Eh])
    Hauptspeisenbesteck gibt es in zwei Größen. Seit den 50er Jahren des 20. Jahrhunderts stellen die Hersteller das sogenannte Menübesteck her. Es ist etwas kleiner, als das bis dahin verbreitete Tafelbesteck. Bei einigen Besteckherstellern wie z.B. Robbe & Berking sind weiterhin beide Arten des Hauptspeisenbestecks erhältlich.

    Eintopfbesteck (links: Hauptspeisengabel [Eh], rechts: Hauptspeisenmesser [Eh] und Hauptspeisenlöffel [Em])

    Spaghettibesteck (links: Hauptspeisenlöffel [Eh], rechts: Hauptspeisengabel [Em])

    Fischbesteck (links: Fischgabel [Em], rechts: Fischmesser [Eh]; Alternative I links: Fischgabel [Eh], rechts: Gourmetlöffel [Em]; Alternative II links: Hauptspeisengabel [Eh], rechts: Hauptspeisengabel [Em])
    Wird eingedeckt für: Fischgerichte mit leicht zu schneidendem Fischfleisch, Alternative I ist für Fischgerichte mit viel Soße empfohlen

    Krebsbesteck (links: Krebsgabel [Em], rechts: Krebsmesser [Eh])

    Hummerbesteck (links: Hummerzange [Eh] und Fischgabel [Em], rechts: Fischmesser [Eh] und Hummergabel [Eh].
    Die Hummerzange wird nicht eingedeckt, wenn der Hummer bereits vorbereitet also geöffnet vorgelegt wird.

    Schneckenbesteck (links: Schneckenzange [Eh], rechts: Mittellöffel [Em] und Schneckengabel [Eh oder Em])

    Mittelbesteck (links: Mittelgabel [Em], rechts: Mittelmesser [Eh])
    Wird eingedeckt für: Vorspeisen und Zwischengänge; auch für Fischgerichte, wie z.B. Räucheraal, Räucherlachs, Heringsgerichte, geräuchertes Störfleisch; Käsegang

    Entremetbesteck (links: Mittelgabel [Em], rechts: Mittellöffel [Eh])
    Wird eingedeckt für: Vorspeisen, die nicht geschnitten werden, gemischte Desserts auf Tellern

    Fisch-Entremetbesteck (links: Fischgabel [Em], rechts: Mittellöfel [Eh])
    Wird eingedeckt für: Vorspeisen mit Fisch oder Meeresfrüchten, die nicht geschnitten werden, Cocktails mit Fisch und Meeresfrüchten

    Kaviarbesteck (Kaviarlöffel, Kaviarmesser)

    Vorlegebesteck (Hauptspeisengabel und Hauptspeisenlöffel)

    Salatbesteck(Salatgabel und Salatlöffel)

    Tranchierbesteck(Tranchiergabel und Tranchierlöffel)

    Besteckgarnituren

    Der Begriff Besteckgarnitur bezeichnet eine Zusammenstellung von Besteckteilen, meist mit einheitlichem Design. Garnituren werden für eine bestimmte Personenanzahl (gängig sind Sets für eine, vier, sechs, acht oder 12 Personen) und/oder einem bestimmten Verwendungszweck zusammengestellt. Beispiele sind die 4-teilige persönliche Ganitur, bestehend aus Hauptspeisenmesser, -gabel, -löffel und Kaffeelöffel, die Fischbesteckgarnitur 12-teilig, bestehend aus sechs Fischgabeln und sechs Fischmessern, und die 39-teilige esteckgarnitur, bestehend aus jeweils sechs Messern, Gabeln, Löffeln, Kaffeelöffeln, Kuchengabeln und 9 Vorlegebesteckteilen. Eine Zusammenstellung von Tranchier- und Vorlegebesteckteilen kann ebenfalls als Garnitur bezeichnet werden.

    Besteckgattungen: Teileverzeichnis

    Besteckgattungen: Einordnung nach grundlegender Funktionsweise

    Eine Möglichkeit der Systematisierung von Tafelbesteck ist, Besteckteile aufgrund ihrer grundlegenden Funktionsweise in sechs Gattungen einzugeteilt:

    A Tafelgeräte zum Zerschneiden und Zerteilen, Schieben: Messer, Drahtschneider, Hobel und Scheren
    B Tafelgeräte zum Aufspießen: Gabeln, Spieße
    C Tafelgeräte zum Schöpfen und Anheben: Löffel, Schöpfer und Heber
    D Tafelgeräte zum Packen und Zerknacken: Zangen, Knacker, Stäbchen und Halter
    E Sonstige Tafelgeräte: z.B. der Göffel und die Hummergabel
    F Mischformen: z.B. der Göffel und die Hummergabel

    Verwendete Abkürzungen

    Die in eckigen Klammern stehenden Abkürzungen beziehen sich auf die Besteckgruppen, wie im Abschnitt → Bestecke/Besteckgruppen beschrieben.
    E = Ess- und Trinkbesteck, mit den Untergruppen
    h = Hilfsbesteck
    m = Mundbesteck
    R = Reinigungsbesteck
    T = Tranchierbesteck
    V =Vorlegebesteck

    Besteckteile der Gattung A: Messer, Drahtschneider, Hobel, Scheren

    Austernmesser, -brecher [Eh]
    Brot-/Buttermesser, Couvertmesser (Unterart: Butterstreicher) [Eh]
    Brötchenmesser (Unterarten: Frühstücksmesser, Teemesser) [Eh]
    Brotmesser, groß [T]
    Buttermesser, groß [T]
    Fischmesser [Eh]
    Fischvorlegemesser [T]
    Gourmet-, Trüffelhobel [T]
    Grapefruitfiletiermesser [Eh]
    Großes Messer, Hauptspeisenmesser, Fleischmesser (Unterarten: Tafelmesser [Gh], Menümesser [Eh])
    Käsemesser(Unterarten: Weichkäse- und Parmesanmesser)[T]
    Käsedrahtschneider [T]
    Käsehobel [T]
    Kaviarmesser [Eh]
    Krebsmesser [Eh]
    Kuchen-, Tortenmesser [T]
    Mittelmesser (Vorspeisen-, Käse-, Dessertmesser) [Eh]
    Obstmesser[Eh]
    Steakmesser [Em]
    Tischbesen [R]
    Tischbröselabziehklinge [R]
    Tranchiermesser, Tranchelard(Unterarten: Fleisch-, Lachs- und Schinkentranchelard) [T]
    Traubenschere [T]

    Besteckteile der Gattung B: Gabeln

    Austerngabel [Em]
    Fischgabel [Em]
    Fleisch-/Wurstgabel [V]
    Fonduegabel (Unterarten: Fleischfonduegabel, Käsefonduegabel) [Eh (V)]
    Gemüsevorlegegabel [V]
    Hauptspeisengabel (Unterarten: Tafelgabel, Menügabel) [Em]
    Kartoffelpellgabel [Eh/T]
    Krebsgabel [Em]
    Konfektgabel [Em]
    Kuchengabel [Em]
    Maiskolbenhalter [Em]
    Mittelgabel (Vorspeisen-, Käse-, Dessertgabel) [Em]
    Obstgabel [Em]
    Salatgabel (englische Vorspeisengabel) [Em]
    Salatgabel (Teil des Salatbestecks) [V]
    Schneckengabel [Em, Eh]
    Spaghettigabel [Em]
    Tranchiergabel [T/V]
    Vorlegegabel [T]

    Besteckteile der Gattung C: Löffel, Schöpfer und Heber

    Eierlöffel [Em]
    Espressolöffel, Mokkalöffel [Eh]
    Eislöffel [Em]
    Gourmetlöffel [Em]
    Grapefruitlöffel [Em]
    Hauptspeisenlöffel, Suppenlöffel (Unterarten: Tafellöffel, Menülöffel) [Em]
    Kaffeelöffel [Eh]
    Kiwilöffel [Em]
    Kompottlöffel [Em]
    Limonadenlöffel, Langer Eislöffel, Latte-Macchiato-Löffel, Longdrinklöffel, Yoghurtlöffel, Eisteelöffel[Eh]
    Mittellöffel, (auch: Vorspeisen- und Dessertlöffel) [Em, Eh]
    Orangenlöffel [Em]
    Partylöffel (auch: Amouse-Gueule/Amuse-Bouche-Löffel, Happyspoon) (gelegentlich auch fälschlicherweise Gourmetlöffel bezeichnet) [Em]
    Sahnelöffel [V]
    Salatlöffel (Teil des Salatbestecks) [V]
    Salzlöffel, Gewürzlöffel [V]
    Schokoladenlöffel [Eh]
    Sorbetlöffel [Em]
    Soßenlöffel, -kelle oder -schöpfer [V]
    Suppenkelle oder -schöpfer [V]
    Tassenlöffel (Unterarten: Consommélöffel, Bouillonlöffel) [Em]
    Teelöffel [Eh]
    Tischschaufel [R]
    Zuckerlöffel [V]
    Zuckerstreulöffel [V]

    Besteckteile der Gattung D: Zangen, Knacker, Stäbchen und Halter

    Eiszange [V]
    Essstäbchen [Em]
    Hummerzange [Eh]
    Gebäckzange [V]
    Nussknacker [Eh,T]
    Schneckenzange [Eh]
    Spargelhalter, -zange [Eh]
    Teezange/Teeeilöffel [T]
    Vorlegestäbchen [T]
    Zuckerzange [V]

    Besteckteile der Gattung E. Sonstige

    Schockoladenquirl [T]
    Tischroller [R]
    Trinkhalm [Em]

    Besteckteile der Gattung F. Mischformen

    Göffel [Em]
    Hummergabel/-pike/-spachtel [Eh]
    Kaisergabel [Em]
    Käsevorlegemesser [T,V]
    Trinkhalmlöffel [Em]

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